Schwimmmeister Holger Ratajczak erzählt von seinen Erlebnissen im Waldbad Bienenbüttel

„Ich wollte nur Papa winken“

+
Gute Laune beim Bienenbütteler Dorfgespräch mit Schwimmmeister und Waldbad-Chef Holger Ratajczak (Mitte): Moderatoren Loni Franke und Björn Pamperin.

Bienenbüttel. „Steht eine Frau am Beckenrand und ruft: Hach ist das schön! Der Bademeister geht hin und will wissen: Was ist denn so schön? Mein Mann hat gestern bei Ihnen schwimmen gelernt und heute kann er eine halbe Stunde tauchen.“

Was man daraus lernen kann: Holger Ratajczak ist kein Kind trauriger Eltern. Und er ist natürlich kein Bademeister – den gibt es nur in Kurorten – sondern Schwimmmeister und Leiter des Bienenbütteler Waldbads.

Einen Beweis seiner Beliebtheit erhält der 45-Jährige am vergangenen Dienstagabend beim Dorfgespräch in der Markthalle. 56 Besucher, darunter stark vertreten die Fraktion der Frühschwimmer, verfolgten den Dorf-Talk, und als Ratjczak in kurzer Hose und Polohemd den Saal betritt, geht ein Johlen durch das Publikum. „Ey, das ist wie bei mir“, lobt er die Dekoration mit Schwimmtieren.

Die Frühschwimmer sind Ratajczaks treueste Fans. Offiziell öffnet das Bienenbütteler Waldbad morgens um 6.30 Uhr, der Badleiter und Schwimmmeister-Kollege Jens Weissmann öffnen ihnen schon um 6 Uhr. Das wissen die Berufstätigen zu schätzen. „Es sind viele dabei, die im Trainingsanzug kommen, ihre Runden schwimmen. Dann gehen sie schön duschen und kommen im Nadelstreifen raus“, erzählt Ratajczak.

Hoch im Kurs steht der 45-Jährige auch bei den Kindern und Jugendlichen, die zum Teil die Sommerferien im Waldbad verbringen. Ihr Geschrei bildet den Hintergrund seiner Arbeit. Auch ohne zu schreien, hält er die Übermütigen im Zaum. „Unsere Pappenheimer kennen wir schon“, erzählt Ratajczak. Und manche Eltern staunen, dass ihr Sprössling beim Schwimmmeister mühelos lernt, was er bei Mama und Papa nicht tun will. 120 Kinder im Jahr lernen im Waldbad schwimmen. Für die Kinder würde er sich ein neues Becken und eine zweite, breite Rutsche wünschen.

„Wir sind Mädchen für alles“, gibt Ratajczak eine Berufsbeschreibung. „Wir sind Seelsorger, kleben Pflaster und mähen den Rasen“, zählt er auf. Dabei hat Ratajczak eigentlich Elektriker gelernt. Als begeisterte Wasserratte bewarb er sich zunächst als Rettungsschwimmer beim Waldbad Bodenteich – und fand eine neue Aufgabe. Seit 2000 leitet er das Waldbad in Bienenbüttel, das über die Kreisgrenzen hinaus beliebt ist.

Urlaub hat der Waldbad-Chef nur im Winter. Bei den langen Schichten im Sommer hat er aber auch seinen Spaß. Etwa bei Stromausfall, wenn der Gast, der sich gerade auf den Sprudel lehnt, nach hinten kippt. Oder wenn er zu einem Kind hechtet, das mit den Armen wedelt. Das schaut erstaunt: „Was machst du den hier? Ich wollte nur Papa winken.“

• Das nächste Dorfgespräch findet am Dienstag, 15. August, um 19.30 Uhr statt.

Von Gerhard Sternitzke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare