Vorsitzende des Trägervereins Sorgentelefon in Barendorf hört nach zwölf Jahren auf / Annemarie Strüber folgt

Hella Lietz reicht Stab weiter

Emmendorf. Tränen fließen reichlich am anderen Ende der Leitung und etliche Sorgen dringen durch den Telefonhörer der Seelsorge für landwirtschaftliche Familien, dessen Sitz sich in Barendorf befindet.

Hella Lietz aus Emmendorf war fast zwölf Jahre die Vorsitzende des Trägervereins Sorgentelefon. Nun hört sie auf und gibt das Amt weiter. Lietz hat bei dieser ehrenamtlichen Aufgabe viele unterschiedliche Menschen kennengelernt und zu ihr sind eine Menge an Schicksalen ans Ohr gedrungen. „Hauptsächlich handelt es sich dabei um finanzielle Probleme, Partnerschafts- und Generationenprobleme“, berichtet die scheidende Vorsitzende. Junge Familien hätten andere Vorstellungen von ihrer Lebensgestaltung als ältere, die den Hof abgeben wollen, hat sie festgestellt.

Bei den Anrufern handelt es sich überwiegend um Frauen. „Aber auch Männer rufen an. Früher waren es häufig die 65-Jährigen, die betroffen waren. Jetzt rufen auch 45-Jährige an, die den Hof übernehmen wollen und mit der Situation nicht klar kommen“, sagt Lietz.

Sie hat in ihrer Zeit viel bewegt. „Ich habe mich bemüht, das Sorgentelefon in die Öffentlichkeit zu bringen. Denn ich habe festgestellt, dass auf landwirtschaftlichen Betrieben eine eigene Welt herrscht mit typischen Rollenbesetzungen.“ Dieses Ziel lag ihr während ihrer Amtszeit besonders am Herzen. Es sei manchmal für sie in den vergangenen Jahren nicht ganz leicht gewesen, gibt sie zu.

Emotional betroffen war sie von einem Fall, der sie tief berührt habe. „Eine junge Frau aus den neuen Bundesländern hat einen Hofbesitzer geheiratet und ist regelrecht gemobbt worden“, beschreibt sie. Wie es dazu kam, habe sie nie verstanden. Denn „ich bin ein ganz toleranter Mensch“, sagt sie über sich. Das sei aber leider kein Einzelfall, erzählt sie.

„An Frauen, die in den Hof hineinheiraten, werden gewisse Anforderungen gestellt, die sie nicht erfüllen wollen.“ Zwischen den Schwiegereltern und der -tochter stehe der Sohn, der eine Entscheidung treffen müsse. „Oft endet dieser Schwiegertochter-Schwiegereltern-Konflikt dann im Partnerschaftsstreit, der mit Süchten wie Alkohol verbunden ist“, sagt Lietz.

Ihr war immer der Kontakt zu den Beratern am Telefon wichtig. Denn sie müssen sich als Seelsorger die Probleme anhören und den Betroffenen einen Lösungsweg anbieten. „Mir war nie bewusst, dass es so viele Probleme auf landwirtschaftlichen Höfen gibt“, sagt sie. Doch die scheidende Vorsitzende erklärt sich die Vielzahl damit: „Es leben meistens vier Generationen unter einem Dach, wo es häufig um das wirtschaftliche Überleben geht.“

Nach so vielen Erfahrungen, die sie gemacht hat, gibt sie nun ihr Amt weiter. Annemarie Strüber aus Adelheidsdorf bei Celle tritt in die großen Fußstapfen von Lietz. Und sie freut sich schon auf ihr neues Amt, das sie Anfang September antreten wird. „Denn das Sorgentelefon ist eine ganz wichtige Einrichtung“, betont Strüber. Diese will sie stärken – und wie ihre Vorgängerin – in die Öffentlichkeit tragen. „Das wird meine erste Aufgabe sein.“ Denn sie glaubt, dass die Probleme nicht weniger werden. „Ich komme selbst aus einem kleinen Dorf mit ungefähr 150 Einwohnern, das landwirtschaftlich geprägt ist. Ich weiß, dass es viele Probleme gibt.“

Strüber hofft auf ein gutes Miteinander. Dabei will ihre Vorgängerin ihr zur Seite stehen. Hella Lietz: „Ich werde auf alle Fälle die Arbeit des Sorgentelefons weiter begleiten und auch für meine Nachfolgerin zur Verfügung stehen, wenn sie an ihre Grenzen stoßen sollte.“ Einen ganz besonderen Tipp gibt Lietz ihrer Nachfolgerin mit auf dem Weg. „Sie sollte genauso offen sein für alle Nöte und voll dahinter stehen“, rät sie.

Vermissen wird Lietz vor allem eines: „Die Zusammenarbeit mit den Menschen, die die gleichen Richtungen vertreten wie ich, nämlich anderen Menschen zu helfen.“ Andererseits freut sie sich auf ihren verdienten Ruhestand. Denn so kann sie sich in Zukunft mehr ihren privaten Dingen widmen, die in der vergangenen Zeit häufig auf der Strecke geblieben seien. „Dafür habe ich jetzt mehr Zeit“, schmunzelt Lietz, die ehrenamtlich beim Soroptimist International Club Uelzen tätig ist und sich dort aktiv einbringt.

Von Volker Althoff

Kommentare