Henrik Kroll (27) baut in der Garage seiner Eltern in Beverbeck Pfeifen / Kunden auch im Ausland

Vom Holzstück zum Unikat

+
Konzentrierter Blick: Henrik Kroll bearbeitet eine Pfeife für einen Kunden aus London mit dem elektrischen Dremel.

Beverbeck. Mit einem Bleistift zeichnet Henrik Kroll eine Form auf ein Kantel – sprich: auf ein Stück Bruyère-Holz. Die Schablonen für die Formen hat er sich selbst zurechtgeschnitten.

Kroll steht in der Garage seiner Eltern in Beverbeck, die er in den vergangenen Jahren zu seiner Werkstatt umfunktioniert hat. Mit einer Bandsäge schneidet Kroll das Holzstück zurecht, vorsichtig schiebt er es dafür am Sägeblatt entlang.

Seine erste eigene Pfeife hat er im Alter von 20 Jahren gekauft, erinnert sich Henrik Kroll. Heute ist er 27 Jahre alt, baut und verkauft selbst Pfeifen. Was 2013 als Hobby begann, hat sich mittlerweile zu einem Nebenberuf entwickelt.

Die nächste Station auf dem Weg vom Kantel zur Pfeife ist die Drechselbank. Mit wenigen Handgriffen befestigt Kroll das Holzstück in der Vorrichtung, setzt den Bohrer an und bohrt nacheinander die Löcher für die Filterkammer, den Rauchkanal und die Tabakkammer. So langsam ist zu erahnen, dass aus dem Kantel später eine Pfeife wird.

An der Drechselbank bohrt der Pfeifenbauer die Löcher für die Filterkammer, den Rauchkanal und die Tabakkammer.

„Ich habe irgendwann angefangen, Pfeifen zu sammeln und mich mit Pfeifenbauern zu beschäftigen“, erzählt Kroll. Sein Vater rauche ebenfalls seit vielen Jahren Pfeife. Um Pfeifen zu bauen, brauche man Präzision, Geschick und viel Geduld, sagt der Beverbecker, der gerade eine Ausbildung zum Physiotherapeuten abgeschlossen hat.

Tellerschleifer, Bandschleifer und Dremel heißen die nächste Werkzeuge, mit denen Henrik Kroll der Pfeife ihre endgültige Form gibt. Zuvor hat er bereits das Acryl-Mundstück in den Pfeifenholm gesteckt und beides angepasst. Mit dem elektrischen Dremel graviert der junge Pfeifenbauer Formen ins Holz – zum Beispiel eine Art Schneckenhaus. Diese Arbeit sieht schon ziemlich filigran aus, zählt laut Kroll aber noch zu den „gröberen Dingen“. Den letzten Feinschliff erhält die Pfeife per Hand: „Ich nehme Schleifpapier in verschiedenen Stärken“, erzählt Kroll. Mit Holzbeize färbt er zu guter Letzt seine Pfeifen.

Pfeifenmodelle in Arbeit: Aus Bruyère-Holzkanteln entstehen die Körper, die Mundstücke sind aus Acryl.

Das Exemplar, an dem Henrik Kroll an diesem Vormittag arbeitet, ist für einen Professor einer Londoner Universität. „Viele Kunden sind Ärzte und Akademiker“, berichtet Kroll, dessen Pfeifen derzeit von 120 bis 360 Euro kosten. An einer weniger hochwertigen Pfeife arbeitet er rund sechs Stunden, an den aufwendigeren auch mal bis zu 14 Stunden. Das Bruyère-Holz enthält Enzyme, die verhindern, dass es brennt. Das Wurzelholz der Baumheide bestelle er aus Italien, denn es wächst im Mittelmeerraum, erklärt Kroll, der hauptsächlich in deutschsprachige Länder verkauft. „Da sind alle Altersgruppen dabei.“

Ihn fasziniere Holz als Werkstoff und ihm gefalle es, dass „ich mein eigener Herr bin und eigene Formen umsetzen kann“, sagt Henrik Kroll. Eine Pfeife zu rauchen ist für ihn Genuss und hat etwas Sinnliches: „Man muss sich Zeit nehmen, ich kann dabei gut entspannen.“

Von Florian Beye

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare