Kabarettist Jochen Busse erntet auf Gut Bardenhagen stürmischen Applaus

Bissig, spöttisch und pointiert

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Nimmt das Alter, den Tod und die Kanzlerin auf die Schippe: Kabarettist und Comedian Jochen Busse begeisterte auf Gut Bardenhagen mit seinem vielseitigen Humor und den überraschenden Pointen das Publikum.

Bardenhagen. „Wenn man scharf die 73 ankratzt, darf man schon mal zurückblicken. “ Der Kabarettist und Comedian Jochen Busse tat dies auf einer Stippvisite seiner Solo-Tour „Wie komm’ ich jetzt darauf?“ auf Gut Bardenhagen.

„Gibt es etwas Schöneres als einen runden Geburtstag, bei dem alle Menschen zusammenkommen, mit denen man es im Leben zu tun hatte?“ Busse nennt die Antwort: „Einen Abend alleine. Einen Abend, an dem man mal überlegt, was im Leben alles passiert ist und noch passieren kann. “.

Und so lädt der mit dem „Bambi“ und dem Deutschen Comedy-Ehrenpreis ausgezeichnete Fernsehstar sein Publikum in seine Wohnung im fünften Stock ein. „150 Stufen sind in meinem Alter schon aktive Sterbehilfe“, stellt er fest und beginnt zu erzählen von der großen Politik und den kleinen alltäglichen Wehwehchen des Alters. Busse hat zu allem etwas zu sagen. Die Themen verstrickt er geschickt miteinander, kommt von einer Assoziation zur nächsten und lässt immer wieder kopfkratzend und leicht zerstreut wirkend die titelgebende Frage ins Spiel bringen. Dabei kommt er ohne Requisiten aus und lässt die etwas mehr als zwei Programmstunden wie in der „Zeit des Fluges“ ablaufen, immer zwischen Kabarett und Comedy, ohne zu straucheln. Respekt!

In der besagten Wohnung trifft sich Busse mit seinen Freunden („Mein Gott, sind die alt geworden“) zu einer Auszugsparty, erzählt von Werner, seinem Hausarzt, den er mittlerweile wegen der häufigen Arzttermine schon duzt und der ihn öfters abtastet als seine Partnerin. Und wo ansonsten begegnet man all seinen Weggefährten? Richtig, auf Beerdigungen. Und da kommt er wieder ins Grübeln. „Lohnt es sich überhaupt noch, wieder nach Hause zu gehen...?“ Auch über Gegenwart lässt es sich mit der Politik gut lästern. Über den Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff beispielsweise: „So viel Geld für einen so kurzen Einsatz hat bisher nur jemand bekommen, der mit Boris Becker in einer Besenkammer war.“ Den Ex-FDP-Chef Philipp Rösler lässt er zum Unerkanntsein in eine japanische Reisegruppe untertauchen, und Angela Merkel fragt er, ob sie nach dem Ski-Unfall mit den Krücken regieren könne: „Ich habe ja keine besseren Minister.“

„Ernsthaft“, dann aber doch spöttisch nimmt Busse im zweiten Teil des Abends den Tod auf die Schippe. „Der Tod ist die stärkste Form der Dienstunfähigkeit.“ Er nimmt es dennoch gelassen. „Wenn man über 70 ist, steht der Tod noch nicht vor der Tür, aber er sucht sich schon einen Parkplatz“, und fügt optimistisch hinzu: „Gut, wenn man da in einer Fußgängerzone wohnt.“ Alter kann schon eine Strafe sein, kann aber seine Schrecken verlieren, wenn man Körper und Geist durch einen regelmäßigen Gang zum Bäcker trainiert und dort die Brötchen in der Hühnersprache bestellt. Man muss nicht mehr allem nachrennen, man muss keine Dinge mehr tun, die man ohnehin nicht mehr so recht kann. „Im Alter hat man meistens schon alles, nur keine Zukunft mehr“, wird Busse zum Abschluss noch mal richtig bissig.

Das Programm hat gefallen. Das Publikum feiert Jochen Busse mit stürmischem Beifall. Der bedankt sich: „Sie waren ein tolles Publikum – für einen Samstagabend.“

Von Ulrich Bleuel

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