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„Jeden Tag ein anderer Vorgarten“ – 350 Wohnmobile machen in Lüneburg Station

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Echte Camper schreckt auch ein kalter Wind nicht ab: Gemeinschaft zählt auch bei den Lüneburger Wohnmobiltagen am vergangenen Wochenende. 350 Mobile machten in den Sülzwiesen Station. Fotos: Frels
Echte Camper schreckt auch ein kalter Wind nicht ab: Gemeinschaft zählt auch bei den Lüneburger Wohnmobiltagen am vergangenen Wochenende. 350 Mobile machten in den Sülzwiesen Station. © Fotos: Frels

Lüneburg. Eine Invasion der Camper hat Lüneburg am Wochenende erlebt. 350 Wohnmobile machten in den Sülzwiesen Station, 100 mehr als im vorigen Jahr. Diese Zahlen nennt Doreen Wolter von der Lüneburg Marketing, die das Event organisiert hat.

Zu regeln war viel: Wer wo sein Mobil abstellen darf, wie der Strom verteilt wird, der Brötchenservice und nicht zuletzt die Abfallentsorgung musste organisiert werden.

Doreen Wolter
Doreen Wolter © Freier Mitarbeiter

Ein buntes Völkchen trifft sich da am Rand der historischen Altstadt. Die weiteste Anreise hatte mit mehr als 850 Kilometern ein Camper aus dem Kanton Aargau in der Schweiz. 2013 gab es dieses Treffen der Wohnmobilfahrer zum ersten Mal in Lüneburg. Seitdem hat sich die Zahl der Teilnehmer mehr als verdreifacht und das ursprüngliche Ziel, den Lüneburger Wohnmobil-Stellplatz zu bewerben und zugleich Reklame zu machen für die Stadt, ist voll erreicht.

Roman Feodoria
Roman Feodoria © Freier Mitarbeiter

Die Camper kommen gerne. Und sie kommen auch gerne in ganzen Gruppen. Der „Dethleffs-Club Deutschland“ ist genauso vertreten wie die „Reisemobilfreunde Nord“ und die „Clou-Freunde“. Die stärkste Gemeinschaft allerdings stellen die „Wohnmobil Solisten Sterne“: Von dieser aus rund 650 Mitgliedern bestehenden Gruppe sind 49 in Lüneburg. Bei den „Solisten“ finden Einzelreisende im Alter von mindestens 55 Jahren Gleichgesinnte, finden Menschen, die allein sind, aber gern weiter mobil reisen wollen, Verständnis und Unterstützung.

So wie Ilona Pohlmeyer-Begas aus dem Großraum Göttingen, für die ihr Wohnmobil zum zweiten Zuhause geworden ist. „Das ist Freiheit. Einfach da zu sein, wo ich will.“ Und so organisiert sie für andere Solisten Touren.

„Ist das nicht schön?“, fragt eine andere Solistin, die im Wind vor dem Wohnmobil sitzt, und breitet die Arme aus: „Jeden Tag ein anderer Vorgarten!“

Ilona Pohlmeyer-Begas
Ilona Pohlmeyer-Begas © Freier Mitarbeiter

Auch Roman Feodoria aus Kappeln hat vor Jahren schon den Anschluss bei den Wohnmobil-Solisten gefunden. Der frühere Bürgermeister von Kappeln an der Schlei schätzt besonders die Verbundenheit in der Gruppe. „Wir machen da keine Unterschiede, ob jemand einen großen Wagen fährt oder einen kleinen, und als was jemand tätig war oder ist.“ Für die Frauen, die in der Gruppe die Mehrheit darstellen, ist es wichtig, in der Gemeinschaft Hilfe und Sicherheit zu finden. Dass gleich am ersten Abend, als alle bei der Zusammenkunft im Veranstaltungszelt sitzen, drei Wohnmobile aufgebrochen wurden, drückt die Stimmung.

Was treibt Menschen an, sich ein Gefährt anzuschaffen, das schon mal den Wert einer Eigentumswohnung erreichen kann? Es ist das Lebensgefühl. Mit der Natur auf Du und Du, viel unterwegs, um Land und Leute kennenzulernen. Es sind Menschen, für die es nichts Schöneres gibt, als gleich nach dem Heraustreten Gras oder Strand unter den Füßen zu haben und keinen spiegelnden Hotelflur. Und es werden immer mehr – waren 2008 noch gut 320 000 Wohnmobile angemeldet, so werden es bald eine halbe Million sein.

Von Folkert Frels

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