Ines Oldenburg: „Hallo, ich lebe!“

Happy End nach Stammzellenspende: 48-Jährige aus Bienenbüttel zurück im Alltag

Gut zwei Jahre nach der lebensrettenden Stammzellentransplantation: Ines Oldenburg (rechts) hat die Leukämie besiegt und ist in ihren Alltag zurückgekehrt. Das freut auch Tochter Djessika.
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Gut zwei Jahre nach der lebensrettenden Stammzellentransplantation: Ines Oldenburg (rechts) hat die Leukämie besiegt und ist in ihren Alltag zurückgekehrt. Das freut auch Tochter Djessika.

Bienenbüttel – Ines Oldenburg sitzt auf ihrem Sofa im Wohnzimmer, schaut die Blumen auf dem Tisch an und lächelt. Ihre lange Leidenszeit hat ihr ihre Lebensfreude nicht genommen, sondern diese noch verstärkt.

„Ich war schon immer jemand, der sich über viele Dinge gefreut hat, aber jetzt lebe ich noch bewusster und weiß ganz banale Sachen viel mehr zu schätzen“, erzählt die 48-Jährige. Über Blumen zum Beispiel freue sie sich „wie ein kleines Kind“.

Gut zwei Jahre ist die lebensrettende Stammzellenspende aus Polen nun her, mit der Ines Oldenburg die Leukämie besiegen konnte (AZ berichtete). Zuvor galt sie bereits als geheilt, bevor der Blutkrebs noch einmal zurückkam. Krankenhausaufenthalte und Chemotherapien waren damals die Folge.

Zurückgekehrt in den alten Job

Heute ist Normalität eingekehrt in den Alltag der zweifachen Mutter. Sie lebt mit ihrer zehnjährigen Tochter Djessika in einer Wohnung in Bienenbüttel, ist gut ein Jahr nach der Stammzellentransplantation ins Berufsleben zurückgekehrt. Zunächst für wenige Stunden in der Woche. Mittlerweile geht Ines Oldenburg wieder 30 Stunden in der Woche arbeiten. Bei dem ambulanten Pflegedienst, für den sie bereits vor der Diagnose Leukämie gearbeitet hatte.

„Am ersten Tag als ich wieder auf Arbeit war, kamen alle Kollegen zu mir und haben mir einen riesigen Blumenstrauß geschenkt“, erinnert sich Oldenburg an den Tag, der sie endgültig darin bestärkte, in ihren alten Job zurückzukehren. Bedenken, dass sie die körperlich anstrengende Arbeit überfordern würde, hatte sie zuvor schon gehabt. „Die Kraft ist bis heute nicht wieder so da wie vorher, wird wohl auch nicht mehr zurückkommen.“

Immer noch muss sie alle vier Monate zur Kontrolle. Seit der Stammzellenspende im November 2017 hat es dabei keine Auffälligkeiten mehr gegeben. Wenige Tage nach der Stammzellenspende – damals noch im Krankenhaus – habe sie starke Knochenschmerzen im ganzen Körper verspürt, als die neuen Stammzellen sich ihren Weg ins Knochenmark suchten. „Seitdem ist es jeden Tag ein bisschen besser geworden“, berichtet Oldenburg. Allerdings dauere die Genesung bei Erkrankungen wie Erkältungen und Magen-Darm bei ihr länger als bei anderen Menschen.

Die Haare sind lockig nachgewachsen

Beim letzten Gespräch mit der AZ, kurz nach der Spende, trug Ines Oldenburg noch eine Mütze auf dem Kopf, die Haare waren durch die starke Chemotherapie ausgefallen. Heute hält ein Haarband ihre vollen, lockigen Haare nach hinten. Vor der Leukämie-Erkrankung habe sie immer glatte Haare gehabt und sich immer Locken gewünscht. „Jetzt habe ich Locken und kann damit gar nicht umgehen“, erzählt Ines Oldenburg und lacht.

Anonyme Karte an den Spender

In den Augen lässt sich ihre Lebensfreude erkennen. Aus ihren Erzählungen ist zudem viel Dankbarkeit zu hören. Dankbarkeit für all diejenigen, die sie unterstützt haben und die sich bei der DKMS registriert haben. Und natürlich für ihren Spender, über den sie nicht mehr weiß, als dass er aus Polen stammt und männlich ist. „Ich habe ihm über die Klinik anonym eine Karte zukommen lassen“, erzählt Ines Oldenburg. Eine Antwort hat sie bislang noch nicht bekommen. Die richtigen Worte für die Karte zu finden, sei ihr schwergefallen. „Letztlich wollte ich ihm ja nur sagen: Hallo, ich lebe und bin Dir unendlich dankbar!“

VON FLORIAN BEYE

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