Unbekannte legen schweres Stahlgeländer auf die Gleise der Lüneburger Museumsbahn

Zug hätte entgleisen können

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Der 60 Jahre alte Dieseltriebwagen der Bleckeder Kleinbahn, betrieben von den Lüneburger Verkehrsfreunden, war jetzt Ziel einer gefährlichen Attacke.

Lüneburg/Rullstorf. Die Stimmung ist gut, als die Bleckeder Kleinbahn in Lüneburg startet. 30 Fahrgäste der Museumsbahn freuen sich auf die Fahrt im historischen Dieseltriebwagen und auf den Hafensonntag im Zielort Bleckede.

Doch in der Nähe von Rullstorf kommt es zu einer unschönen Fahrtunterbrechung. Ein massives Geländer liegt in einer schlecht einsehbaren Waldkurve auf den Schienen. Der Lokführer hat bei scheinbar betulichen 40 Stundenkilometern keine Chance mehr zu bremsen. So schiebt der 60 Jahre alte Zug mit Fahrradwaggon das Hindernis einige Meter vor sich her. Mit 20 Minuten Verspätung trifft die Kleinbahn in Bleckede ein. Es hätte aber auch anders kommen können.

Pero Schmidt ist immer noch schockiert. „Glücklicherweise ist das Geländer von den Gleisen geworfen worden“, sagt der Fahrdienstleiter der Kleinbahn, die von der Arbeitsgemeinschaft Verkehrsfreunde Lüneburg, kurz AVL, betrieben wird. „Wäre es unter den Zug geraten, hätte das auch zur Entgleisung führen können.“ Dann hätte es wohl Verletzte gegeben, denn an dieser Stelle fällt der Bahndamm etwa zweieinhalb Meter ab. Der Triebwagen hat nur einige Kratzer und Lackschäden abbekommen. Der Sachschaden beträgt 1000 Euro. Unter anderem muss das Schotterbett repariert werden.

Schmidt hat Anzeige wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr erstattet. „Das ist kein Dumme-Jungen-Streich“, betont der Hobby-Eisenbahner. „Da gehört kriminelle Energie zu.“ Denn die unbekannten Täter mussten das schwere Stahlgeländer, das eigentlich zu einer Signalanlage gehört, extra abbauen und zu den Gleisen schleppen. Wer so etwas tut, darüber kann der Betriebsleiter nur spekulieren – von Betrunkenen bis zu G 20-Gegnern. Fest steht: Sie müssen Ortskenntnisse besitzen. „In der Gegend haben wir keine Gegner, weil wir viele Touristen in die Gegend bringen“, gibt Schmidt zu bedenken.

Derzeit verkehrt die Museumsbahn zwischen Mai und September unregelmäßig etwa anlässlich von Festen auf der wiederhergestellten früheren OHE-Strecke. Im vergangenen Jahr zählten die Lüneburger Hobbybahner 6000 Fahrgäste.

Bei einer Wiederbelebung des Linienverkehrs könnten es deutlich mehr sein. Während des erfolgreichen Probebetriebs im Mai bot die Kleinbahn eine Werkwoche lang fünf Fahrten hin und zurück an. 3000 Fahrgäste nutzten das Angebot.

Von Gerhard Sternitzke

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