Schmökern in der Haltestelle

Die Hohnstorfer feiern ihren Bücherschrank – und halten zusammen

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Zur Einweihung des Bücherschrankes in der Buchhaltestelle kommen rund 40 Hohnstorfer zusammen.

Hohnstorf – Sie sind ein bisschen stolz, die Hohnstorfer. Ein Jahr hat es von der Idee bis zur Fertigstellung gedauert.

Am Sonntag war es trotz Nieselregen und nur fünf Grad Außentemperatur soweit: Die neue, in Beige- und Brauntönen gehaltene „Buchhaltestelle Hohnstorf“ wurde bei einem Glas Sekt oder O-Saft von 40 Bürgern ganz offiziell in Betrieb genommen.

Da, wo in Hohnstorf im Schaukasten die amtlichen Bekanntmachungen ausgehängt werden, der Bücherbus hält und die regulären Verbindungen drei Mal am Tag an- und abgehen, hat die Bushaltestelle jetzt ein freundliches, einladendes Gesicht.

Einen ersten Blick in den Bücherschrank werfen die Hohnstorfer sofort.

Nicht nur, dass der Holzbau von dem Hohnstorfer Grafiker und Künstler Ralf Habermann mit Tiermotiven gestaltet wurde. Im Inneren hat sich in den vergangenen Wochen auch etwas getan: Ein Bücherschrank mit Kunststofffenstern und eine solarbetriebene Beleuchtung wurden eingebaut. Habermann hofft, dass die besondere Haltestelle „für unseren Ort einen Mittelpunkt darstellen wird“. Und einen möglichen Einwand wehrt er schon mal ab: „Wir sind keine Konkurrenz für unsere Bibliothek in Bienenbüttel.“

Mit Taschen und Jutebeuteln voller Bücher, von „Aladin“ für Kinder bis zum DRK-Band „Im Zeichen der Menschlichkeit“, sind die Hohnstorfer gekommen. Und Ortsvorsteher Matthias Sost hält eine kleine Rede über ein kleines Dorf, in der er die Geschichte der Buchhaltestelle von der Idee bis zur Umsetzung erzählt. Sost hat kleine Blumensträuße für besonders engagierte Hohnstorferinnen dabei – und stellt gemeinsam mit Habermann das erste Buch in den feinen Bücherschrank. „Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek“ von David Whitehouse.

Sost ist hier gern Ortsvorsteher, „weil es einfach ein tolles Dorf ist. Es sind ganz tolle Leute mit verschiedenen Interessen. Es macht richtig Spaß, hier etwas auf die Beine zu stellen. Das macht einem manchmal schon Angst“, sagt Sost. Und so können sich die Hohnstorfer jetzt auch über ihre Bücher austauschen, die sie so lesen.

Aus diesem Anlass ist auch die Politik gekommen. Der Vorsitzende im Bienenbütteler Rat, Gabriel Siller (SPD), hat sich aus Wichmannsburg kommend unter die Gäste gemischt und lobt die Initiative ebenso wie Heiner Scholing, der für die Grünen im Rat und im Kreistag sitzt und in Hohnstorf wohnt. „Es gibt hier ein ganz positives Zusammengehörigkeitsgefühl. Ich find’s ungewöhnlich. Die Hohnstorfer sind zupackend und haben Spaß dabei“, sagt Scholing.

So ist auch der Bücherschrank eine Gabe aus dem Ort. „Besser als auf den Sperrmüll werfen“, sagt Stephanie Stahn, die den Schrank mit ihrem Mann Jürgen gespendet hat. Dann hat ihn Habermann fein aufgearbeitet und mit Kunststoff- statt Glasfenstern versehen. Und es waren zwei Großspender, die 550 Euro für die Beleuchtung der Buchhaltestelle aufbrachten. Dieter Schweer und Reinhard Meyer fanden, das sei ein gutes Werk für die Schulkinder, die morgens auf den Bus warten. „Früher stand hier ja auch noch eine Telefonzelle, die Licht gespendet hat“, sagt Meyer.

Zum Dank schenkten die Grundschüler den Spendern ein selbstgemaltes Bild. Und so spricht im Bienenbütteler Ortsteil alles für einen „Super-Zusammenhalt“, wie Stahn sagt. Und Thomas Lütgens weitet den Blick von den 40 Gästen auf die gut 200 Einwohner Hohnstorfs: „Wir haben ja hier auch die Feuerwehr oder den Sportverein. Der Zusammenhalt ist gut.“ Vielleicht lassen sich in der Buchhaltestelle die Hohnstorfer bald beim Schmökern erwischen.

VON CHRISTIAN HOLZGREVE

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