„Es hat sich nicht mehr gelohnt“

Hohenbosteler Landwirt Hans-Heinrich Cassier gibt Milchviehhaltung auf

Jede Kuh hat ihre Eigenheiten, sagt Landwirt Hans-Heinrich Cassier. Der Hohenbosteler hat seine Milchviehhaltung aufgegeben und mästet zurzeit die letzten Jungtiere.
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Jede Kuh hat ihre Eigenheiten, sagt Landwirt Hans-Heinrich Cassier. Der Hohenbosteler hat seine Milchviehhaltung aufgegeben und mästet zurzeit die letzten Jungtiere. 

Hohenbostel – Sieben Bauernhöfe mit Milchviehhaltung hat es einmal in Bienenbüttel gegeben. Jetzt sind es nur noch zwei – in Hohenbostel und in Bargdorf. Der 62-jährige Landwirt Hans-Heinrich Cassier hat im Sommer die Milchviehhaltung aufgegeben.

„Es hat sich schlichtweg nicht mehr gelohnt“, sagt der Hohenbosteler. 34 Cent pro Kilo hat er am Ende von seiner Molkerei bekommen. Darin waren schon ein Cent Aufschlag für gentechnikfreie Milch enthalten. Trotzdem hat es nicht gereicht. „Der Aufschlag von einem Cent war bald wieder weg, denn die Milchpreise sind danach wieder gesunken“, sagt Cassier. Zuvor habe er, um überhaupt den Aufschlag zu erhalten, drei Monate gentechnikfreies Füttern nachweisen müssen, ohne mehr Geld zu bekommen.

Der Hohenbosteler hat die Phase mit Milchpreisen von 22 Cent vor zwei bis drei Jahren überstanden. „Die Subs-tanz vieler Betriebe mit Viehhaltung ist inzwischen ausgehöhlt“, meint Cassier. Vor allem Bauernhöfe kleinerer und mittlerer Größe seien zurzeit in ihrer Existenz bedroht. So müssten beständig neue Auflagen erfüllt werden, obwohl die Milchpreise nicht stiegen oder fielen und die Baupreise gleichzeitig in die Höhe schnellten. „Man schiebt daher nötige Investitionen vor sich her“, erklärt Cassier. Er würde sich wünschen, dass Regelungen länger Bestand hätten und nicht Jahr für Jahr verschärft werden, damit Planungssicherheit herrscht.

60 bis 65 Milchkühe hat Cassier in seinem Betrieb gehalten. Zurzeit mästet er noch die letzten Jungtiere. Es sei schon ein komisches Gefühl, nicht mehr zweimal am Tag zu melken. „Ich kannte die Tiere ganz genau. Sie haben alle ihren eigenen Charakter und ihre Eigenheiten“, sagt er. In den Urlaub ging es alle drei Jahre und dann höchstens für eine Woche. Die Tiere sollten nicht lange allein bleiben.

„Für viele Orte geht mit dem Sterben der Höfe auch ein Stück Kultur verloren“, sagt der Hohenbosteler. Das Leben in den Orten werde sich dadurch unweigerlich verändern. Er glaubt, dass es in Zukunft auch Orte geben wird, wo es gar keine Höfe mehr gibt, sondern der Landwirt aus dem Nachbarort tätig ist.

„Der Trend geht zu immer größeren Höfen“, weiß Cassier. Sein Hof umfasst 50 Hektar Ackerfläche, auf der Rüben, Weizen und Sommergerste sowie Blühflächen auf einem Viertel wachsen. Außerdem nennt er zwölf Hektar Grünland sein Eigen und besitzt Waldflächen.

Acker und Grünland will er verpachten. Trotz aller Probleme sagt Cassier aber auch: „Einen schöneren Beruf als Landwirt kann ich mir nicht vorstellen.“

VON LARS LOHMANN

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