Bürger befürchten Beschlagnahme

Grünhagen in Sorge: Dorfgemeinschaftshaus bald Flüchtlingsunterkunft?

+
Das Dorfgemeinschaftshaus ist der Treffpunkt der Grünhagener. Sie sind nun besorgt, dass ihr Haus als Unterkunft für Flüchtlinge benötigt wird.

Grünhagen. Auch wenn die Uhr im Grünhagener Dorfgemeinschaftshaus irgendwann um 14.37 Uhr stehengeblieben ist – die Zeit schreitet unaufhaltsam voran in dem rasant wachsenden Ort vor den Toren Bienenbüttels:

Ralf Kuchler: Besitzer von leerstehenden Häusern ansprechen.

„Seit 2000 haben wir einen Zuzug von fast 25 Prozent auf heute 332 Einwohner – das ist schon eine sehr positive und erstaunliche Entwicklung“, zog Ortsvorsteher und Fördervereinsvorsitzender Andreas Feige jetzt vor 70 Gästen beim ersten Dorffrühstück Bilanz. Getrübt wurde sie von der Sorge der Grünhagener, dass ihr mit ehrenamtlichem Engagement und Spenden errichtetes Dorfgemeinschaftshaus als Notunterkunft für Flüchtlinge genutzt werden könnte. „Ab wann findet die Belegung statt und wie schnell müssen wir weichen? Welche Räumlichkeiten werden als Ersatz für zukünftige Veranstaltungen gestellt? Wer kommt für auftretende Schäden auf? Und wer erstattet uns die vielen ehrenamtlich geleisteten Stunden und Sachspenden?“ So lauteten nur einige der Fragen der Bürger, mit denen Feige in den letzten Wochen konfrontiert wurde.

Zwar konnte der Ortsvorsteher vorläufige Entwarnung geben: Die Verwaltung in Bienenbüttel stellt demnächst ein anderes Gebäude für mindestens zehn Personen bereit. Er räumte aber gleichzeitig ein: „An der kurzfristigen Beschlagnahme zweier Turnhallen in Uelzen kann man beispielsweise sehen, wie schnell eine Notunterkunft gebraucht wird.“ Und Feige weiter: „Die Flüchtlingswelle ist erst am Anfang – wenn hier nicht konsequent die Kriegsflüchtlinge aufgenommen, aber die Wirtschaftsflüchtlinge abgewiesen werden, haben wir noch einen weiten, unübersehbaren Weg vor uns.“

Applaus erntete auch der im Sommer zugezogene Ralf Kuchler, der eindringlich um Verständnis für die große Not der Verfolgten bat und vorschlug, gezielt die Eigentümer der neun bekannten Leerstände im Ort auf eine Unterbringung der Flüchtlinge anzusprechen: „Wenn das klappt, wäre Grünhagen erstmal aus der Schusslinie gebracht.“

Ortsvorsteher Andreas Feige: Viele Fragen der Einwohner.

„Eine Nutzung der Dorfgemeinschaftshäuser als Notunterkunft ist möglicherweise in gewissen Situationen notwendig, jedoch nicht unser Ziel“, betont Bürgermeister Dr. Merlin Franke auf AZ-Nachfrage. „Leider steigen die Zuweisungen vom Land an den Landkreis Uelzen jedoch stetig weiter an.“ Die Gemeinde habe bereits alle für Flüchtlinge in Frage kommenden gemeindeeigenen Liegenschaften überprüft. „Bei den sich fast täglich ändernden Zahlen dürfen wir keinerlei Unterbringungsmöglichkeiten ausschließen“, so Franke – und wird grundsätzlich: „Es ist aus meiner Sicht an der Zeit und für die Akzeptanz in der Bevölkerung sehr wichtig, die Bemühungen für geordnete Rückführungen in Hannover deutlich zu verstärken und die Möglichkeiten des neuen Asylrechtes vollends auszuschöpfen, und zwar auch dann, wenn dies Abschiebungen notwendig macht. Nur so ist eine dauerhaft hohe Akzeptanz in der Bevölkerung möglich.“

Von Marcus Kieppe und Gerhard Sternitzke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare