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Ukraine-Krieg: Grünhagener Sänger sieht seine Band als Brückenbauer

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Von: Jannis Wiepcke

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Straßenkonzert von Denmantau in Kiew
Während ihres Ukraine-Besuchs spielten Paul Weber und Julian Schonscheck von „Denmantau“ auch am Klitschko-Brunnen in Kiew. © Privat

Im September und Oktober besuchten der Grünhagener Sänger Paul Weber und Gitarrist Julian Schonscheck die Ukraine. Im AZ-Gespräch erklärt Paul Weber, wie ihre Musik im Krieg als Brückenbauer fungieren könnte.

Grünhagen - Drei Wochen lang waren der Grünhagener Sänger Paul Weber und sein Bandkollege Julian Schonscheck von „Denmantau“ im vergangenen Jahr in der Ukraine unterwegs (AZ berichtete). Die Orte, an denen sie vor Kurzem noch musizierten, sind nun zu Kriegsschauplätzen geworden. Panzer rollen, Schüsse fallen, Bomben explodieren. Bei all dem Leid und der Zerstörung, den die kriegerische Auseinandersetzung mit sich bringt, ist sich Paul Weber im AZ-Gespräch aber sicher: Mit ihren Auftritten wird die Band die Ukraine und Russland auch weiterhin verbinden.

„Selbst wenn es vielleicht etwas abgedroschen klingt: Ich vertraue einfach auf die Kraft der Musik“, erklärt der Sänger. „Kraft der Musik“: Das bedeutet für Weber, mit den Konzerten seiner Band „Denmantau“ Menschen aus den unterschiedlichsten Nationalitäten zusammenzubringen – ganz egal ob Italiener, Iraker, Russen oder Ukrainer. Auf seinen Reisen um die Welt habe er die Erfahrung gemacht, dass sich die Menschen überhaupt nicht voneinander unterscheiden würden, weshalb er auch davor warne die russische Bevölkerung in der aktuellen Situation unter Generalverdacht zu stellen.

„Wir dürfen nicht in die Falle tappen und in Narrative des Kalten Krieges verfallen“, mahnt der Sänger und bezieht für seine Band Stellung: „Wir sind nicht gegen die Russen. Wir sind für alle.“ Aus diesem Grund will die Band auch nicht von ihrem Plan abrücken, andere osteuropäische Länder wie Tschechien, Rumänien, aber irgendwann auch Russland zu besuchen.

Dass Weber so reagiert, ist keine Selbstverständlichkeit, hat er durch seine dreiwöchige Reise und die Auftritte seiner Band einige Freunde in der Ukraine gewonnen, die ihre Wohnungen verlassen mussten und geflüchtet sind. Weber erzählt in diesem Zusammenhang von einer Künstlerin aus Lemberg, auf deren Initiative er das Land im September erstmals bereiste. Sie ist mittlerweile in den Karpaten und befindet sich in Sicherheit. Angesichts des traumatisierenden Krieges sei die Frau zwar einerseits „fertig mit den Nerven“, könne dank ihres Glaubens aber auch aus dieser Situation neuen Mut schöpfen – das macht auch Paul Weber Hoffnung. Er sagt, dass die befreundeten Ukrainer ihm mitgeteilt haben, „eine unglaubliche Kraft zu spüren“, die ihnen dabei helfe, aus dem zerfallenen Land wieder etwas neues aufzubauen.

„Krieg ist das Schlimmste, das passieren kann. Es gibt nicht schlimmeres als Krieg“, urteilt Weber abschließend. Man müsse aber immer bedenken, dass alle Menschen in dieser Situation Verlierer seien. „Denmantau“ werde deswegen weitermachen, denn Menschen mit Musik zusammenzuführen, sei doch immer noch das Heilsamste, was sie in dieser Situation tun könnten.

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