„Skandalöses und vollkommen respektloses Verhalten gegenüber Frauen“

Intensivtäter aus Bienenbüttel zu 19 Monaten Haft verurteilt – nächste Woche gleich weiterer Prozess

Der Eingangsbereich des Amtsgerichts Uelzen.
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Der Intensivtäter aus Bienenbüttel ist vor dem Amtsgericht Uelzen zu einer Freiheitsstrafe von insgesamt 19 Monaten ohne Bewährung verurteilt worden.
  • Lars Lohmann
    VonLars Lohmann
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Bienenbüttel/Uelzen – 71 Taten hatte die Staatsanwaltschaft einem 35-Jährigen aus Bienenbüttel vorgeworfen.

Heute, 15. Juni. fiel das Urteil durch Richter Ingo Jacobs am Amtsgericht Uelzen: Der Mann aus Guinea wurde insgesamt zu einer Freiheitsstrafe von 19 Monaten ohne Bewährung und einer Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu je 14 Euro verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Maßgeblich zu den Freiheitsstrafen von neun und zehn Monaten beigetragen haben laut Richter Jacobs zwei Fälle sexueller Belästigung, die die Opfer nachträglich erheblich beeinträchtigt hätten. „Sie zeigen eine skandalöse Geringschätzung gegenüber Frauen“, sagte Jacobs bei der Verkündung des Urteils. Dies habe der Angeklagte auch immer wieder während des Prozesses deutlich gezeigt, indem er Zeuginnen und Staatsanwältin ständig unterbrochen und keinerlei Respekt ihnen gegenüber gezeigt habe. So unterbrach der Angeklagte auch am letzten Verhandlungstag mehrmals das Plädoyer der Staatsanwältin extrem unflätig, wofür Richter Jacobs ein Ordnungsgeld von 100 Euro oder ersatzweise drei Tage Ordnungshaft verhängte.

Die Staatsanwältin hatte zuvor in ihrem Plädoyer insgesamt 28 Monate Freiheitsstrafe gefordert – unter anderem auch wegen eines Angriffs auf Vollstreckungsbeamte, der von Jacobs aber als Widerstand gewertet wurde. „Der Angeklagte hat diverse Vorstrafen. Und das Bild, das er abgegeben hat, sein Verhalten während des Prozesses waren sehr schlecht. Und er zeigt keinerlei Reue“, erklärte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer weiter.

Der Gutachter Dr. Reinhard Friedrich hatte im Vorfeld die Schuldfähigkeit des Angeklagten festgestellt. Der 35-Jährige leide zwar an einer schizophrenen Psychose, die in Kombination mit Alkohol- und Cannabismissbrauch bei einzelnen Fällen zu einer Beeinträchtigung der Steuerungsfähigkeit und nach Paragraf 21 Strafgesetzbuch zu einer verminderten Schuldfähigkeit geführt habe. Bei anderen Gegebenheiten habe er sich indes sehr gezielt verhalten. Es sei auch wahrscheinlich, dass es weiter zu solchen Taten wie Diebstahl, Schwarzfahren, Hausfriedensbruch und sexueller Belästigung komme. „Es ist auch nicht auszuschließen, dass der Angeklagte sein Krankheitsbild gezielt einsetzt, um nicht bestraft zu werden“, sagte Friedrich.

„Ein Punkt, der immer wieder durchscheint, ist, dass Sie so lange machen, was sie wollen, bis Sie auf eine Autorität treffen, die Ihnen Grenzen setzt“, sagte Jacobs außerdem bei der Verkündung des Urteils zu dem Angeklagten. Jetzt sei der Punkt gekommen, wo ihm eben solche Grenzen gesetzt würden. Dieser hatte die Urteilsverkündung zunächst gar nicht wahrgenommen. Auf Nachfrage erklärt er: „Zwei Jahre wegen solchen Kleinigkeiten, dass verstehe ich nicht.“

Nächste Woche beginnt gegen den 35-Jährigen übrigens gleich ein weiterer Prozess vor dem Amtsgericht Uelzen. Dieses mal geht es um 41 Anklagepunkte....

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