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Russland-Ukraine-Konflikt: Hohenbosteler Hotelbesitzer berichtet von der Stimmung auf der Krim

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Von: Jannis Wiepcke

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Ein Konvoi russischer gepanzerter Fahrzeuge bewegt sich auf einer Autobahn auf der Krim
Ein Konvoi russischer gepanzerter Fahrzeuge bewegt sich auf einer Autobahn auf der Krim. Für die Bewohner der Halbinsel sind solche Bilder in den vergangene Jahren alltäglich geworden. © dpa

Die Krim wurde im Jahr 2014 durch Russland besetzt und de facto annektiert. Wie gehen die Einwohner mit dem aktuellen Konflikt um? Der Hohenbosteler Claus Bartelt, der ein Hotel auf der Halbinsel besitzt, berichtet.

Hohenbostel / Sudak - Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine hält die Welt in Atem. Beinahe täglich wird die Angst vor einer Eskalation zwischen beiden Ländern größer, dabei sind die jüngsten Ereignisse nur der vorzeitige Höhepunkt einer langjährigen Entwicklung. Die völkerrechtliche Zugehörigkeit der Krim ist beispielsweise bereits seit der Besetzung und De-facto-Annexion durch Russland im Jahr 2014 umstritten. Verfolgen die Menschen dort die politische Lage mit besonders großer Sorge? Keineswegs – so berichtet es jedenfalls der Hohenbosteler Claus Bartelt, der seit 2007 auf der Halbinsel ein Hotel besitzt.

„Auf der Krim ist alles ruhig. Sie merken hier gar nichts“, schildert der Unternehmer seinen Eindruck, der sich auch mit Berichten von Bekannten auf dem russischen Festland decken soll. Es seien zwar vereinzelt Düsenjets oder andere militärische Fahrzeuge unterwegs, doch habe dieses Szenario auch in den vergangenen Jahren stets zum Bild der Halbinsel gehört. Die Stimmung beim Personal und den Besuchern seines Hotels in der 36 000-Einwohner-Stadt Sudak am Schwarzen Meer beschreibt Bartelt darüber hinaus als „total entspannt“: Von größerem nachrichtlichen Interesse sei für sie zurzeit die Winterolympiade in Peking und die Corona-Pandemie.

Erst an dritter Steller komme in den russischen Medien dann der Konflikt mit der Ukraine, wobei hier jedoch davon gesprochen werde, dass die Ukraine in russisches Territorium eindringen könnte – eine Befürchtung, die laut dem Hohenbosteler nur wenige Krimbewohner teilen. „Die Leute glauben nicht an das Staatsfernsehen“, sagt Bartelt. Er berichtet, dass besonders die jungen Russen die Politik von Wladimir Putin zunehmend ablehnen würden. Ähnlich negativ werde aber auch über die Berichterstattung in den europäischen Medien gedacht, denen Panikmache und die Diffamierung Russlands unterstellt würden.

In der nächsten Woche will Claus Bartelt wieder persönlich auf die Halbinsel im Schwarzen Meer reisen – ohne mulmiges Gefühl, wie er betont. Sein Hotel, das seit der Annexion vornehmlich von russischen Gästen besucht wird, musste er im vergangenen Jahr aufgrund der Infektionslage bis zum 31. Mai schließen. In puncto Belegungszahlen ist die Corona-Pandemie laut dem Unternehmer ein Einschnitt gewesen – ganz im Gegensatz zur aktuellen politischen Lage.

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