Volkssport aus dem Süden Frankreichs: In Bienenbüttel ist Boule ein Zeitvertreib für Jung und Alt

Die Herren der Kugeln

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Christoph Tornow (links) und Ulf Maly (rechts) schauen genau hin, ob das gegnerische Team es schafft, mit einer eigenen Kugel näher an die farbige Holzkugel, das Schweinchen, heranzukommen.

Bienenbüttel. Boule-Spieler stehen mit beiden Beinen fest auf dem Boden. Denn wer den kleinen Abwurfkreis von 50 Zentimetern Durchmesser verlässt, begeht einen Fehlwurf bei der Jagd nach der Schweinchen genannten farbigen Holzkugel.

Neben der Standfestigkeit kommt es laut Uwe Maly, der beim TSV Bienenbüttel Boule betreibt, vor allem auf Ballgefühl, Logik, Mathematik und auch ein Quäntchen Glück an.

Bernd Liebermann (links) steht im Abwurfkreis und will die Kugel werfen. Mitspieler Konrad Frischmuth schaut genau hin.

Das Ziel des Spiels ist denkbar einfach: Wer 13 Punkte erringt, gewinnt. Punkte bekommt das Team, das seine Kugeln – es sind insgesamt sechs – am dichtesten an das Schweinchen geworfen hat. Dieses liegt in einer Entfernung von sechs bis zehn Metern. Für jedes Stahlgeschoss, das besser liegt als der beste Wurf des Gegners, gibt es einen Punkt. Werfen muss immer das Team, das weiter vom Schweinchen entfernt liegt. Gespielt wird entweder mit drei Spielern pro Team (Triplette), Zwei gegen Zwei (Doublettes) oder Eins gegen Eins (Tète-à-Tète). „Man kann wie der sichere Sieger aussehen und dann kommt die letzte Kugel, schießt dich einfach weg und alles sieht wieder ganz anders aus“, sagt Maly über das Faszinierende an dem aus der Provence stammenden Sport, der in der Gemeinde Bienenbüttel eine Hochburg hat. Denn nicht nur in Bienenbüttel selbst, sondern auch in Hohnstorf und Steddorf wird regelmäßig Boule gespielt und jährlich der Bürgermeisterpokal ausgeworfen.

Im Zweifel greift Uwe Maly zum Maßband, um festzustellen, welche Kugel am nächsten zum rosa Schweinchen liegt.

Was so einfach aussieht, ist eine Wissenschaft für sich. Je nach Beschaffenheit des Bodens verhalten sich die Kugeln anders. Bei nassem Geläuf rollen und springen weniger weit. Auch das Gewicht der 650 bis 800 Gramm schweren Kugeln spielt eine Rolle. „Mit den schwereren Kugeln versucht man die gegnerischen Kugeln wegzuschießen“, erklärt Malys Mitspieler Christoph Tornow. Das übernehmen bei den Profis die sogenannten Schießer. „Die Schießer können der Kugel so viel Drall mitgeben, dass sie an Ort und Stelle liegen bleibt, wenn sie den Gegner weggeschossen haben“, sagt Maly. Leger hingegen versuchen, ihre Kugel möglichst nah hinter dem Schweinchen zu platzieren und verwenden leichtere Kugeln.

„Wir sind aber Amateure und machen beides. Bei uns steht der Spaß im Vordergrund“, meint Maly, der trotzdem bei jedem Wurf seines Teams und des Gegners mitfiebert. Das Tolle an dem Sport sei, dass jeder mitspielen könne, ob er nun jung oder alt sei. Die Regeln seien einfach und man könne es überall spielen, etwa am Strand oder im heimischen Garten. „Man kommt halt raus und ist mit Leuten zusammen und hält seinen Kopf fit“, ergänzt Konrad Frischmuth,

Einen Tipp für Anfänger hat Maly auch noch parat: „Das Schweinchen möglichst weit wegschmeißen. Da kommt es dann auf die Kraft an und nicht so sehr auf das Ballgefühl.“

Von Lars Lohmann

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