Walter Dehnbostel (80) erzählt aus seiner Zeit als Besitzer der Hamburger Szenekneipe „Onkel Pö“

Von Al Jarreau bis Udo Lindenberg

+
Viele Fotos aus seiner Zeit als Besitzer der Hamburger Szenekneipe „Onkel Pö“ hat der Hohenbosteler Walter Dehnbostel (80) nicht – dafür aber umso mehr Erinnerungen.

Hohenbostel. Chick Corea, Dizzy Gillespie, Rahn Burton, Roy Gallagher, Udo Lindenberg, Hannes Wader, Otto Waalkes – die Liste der nationalen und internationalen Musikgrößen, die sich in den 1970er-Jahren in der Hamburger Programmkneipe „Onkel Pö“ die Klinke in die Hand gaben, lässt sich beinahe beliebig fortführen.

Wenn sich Walter Dehnbostel, einer der Gründer der Kneipe, unter den vielen Musikern für seinen persönlichen Favoriten entscheiden müsste, dann würde seine Wahl auf Al Jarreau fallen. „Der war eine Koryphäe. Was der zustande brachte, war enorm“, schwärmt Walter Dehnbostel über den im vergangenen Jahr verstorbenen Jazzsänger.

Heute ist Walter Dehnbostel 80 Jahre alt und lebt seit ziemlich genau 40 Jahren in Hohenbostel. Die Zeit als Besitzer einer der bundesweit bekanntesten Jazz-Kneipen liegt lange hinter ihm, nämlich ebenfalls ziemlich genau 40 Jahre. Fotos aus der damaligen Zeit hat er kaum. Aber: „Ich habe die Zeit richtig genossen.“ An Spitzenabenden kamen rund 650 zahlende Gäste ins Pö. „Obwohl die Kneipe eigentlich nur ein Fassungsvermögen von vielleicht 150 hatte.“

Angefangen hat alles 1970: Walter Dehnbostel ist junger Geschäftsführer einer großen Schuhfirma in Hamburg und lässt in Zusammenarbeit mit einem Stuttgarter Architekten die Büroräume umbauen. Eines Abend verschlägt es die beiden in eine kleine, schmal geschnittene Kneipe, die Walter Dehnbostel auf Anhieb gefällt und schnell zu seiner Stammkneipe wird. „Warum soll ich in eine fremde Kneipe gehen, wenn ich auch eine eigene haben könnte“, fragt sich der damals 32-Jährige. Kurzerhand kauft er eine Kneipe in Eppendorf.

„Dass es so groß werden würde, hatte ich nicht geahnt“, erzählt Walter Dehnbostel. Doch nach anfänglichen Schwierigkeiten entwickelt sich das Pö zu dem Szenetreff in Hamburg. „Die Musiker baten darum, bei uns auftreten zu dürfen“, sagt der Hohenbosteler. Jeden Abend bietet die Kneipe ihren Gästen ein Live-Musik-Programm. „Und wenn doch mal ein Musiker wegen Krankheit abgesagt hat, haben wir Tanzabende ‘Oldies but Goldies’ mit einem Discjockey gemacht.“

Viele Politiker seien Stammgast im Pö gewesen, berichtet Dehnbostel. Unter anderem auch Hamburgs damaliger Erster Bürgermeister Hans-Ulrich Klose. Der habe einmal alle Ministerpräsidenten der Bundesrepublik nach Hamburg eingeladen: „Abends sind sie alle zu uns ins Pö gekommen, das war der absolute Höhepunkt.“

Auch die Auftritte von Udo Lindenberg seien musikalisch immer Höhepunkte gewesen, sagt Dehnbostel. Menschlich könne er dem deutschen Rockmusiker aber nichts abgewinnen. „Udo ist ein Arschloch, ich mag ihn nicht, er mich aber auch nicht“, erzählt Dehnbostel schmunzelnd.

Er habe Angst bekommen, begründet der Hohenbosteler seinen Ausstieg aus der Kneipe nach nur knapp acht Jahren. „Die ‘Fabrik’ hatte gebrannt, bei uns gab es auch einen Schwelbrand, da dachte ich: ‘Du musst raus hier’.“ Dehnbostel zieht daraufhin von Hamburg nach Hohenbostel, konzentriert sich jahrelang auf die Malerei und Bildhauerei und genießt das Landleben. „Ich bin halt ein Heidjer und wollte immer wieder zurück.“

Von Florian Beye

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare