Grünhagener Ulf Schubert entdeckt im Garten seltenen Käfer / Insekt ist auf Totholz angewiesen

Ein Hirsch von sieben Zentimetern

Der Zollstock beweist es: Der seltene Hirschkäfer, den Ulf Schubert in seinem Garten in Grünhagen entdeckte, ist vom Geweih bis zu den Hinterfüßen stolze sieben Zentimeter groß.
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Der Zollstock beweist es: Der seltene Hirschkäfer, den Ulf Schubert in seinem Garten in Grünhagen entdeckte, ist vom Geweih bis zu den Hinterfüßen stolze sieben Zentimeter groß.
  • Gerhard Sternitzke
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Grünhagen. Er besitzt furchteinflößende Zangen, aber beißen kann er nicht: Einen seltenen Hirschkäfer entdeckte jetzt Ulf Schubert bei der Gartenarbeit auf seinem Grundstück in der Grünhagener Moorkoppel.

Mit einem Zollstock maß er nach: Vom imposanten „Geweih“ bis zu den Hinterfüßen misst das Tier nicht weniger als sieben Zentimeter. Der größte heimische Käfer, der bis zu 7,5 Zentimeter lang werden kann, ist äußerst selten. Die Rote-Liste-Art zu Gesicht zu bekommen, ein besonderer Glücksfall.

„Ich habe so ein Tier noch nie gesehen“, erzählt Schubert. Um das seltene Insekt vor den Katzen und Hunden in den Gärten zu schützen, hat er es in den Hainbuchenwald im Forellenbachtal getragen. „Im Wald ist er am besten aufgehoben“, ist Schubert überzeugt.

Lange leben wird das Insekt dort nicht. „Wenn die Hirschkäfer geschlüpft sind, werden sie nur drei bis acht Wochen alt“, weiß Nabu-Vorsitzender Karl-Heinz Köhler. „Das ist eine sehr kurze Spanne im Vergleich zu den drei bis sechs Jahren Entwicklungszeit der Larve.“ In dieser kurzen Zeit im Mai und Juni schwärmen die Käfer ähnlich den Maikäfern, ernähren sich von Baumsaft und suchen sich eine Geschlechtsgenossin, die etwa 20 Eier am Fuß von kranken oder toten Eichen ablegt. Erstaunlich ist dabei der Geruchssinn der Tierchen, die potenzielle Partnerinnen über Kilometer an ihrem Duft aufspüren.

„Die Geweihe sind vergrößerte Oberkiefer“, erklärt Köhler. Kauen und beißen können die Männchen damit nicht. „Sie sind angewiesen auf die Weibchen, die kleine Wunden in der Baumrinde vergrößern. Mit den Geweihen rangeln die Männchen und versuchen, ihren Konkurrenten vom Ast zu werfen.“

Das hört sich possierlich an, aber die Art ist bedroht und steht auf Platz zwei der Roten Liste der gefährdeten Tierarten. Sie ist auf Eichen spezialisiert und benötigt alte Bestände mit viel Totholz, wie sie etwa in der Göhrde vorkommen. „Er braucht totes Holz, das Pilze schon so zersetzt haben, dass es wie Sägespäne ist“, sagt Köhler. Darin werden die Eier abgelegt. Solche Lebensbedingungen finden die Hirschkäfer nur noch selten vor. „Deswegen ist die Forderung an die Forstwirtschaft: Lasst viel Totholz im Wald.“

Daher sieht es Köhler auch nicht gerne, dass nach der Holzernte Privatleute für ihren Kaminofen Baumstümpfe und Kronen sägen. Die Landesforsten bemühen sich immerhin, einzelne Totbäume gezielt stehen zu lassen. Das Forellenbachtal bei Grünhagen, ebenfalls Teil der Landesforsten, ist zudem ein Naturwaldreservat, in dem Bäume alt werden und sterben können. Vielleicht konnte Schubert deshalb in seinem Garten den Hirschkäfer finden.

Von Gerhard Sternitzke

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