Hohnstorfer Pferdehalter kritisieren Abdecker-Unternehmen / Es gibt keinen Wochenend-Notdienst

Kadaver liegt drei Tage in der Sonne

Drei Tage lang liegt Warmblut-Wallach Rico unter einer Plane, bis der Kadaver vom zuständigen Unternehmen abgeholt wird. Fotos: Sternitzke
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Drei Tage lang liegt Warmblut-Wallach Rico unter einer Plane, bis der Kadaver vom zuständigen Unternehmen abgeholt wird.

Hohnstorf. Ein süßlich-stechender Geruch liegt über dem Grundstück in Hohnstorf. Unter einer Plastikplane liegt Rico. Sein Bauch ist aufgequollen, alle Viere hat er in der Totenstarre von sich gestreckt, aus dem Maul ist Blut gelaufen.

Jürgen Stahn und Stephanie Clasen-Stahn.

Urplötzlich ist der neunjährige Warmblut-Wallach auf der Weide am Haus umgekippt. Herzinfarkt, vermutet Besitzerin Stephanie Clasen-Stahn. Das war am Freitag. Ein befreundeter Landwirt schleppte den Kadaver von der Wiese. Genau drei Tage dauerte es, bis das tote Pferd von der zuständigen Firma abgeholt wurde. Viel zu lange, findet die 45-jährige Hohnstorferin. „Es wird immer von Seuchenschutz geredet, und dann bleibt ein Kadaver drei Tage liegen“, ärgert sich Stephanie Clasen-Stahn. Drei Tage unter der Frühlingssonne. Zumal in dem Gebiet auch der Wolf unterwegs ist, wie ihr Mann Jürgen Stahn hinzufügt. Erst recht könne man von den Besitzern nicht erwarten, dass sie ein mehrere hundert Kilo schweres Tier zur Straße schleppen müssten, betont die Pferdebesitzerin. „Das ist ein ein Unding.“ Das sei weder den Anwohnern zumutbar noch den Kindern vom benachbarten Reiterhof, sind die Finanzsachbearbeiterin und der Schlosser überzeugt.

Tierkörper werden spätestens am folgenden Arbeitstag, in diesem Fall dem Montag, abgeholt teilt Hubertus Sander, Manager der Firma Rendac in Rotenburg, auf AZ-Nachfrage mit. „Eine Samstagsabholung ist nur in Extremstfällen vorgesehen.“ Voraussetzung sei, dass der Tierkörper gut sichtbar zur Verfügung gestellt werde.

Martin Theine, Pressesprecher des Landkreises Uelzen, bestätigt diese Darstellung. Nur im Fall von Tierseuchen wie bei der Geflügelpest würden tote Tiere sofort abgeholt. Dies sei bei Pferden nicht der Fall. „Eine Abholung am Wochenende würde – auch für den Tierbesitzer – erhebliche Notdienstgebühren verursachen und wäre unverhältnismäßig“, fügt er hinzu.

Laut Gesetz müsse der Tierhalter das tote Pferd an die nächste befahrbare Straße bringen. Bis zur Abholung müsse er – vor Witterungseinflüssen geschützt – so gelagert werden, dass Menschen und Tiere mit ihm nicht in Kontakt kommen könnten, unter einer Plane.

„Uns ist sehr wohl bekannt, dass gerade Pferdebesitzer verständlicherweise beim Tod ihres Tieres mitunter recht emotional reagieren“, erklärt Manager Sander. „Daher versuchen unsere Mitarbeiter im Help-/Servicedesk hier besonders auf die Belange der Kunden einzugehen und äußerst behutsam zu reagieren.“

Von Gerhard Sternitzke

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