Leben in der Erdkuhle

Wie das Haus Bunkershausen in Grünhagen zu seinem Namen kam

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In gold-gelben Lettern prangt der Schriftzug Bunkershausen auf dem heutigen Wohngebäude.

Grünhagen – In gold-gelben Lettern prangt der Schriftzug Bunkershausen auf dem unscheinbaren, weißen Haus am Ortsrand Grünhagens. Wieso das Haus an der Eitzener Straße diesen Namen trägt, weiß Grünhagens Dorfchronistin Wilma Laudan.

„Gleich nach dem Krieg, als die Wohnungen knapp waren, haben sich hier zwei Familien niedergelassen“, berichtet sie. Im Ort selbst sei kein Platz mehr gewesen. Daher hätten die Familien Tietz und Tiedjen entschlossen, sich einen Bunker zu graben.

„Die haben sich quasi eine Kuhle gegraben“, sagt die 81-Jährige. Das ganze sei mit Holz aus dem nahegelegenen Wald abgestützt wurden. So habe man auch während des Weltkrieges Bunker gebaut, wenn es in Wohnhäusern keine Keller gab.

Eine Zeitzeugin, deren Erinnerungen Wilma Laudan vorliegen, beschreibt wie es in Grünhagen nach dem Ende des Krieges aussah. „Nach dem Zweiten Weltkrieg platzten die wenigen Häuser in Grünhagen aus allen Nähten“, heißt es dort. In jedem der 20 Häuser waren Flüchtlinge untergebracht. Insgesamt lebten rund 280 Einwohner in dem Ort, der damals noch zum Landkreis Lüneburg gehörte.

Da habe sich die Familie Tiedjen, ein Lehrerehepaar aus Lüneburg, entschlossen, ein großes Loch in die Erde zu graben. „So tief, dass man drin stehen konnte“, heißt es im Zeitzeugenbericht. Die Familien Thies und Tiedjen hätten auch noch sehr lange in diesen Bunkern gelebt und die Kinder des Ortes seien häufig zu Besuch gewesen. „Wir fanden das urig und unheimlich dort drin“, schreibt die Zeitzeugin. Ständig seien trockene Tannennadeln von oben herabgerieselt, denn das Dach aus Baumstämmen war mit Tannenzweigen bedeckt. Darüber kamen Grasbulten und dann Sand. Auch die Wände waren aus Erde und notdürftig mit Zweigen festgesteckt. „So hausten die Leute in ihren ‘Bunkern’ und der Name ‘Bunkershausen’ entstand“, steht in den schriftlichen Erinnerungen.

Als sich die Familien später ein Wohnhaus bauten, sei der Name erhalten geblieben, berichtet Wilma Laudan. Um Geld zu verdienen, richteten sie eine Gaststube ein und verkauften Bier, Brause und Kaffee. Den Kindern las Frau Tietjen laut der Zeitzeugin Märchen vor und zu Weihnachten führten die Dorfkinder dort eine Weihnachtsgeschichte auf.

Das Haus Bunkershausen ist laut Wilma Laudan noch immer im Besitz der Familie Thies. Selbst wohnt die Familie aber nicht mehr dort, sondern vermietet das Gebäude. Geblieben ist der Name Bunkershausen.

VON LARS LOHMANN

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