Sie empfängt seit 50 Jahren Übernachtungsbesucher

Hildegard Alps (83) aus Bienenbüttel: „Ich liebe es, mit den Gästen zu klönen“

Seit nunmehr 50 Jahren begrüßt Hildegard Alps in der Pension Heidehof in Bienenbüttel Übernachtungsgäste. Besonders das Klönen mit den Besuchern beim Frühstück genießt die 83-Jährige auch heute noch, wie sie im Gespräch mit der AZ erzählt.
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Seit nunmehr 50 Jahren begrüßt Hildegard Alps in der Pension Heidehof in Bienenbüttel Übernachtungsgäste. Besonders das Klönen mit den Besuchern beim Frühstück genießt die 83-Jährige auch heute noch, wie sie im Gespräch mit der AZ erzählt.

Bienenbüttel – „In Bienenbüttel zu sein, das war ganz fein. Hier kannst Du Deine Ruhe finden, vor dem ganzen Großstadtlärm. Drum mach’ mal Pause hier.“ Diese Zeilen schreibt ein Besucher im August 1970 ins erste Gästebuch der Pension Heidehof in Bienenbüttel.

Mehr als zehn weitere Gästebücher sind in den vergangenen 50 Jahren dazugekommen. Sie haben rote, schwarze oder beige-farbene Einbände. Nicht ohne Stolz zeigt Hildegard Alps die Bücher. Sie hat sie alle aufbewahrt.

Besuche werden kürzer

„Ich liebe es, mit den Gästen zu klönen“, erzählt die 83-Jährige. Im Gespräch mit der AZ erinnert sie sich an Schützenfest-Besuche mit Urlaubsgästen, gemeinsame Abende vor dem Kamin oder kleine Feiern im Garten. „Die Kinder haben mal zu mir gesagt, ich solle doch einfach Ferienwohnungen daraus machen“, sagt die Mutter von drei Söhnen. Doch sie genieße es viel zu sehr, den Gästen im Esszimmer Frühstück zu machen – und sich mit ihnen zu unterhalten.

Alte Zeitungsartikel erinnern an den Brand des Wohnhauses vor 27 Jahren.

Zumal die gemeinsamen Abende und Schützenfest-Besuche mit der Zeit immer seltener wurden. „Früher kamen die Gäste für drei, vier Wochen her“, berichtet Hildegard Alps, „damals hat man sich noch richtig kennengelernt.“ Heute dagegen blieben die meisten Besucher nur für ein bis zwei Nächte. Diese Entwicklung habe sie bereits ab der Grenzöffnung beobachtet. „Diejenigen, die vorher im Westen gelebt haben, sind dann in den Osten gereist. Und die aus dem Osten hatten Nachholbedarf und wollten viel Neues sehen“, meint Alps. Daher seien die meisten Gäste dann eben nur drei oder vier Nächte an einem Ort geblieben und dann weitergereist.

Auch deshalb war Hildegard Alps das Frühstück immer so wichtig – und ist es auch heute noch. „Da klönt man ein bisschen, und dann ist das gut“, sagt sie mit einem Lächeln im Gesicht. Viele Jahre lang ist sie ganz früh morgens aufgestanden, versorgte erst die Kinder und dann die Gäste. Ihr Mann Herbert verdiente sein Geld als Maurer, musste selbst früh aus dem Haus und hatte wenig Zeit für die Besucher.

Brand vor 27 Jahren

Einen großen Schreckmoment gab es 1993 für das Ehepaar und seine Kinder: Ihr Wohnhaus, das direkt neben dem Gästehaus liegt, brannte nieder. Das Ehepaar Alps und der jüngste Sohn waren nicht im Haus, die beiden älteren Söhne dagegen schon – konnten sich aber rechtzeitig aus dem Gebäude retten. „Wir hatten gerade erst die Zimmer oben fertiggemacht“, erzählt Hildegard Alps. Da viele Unterlagen durch das Feuer vernichtet wurden, habe sie damals nicht allen Gästen, die ein Zimmer gebucht hatten, absagen können. „Ein Ehepaar aus Berlin, Stammgäste, reisten einen Tag nach dem Brand an und fragten mich: ,Oh Hildegard, wo ist denn euer Haus hin?’“, erinnert sich die Bienenbüttelerin. Letztlich wurde das Paar dann in einer anderen Pension untergebracht.

„Sie sind aber in den folgenden Jahren auch wieder zu uns gekommen“, berichtet Hildegard Alps schmunzelnd. „Wir haben über die Pension auch viele Freundschaften geschlossen, mit vielen Leuten immer wieder telefoniert und auch Karten zu Weihnachten geschrieben.“

Nur der eigene Urlaub ist über die Jahre sehr kurz gekommen. Eigentlich, sagt Hildegard Alps, waren sie und ihr Mann fast nie weg. Zur Silberhochzeit allerdings schenkten ihnen ihre Söhne eine Reise nach Bayern. Dorthin, wo Hildegard und Herbert Alps schon ihre Hochzeitsreise 1965 verbracht hatten. „Die Kinder haben sich dann um die Gäste gekümmert, das musste ja weitergehen“, sagt Hildegard Alps. VON FLORIAN BEYE

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