Angeboten wird, was irgendjemand noch gebrauchen kann

Händler und Schnäppchenjäger: 25 Jahre Flohmarkt in Bienenbüttel

+
Ursula Sander (links) und Gabriele Reichel haben den Keller aufgeräumt und bieten das, was sie selbst nicht mehr brauchen, auf dem Flohmarkt vor der Bienenbütteler Ilmenauhalle an. Fotos: Kieppe

Bienenbüttel. „Es ist doch jedes Mal wie eine Wundertüte“, sagt Jochen Siegel, und der Flohmarktveranstalter mit 40-jähriger Berufserfahrung meint damit nicht nur das wechselnde Warenangebot auf den Märkten, sondern auch das Wetter:

An diesem Sonnabend vor der Ilmenauhalle lässt die 40-prozentige Regenwahrscheinlichkeit die Teilnehmerzahl jedenfalls „überschaubar“ bleiben, wie Siegel es formuliert.

Wahre „Flohmarktfreaks“ wie Rütger Boekstegen kann allerdings auch die mieseste Witterung nicht von der Schnäppchenjagd abhalten. Gemeinsam mit seinem Studienfreund Henning von Steuben geht er regelmäßig auf den größten Flohmarkt zwischen Lüneburg und Uelzen. „Und anschließend gehen wir wir immer Pommes essen – da freut sich auch meine Frau schon die ganze Woche ‘drauf“, beschreibt von Steuben den Fortgang des liebgewonnenen Rituals.

Gleich neben dem drei Meter breiten, reich gedeckten Stand von Ursula Sander und Gabriele Reichel hat sich bereits um sechs Uhr früh Torsten Lütke postiert. Auf seinem Tapeziertisch finden sich neben allerlei technischem Gerät, CDs und PC-Spielen auch auffallend viele Bücher und sogar alte VHS-Videos: „Kinder-, Koch- und Gartenbücher sind immer sehr gefragt“, weiß der Bienenbütteler und fügt hinzu: „Die alten Videobänder kommen garantiert wieder, sie sind doch eigentlich viel haltbarer als die DVDs, die mit einem Kratzer nicht mehr abspielbar sind.“ Bei seinem Angebot garantiert Lütke, der immer loszieht, „wenn es das Wetter, die Gesundheit und die Zeit das erlaubt“, absolute Funktionalität: „Bei mir gilt das Prinzip Vertrauen gegen Vertrauen, ich bekäme hier im Ort sonst auch sofortige Rückmeldung, wenn etwas defekt ist.“

Flohmärkte gibt es in Bienenbüttel übrigens nicht nur zur Sommerzeit, nein, auch im Winter, wenn es schneit – dann allerdings in der fußbodengeheizten Ilmenauhalle. „Es gibt aber auch immer welche, die kriegen Sie selbst bei größter Kälte einfach nicht in die Halle rein“, berichtet Marktleiter Peter Behringer, „und das sind dann wirklich die Allerhärtesten.“

Bei der Besetzung ihrer Märkte achten Siegel und Behringer auf eine gesunde Mischung privater und gewerblicher Anbieter – wobei einige der letzteren offenbar die Steuerbehörden zu fürchten scheinen, wie der Teufel das Weihwasser. Da kann es dann wohl schon mal vorkommen, dass ein Verkäufer zum HB-Männchen mutiert und dem Reporter während des Gesprächs wütend den Notizblock entreißt. „Ist doch kein Wunder“, schmunzelt Siegel. „Im Wort Finanzamt stecken doch schließlich die Buchstaben A und Z.“

Von Marcus Kieppe

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare