IHK startet Umfrage zur Digitalisierung im Einzelhandel / Chancen werden häufig nicht genutzt

Das Internet ist nicht der Feind

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Viele Einzelhändler beklagen sich, dass Kunden sich im Geschäft beraten lassen und anschließend billiger im Internet einkaufen. Häufiger ist der umgekehrte Weg, berichtet IHK-Berater Harald Kätker: Kunden informieren sich im Internet und kaufen vor Ort.

Lüneburg/Uelzen. Das Internet ist für viele Einzelhändler der Feind schlechthin. Im Laden lassen sich die Leute beraten – und kaufen dann billiger im Internet. Diese Klage ist von vielen Geschäftsinhabern zu hören.

Sie selbst nutzen die neuen Medien dagegen kaum für ihre Zwecke. „Wie digital ist der Einzelhandel?“ Diese Frage soll jetzt eine Umfrage der Industrie- und Handelskammer (IHK) Lüneburg beleuchten. Die Händler sind aufgerufen, sich daran zu beteiligen. Anhand der Ergebnisse sollen Handlungsempfehlungen erarbeitet werden.

Mit einem Vorurteil räumt IHK-Berater Harald Kätker gleich auf: „Der Beratungsklau ist sehr viel geringer, als dass sich Leute im Internet informieren und im Laden kaufen.“ Nur sei dieser umgekehrte Weg aus dem Internet zum Geschäft vor Ort für die Händler in der Regel nicht sichtbar.

Dennoch ist der Wettbewerb härter geworden, weil das Geschäft in der Kleinstadt mit Anbietern bundes- und weltweit konkurriert. „Ich kann jetzt in 24 Stunden jeden Artikel der Welt finden, und es gibt eine hohe Preisdifferenz. Und der Onlinehandel hat den Vorteil, weil er keinen Laden und weniger Mitarbeiter vorhalten muss“, weiß Kätker. „Aber es bleiben viele Vorteile für den regionalen Handel: vor allem die Beratung vor Ort und die Verfügbarkeit der Waren vor Ort.“ Auch durch Events könnten Händler Kunden an sich binden. „Wenn sie ein Grillseminar veranstalten, kaufen die Teilnehmer ihren Grill nicht im Internet.“

„Es gibt viele Möglichkeiten, aber sie werden nicht immer genutzt“, schließt der IHK-Berater. Gerade ältere Geschäftsinhaber hätten häufig keinen Draht zu den Möglichkeiten der Digitalisierung. „Und wenn die Mitarbeiter das nicht mittragen, funktioniert das natürlich auch nicht.“

Wenn Unternehmen ihre Kunden kennen, können sie diese etwa via sozialer Netzwerke an sich binden. Sie können Online-Reservierungen anbieten. Sie können freies W-Lan vorhalten. Manche Supermärkte nutzen digitale Preisschilder, die sich vom Büro aus anpassen lassen. Und Geschäfte können Displays und QR-Codes fürs Handy im Schaufenster platzieren, um auch nach Feierabend Umsatz zu machen. Über den Code erhält der Kunde Informationen über das Produkt und kann es auf der Internetpräsenz der Firma bestellen.

Der Einstieg in den Onlinehandel ist dagegen nur für wenige Firmen zu empfehlen, denn die Konkurrenz ist groß, warnt Kätker. „Das Minimum ist aber, dass ein Geschäft bei Google mit seinen Öffnungszeiten zu finden ist und eine Homepage hat.“

• Die Umfrage der IHK läuft bis Ende Juli. Sie kann hier heruntergeladen werden.

Von Gerhard Sternitzke

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