Die AZ warf einen Blick in die Werkstatt des Edendorfer Hobby-Modellfliegers Ulli Scheele

In der Höhle eines Tüftlers

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Sturzkampfflugzeuge wurden im Zweiten Weltkrieg vielfach eingesetzt. Ulli Scheele aus Edendorf baut flugfähige Modelle dieses Typs – originalgetreu, Marke Eigenbau.

Edendorf – Der Moment, wenn das Flugzeug sicher und unversehrt auf dem Boden landet, ist für Ulli Scheele jedes Mal ein ganz Besonderer. „Wenn alles geklappt hat, freue ich mich und bin zufrieden“, sagt der Edendorfer mit einem Lächeln im Gesicht.

Seine Maschinen baut er selbst – vom Holzgestell über die Tragflächen bis hin zu den Fahrwerken ist alles Marke Eigenbau.

Seine Werkstatt hat sich der 62-Jährige in einer großen Scheune auf seinem landwirtschaftlichen Hof eingerichtet, auf zwei Ebenen. Dort tüftelt er an seinen Modellfliegern.

Modellflieger seit mehr als 40 Jahren

Zunächst führt der Weg in eine große Halle. Wild sieht es dort aus, auf den ersten Blick würde sich ein Fremder nicht zurechtfinden. Der Holzrahmen eines Segelfliegers für zwei Personen liegt direkt hinter der Eingangstür. „An dem bastelt mein Bruder immer mal wieder“, erzählt Scheele beiläufig. Er selbst arbeitet dieser Tage an einem originalgetreuen Sturzkampfflugzeug – kurz: Stuka. Diese wurden Anfang des Zweiten Weltkrieges massiv eingesetzt. „Ich bin der Einzige, der die Stuka originalgetreu baut“, erklärt Scheele. An die Aufbauanleitung kam er vor einigen Jahren während eines Aufenthalts in Tschechien.

Ein Blick in die Werkstatt: Das Gestell für die nächste „Stuka“ ist bereits in der Mache.

Zum Modellfliegen kam Ulli Scheele dagegen schon viel früher. 1979, mit Anfang 20, kaufte er sich sein erstes Modellflugzeug. Was genau für eine Maschine das war, weiß er heute nicht mehr: „Auf jeden Fall ein Schulterdecker in Holzbauweise, der ist schon längst Schrott“, sagt Scheele grinsend. Ohnehin habe es einige Jahre gedauert, bis er die Modellflieger sicher in die Luft und wieder auf den Boden bekam. „Früher war es so: Hin zum Platz, Motor eingestellt, gestartet, nach wenigen Sekunden wieder runter, Schrott.“

Die Führung durch die Werkstatt geht weiter. Auf den Werkbänken liegen Unmengen an Schraubenziehern, Schrauben, Holzteilen, auseinandergebauten Fernbedienungen und anderes Material. Auch Styropor-Baukasten-Modellflugzeuge sind zu finden. „Das ist etwas für zwischendurch“, sagt Scheele. Sein Herz schlägt dafür, selbst zu bauen, zu tüfteln.

Modellfliegen ist für ihn Nervenkitzel

Eine Stuka mit abmontierten Tragflächen steht auf dem Boden – „Spannweite: vier Meter“, sagt Scheele. Daneben ein kleineres Modell. Als Motoren für seine Flugzeuge nutzt er zum Beispiel alte Motorsägen-Motoren.

Die Leidenschaft für das Fliegen entwickelte der gelernte Landwirt und Landmaschinenmechaniker im Kindesalter. Damals war er regelmäßig auf dem Flugplatz in Bahnsen. „Spätestens als ich mal in einem Sportflieger mitgeflogen bin, hat es mich gepackt“, erinnert er sich. „Das fand ich richtig geil.“ Seit Jahrzehnten ist Scheele Mitglied der Modellbaugruppe Uelzen, führt seine Maschinen auf Flugtagen vor und fährt für Fliegertreffen durch halb Deutschland.

Zwei Treppen geht es nun nach oben, auf den Dachboden der Scheune. Dort stehen die kleineren Modelle, davon einige Baukasten-Flugzeuge, aber auch viele der Marke Eigenbau, wie Scheele erklärt. Seine Augen leuchten, als er über verschiedene Motorentypen, die früher „sehr primitive Fernsteuerung“ und die heutigen Möglichkeiten spricht. „Über eine Fernbedienung kann ich heute bis zu zehn verschiedene Modelle programmieren“, erklärt er. Und man merkt: Dieser Mann ist in seinem Element.

Was ihn am Modellfliegen fasziniert? „Ganz einfach: Man muss immer zu 100 Prozent da sein“, sagt Scheele. Ein kleiner Fehler sowohl beim Bau als auch während des Flugs kann bedeuten, dass das Flugzeug zerstört wird. „Wenn man ein Schiff oder ein Auto fährt, kann man anhalten, aber wenn du in der Luft einen Fehler machst, ist das Ding hin. Das ist Nervenkitzel pur.“

VON FLORIAN BEYE

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