In Fabrizio De Cereros Brust schlagen mindestens zwei Herzen

Der Italiener von Bienenbüttel

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Ist es richtig heiß, sind fruchtige Eissorten der Renner. Bei durchwachsenen Temperaturen gehen Sorten mit Schoko oder Nuss besser, weiß der Italiener von Bienenbüttel, Fabrizio De Cesero.

Bienenbüttel – Jeder kennt ihn in Bienenbüttel als „Fabrizio“. So heißt der 62-Jährige auch. Seinen Nachnamen – De Cesero – wissen die Wenigsten. Fabrizio ist das egal. Auch, ob man ihn duzt oder siezt. Genauso ist es mit der Sprache.

Mal redet er mit seiner Familie italienisch, mal deutsch. Oft einen Mix „mit Dialekt“, wie der Italiener schmunzelnd erzählt. Was auch kaum jemand weiß, ist, warum der Italiener als 16-Jähriger nach Deutschland kam und dass seine damalige Freundin in der Heimat seine Nachbarin war. 1980 wurde sie seine Frau.

Fast 40 Jahre ist Fabrizio De Cesero nun schon in Bienenbüttel. „In den 70ern war ich in Bad Bevensen, im Rosencafé“, erzählt er. Danach hat er sich selbstständig gemacht.

Nach Deutschland kam er 1973. „Ich stamme aus den Dolomiten, da lebten damals die meisten Eismacher, die heute in Deutschland sind“, erzählt der lebensfrohe Italiener, der mit seinem südländischen Charme gute Laune versprüht. Die, die schon in Deutschland waren, suchten in den Dörfern der Dolomiten nach Kräften, die im Eisgeschäft mitarbeiten. „So klingelte auch jemand bei uns und ich habe Ja gesagt“, schildert der 62-Jährige. Damals war Fabrizio 16 Jahre jung, hatte eine Ausbildung zum Automechaniker absolviert – und eine Freundin. Vom Eismachen hatte er wenig Ahnung, „aber man lernt ...“

Fabrizio lächelt verschmitzt, wenn er an die Zeit zurückdenkt. Denn seine Freundin, damals in Italien, war seine Nachbarin. Sechs Jahre nach ihm, im Jahr 1979, folgte sie ihrem Liebsten nach Deutschland. Ein Jahr später wurde geheiratet. Zwei Kinder machten das Glück der Italiener in Bienenbüttel perfekt, beide arbeiten im Eiscafé mit.

Und beide Kinder kennen ihre Wurzeln ganz genau, sprechen Italienisch wie Deutsch und auch den „Dialekt“. Denn jeden Winter geht es zurück nach Italien. „Wir haben dort eine Wohnung“, erklärt Fabrizio, der seine Heimatverbundenheit nie abgelegt hat.

Die Eis-Saison in Deutschland geht von Ende Februar bis Mitte Oktober. Und der 62-Jährige hat eine logische Erklärung dafür, dass zum Saisonstart mehr zu tun ist als zum Ende: „Im Februar, März haben die Leute noch kein Eis gegessen – anders als nach dem Sommer im September, Oktober.“

Jede Saison, so erzählt der Bienenbütteler Italiener, hat ihre Eissorten. Klassiker wie Vanille oder Erdbeere gehen immer, weil sie Bestandteile der Becher sind. Wer aber eine Waffel auf die Faust will, greift in diesem Sommer zu Cookie, Stracciatella oder Schoko-Nuss. Und wenn es richtig heiß ist, sind Joghurt-Eis und fruchtige Sorten der Renner.

VON ULRIKE MEINEKE

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