Hohnstorfer fahren die Krallen aus

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Weit mehr als 100 Bürger machten ihrem Ärger über die Tank- und Rastanlage Luft, die bei Hohnstorf geplant ist. Sie kündigten an, sich vehement gegen das Vorhaben zu wehren.

Hohnstorf - Von Ines Bräutigam. Die Hohnstorfer haben ihre Krallen ausgefahren. Und genau das vermissen sie bei ihrem Bürgermeister Heinz-Günter Waltje, wie am Dienstagabend im Hohnstorfer Dorfgemeinschaftshaus deutlich wurde.

Die Gemeinde Bienenbüttel hatte dort zu einer Bürgerinformation über die bei Hohnstorf geplante Tank- und Rastanlage entlang der A-39-Trasse eingeladen. Und die weit mehr als 100 Einwohner, die das Dorfgemeinschaftshaus aus allen Nähten platzen ließen, kreideten dem Bürgermeister an, er schiele sowieso nur auf die Gewerbesteuereinnahmen und Arbeitsplätze, die eine solche Anlage mit sich bringen würde, und werde den Interessen der Hohnstorfer Bürger nicht gerecht. Im Übrigen erwarte man zuerst eine Information der Einwohner, bevor sich der Bürgermeister zu einem solchen Sachverhalt positioniere, nahmen sie Waltje ins Gebet.

Der betonte allerdings, dass er zwar einerseits in der Tat die Entstehung neuer Arbeitsplätze in der Gemeinde im Blick habe, andererseits aber keineswegs die Aussicht auf höhere Steuereinnahmen ein alleiniges Kriterium sei. Ihm gehe es darum, Anregungen und Sorgen der Bürger zu sammeln, damit bereits jetzt, im Stadium der Entwurfsplanung für die Autobahn 39, bei der Straßenbaubehörde gegen dieses Vorhaben ein Veto eingelegt werden kann. Allerdings, so gab der Bürgermeister zu bedenken, solle man dabei „Dinge anstreben, die vor Gericht auch etwas bringen“. Denn von einem seien er und Bauamtsleiter Uwe Gundlach überzeugt: dass das Konzept nach geltenden Vorschriften und ohne Rücksicht auf wirtschaftliche Vor- oder Nachteile von Gemeinden erstellt wurde. Und als Beleg daür zog Bürgermeister Waltje ein Zitat vom Leiter der Straßenbaubehörde Lüneburg, Dirk Möller, heran: Der habe ihm einmal gesagt: „Die Planung einer Autobahn ist kein Wunschkonzert für Bürgermeister.“

Die Hohnstorfer freilich beeindruckte das wenig. Sie wetterten gegen die Geheimnistuerei der Straßenbaubehörde einerseits, weil diese die jetzigen Planungen lange unter Verschluss gehalten hatte, und hegten Argwohn andererseits gegen die Gemeinde, der sie Versäumnisse vorwarfen, was Stellungnahmen gegenüber den Behörden und Information der Öffentlichkeit betrifft. Gutachten über zu erwartende Lärmpegel, die weit von Hohnstorf schon unter den genehmigten Höchstwerten liegen, zweifelten sie ebenso an wie die Schaffung von zahlreichen Arbeitsplätzen. „Das werden sowieso alles nur 400-Euro-Jobs“, winkte eine Bürgerin ab.

Matthias Sost fasste in einer umfangreichen Auflistung zusammen, wovor er und seine Hohnstorfer Mitbürger Angst haben. Die Zerschneidung der Landschaft, die fragwürdig erscheinenden wirtschaftlichen Vorteile einer solchen Rastanlage, die existenzielle Bedrohung von Landwirten, der befürchtete zunehmende Kraftverkehr im Ort und der Wertverfall der Hohnstorfer Immobilien seien nur beispielhaft genannt. „Das alles rechtfertigt nicht die Zerstörung der Natur und muss gegengerechnet werden“, mahnte er. Reinhard Meyer legte nach: Eine kaufmännische Bilanzierung müsse her, „das ist bisher alles nur aus dem Bauch heraus“. Deshalb verlangen die Hohnstorfer von ihrer Politik, dass sie sich dafür einsetzen möge, die geplante Tank- und Rastanlage in die Nähe eines Ballungszentrums mit vorhandener Infrastruktur zu verlegen und nicht mitten ins Grüne.

Außerdem erwarten die Hohnstorfer, dass der Bienenbütteler Gemeinderat an seinem Beschluss von 2009 festhält. Damals hatten die Fraktionen sich gegen die Planungen einer Park- und WC-Anlage nahe Solchstorf ausgesprochen. Vor allem wegen der Versiegelung von Naturflächen. Da die Rastanlage, die nun im Gespräch ist, etwa fünfmal so groß ist, kann nach Auffassung der Bürger eine logische Schlussfolgerung nur sein, dass der Rat sich auch hiergegen konsequent ausspricht.

Schleierhaft erscheint derweil vielen Hohnstorfern, warum die zunächst in der Nähe von Secklendorf (Gemeinde Altenmedingen) geplante Tank- und Rastanlage nun plötzlich bei ihnen vor der Tür gebaut werden soll. „Wie haben die das geschafft?“ wollte ein Landwirt wissen. „Sind die Altenmedinger Landwirte mehr wert?“

Heinz-Günter Waltje versprach, dass er all die vorgebrachten Sorgen und Einwände den Gremien der Gemeinde vortragen werde. Es werde sowohl eine öffentliche Bauausschusssitzung zu dem Thema geben als auch eine öffentliche Ratssitzung. Und er appellierte an alle Bürger, die über weitere Entwicklungen informiert sein wollen, zu diesen Sitzungen zu erscheinen.

Bis dahin wollen die Hohnstorfer aber nicht still halten. Sie erwägen rechtlichen Beistand in ihrem Kampf gegen die Tank- und Rastanlage, veranstalten am Sonntag, 13. Februar, ab 17 Uhr ein Mahnfeuer auf dem Gelände der geplanten Anlage und treffen sich bereits heute um 19 Uhr zu einer weiteren Sitzung im Dorfgemeinschaftshaus, um ihr weiteres Vorgehen zu besprechen. Eines steht für sie fest, wie ein Bürger unter dem Applaus der Einwohner zusammenfasste: „Wir dürfen es nicht aus der Hand geben und uns auf andere verlassen.“

Widerstand gegen die zweite große Tank- und Rastanlage regt sich derweil auch im Landkreis Gifhorn: Dort machen die Darrigsdorfer mobil

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