Wilma Laudan stellt Buch vor: Lüneburger Äbte genehmigten sich ein Schloss

Grünhagen: Kleines Dorf mit großer Vergangenheit

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Zehn Jahre lang hat Wilma Laudan für ihr Buch über die Geschichte Grünhagens recherchiert. Die Spuren im historischen Forsthaus von 1746, in dem sie seit 25 Jahren lebt, spornten das Interesse der 76-Jährigen an der Vergangenheit ihres Dorfs an.

Grünhagen. Nicht einmal sechzig Autosekunden zwischen zwei grünen Ortsschildern, so nehmen Auswärtige Grünhagen in der Regel wahr. Ist das überhaupt ein richtiges Dorf? Ja, ist es: Ein kleines Dorf mit einer großen Vergangenheit, kann Wilma Laudan bestätigen.

Am Sonntag, 12. Oktober, 15 Uhr stellt sie Band 17 der „Spuren“-Reihe zur Geschichte Bienenbüttels und seiner Ortsteile mit dem lapidaren Titel „Grünhagen“ im Dorfgemeinschaftshaus der Öffentlichkeit vor.

Als sie vor 25 Jahren in das alte Forsthaus zog, da ahnte die Lerntherapeutin für Legasthenie nicht, dass sie als Zugezogene einmal zur Chronistin ihrer neuen Heimat werden würde. Zehn Jahre Arbeit kostete sie das 250 Seiten starke Buch. „Und ich bin noch nicht fertig, alle Dokumente auszuwerten“, betont die resolute alte Dame, einziges weibliches Mitglied im Arbeitskreis Geschichte der Gemeinde Bienenbüttel.

Das Herrenhaus auf einer alten Aufnahme. Steht es auf den Fundamenten des früheren Schlosses?

Dass die 76-Jährige zehn Jahre ihres Lebens in das Geschichtsprojekt steckte, hängt auch mit dem Fachwerkhaus aus dem Jahr 1746 zusammen, das nur über eine kleine Brücke am Forellenbach zu erreichen ist. „Unter den Dielen haben wir überall Findlingssteine gefunden.“ Sie könnten Teil eines Landgutes gewesen sein, das vom Lüneburger St. Michaeliskloster in Grünhagen betrieben wurde. Die Kirchenmänner wussen sich das Leben angenehm zu machen. Anfang des 14. Jahrhunderts ließ Abt Thomas ein Sommerhaus in dem Ort Gronenhagen errichten. Ließ er auch gleich das Dorf umbenennen? In den frühesten Urkunden von 1252 und 1273 hieß es Boythelendorpe. Nach einer Erwähnung von 1324 war es offenbar ein slawisches Dorf, vielleicht ein Rundling wie in vielen Orten im östlichen Kreis Uelzen.

Geprägt haben den Ort jedoch die Äbte, deren Wirtschaftshof zur Versorgung des Klosters beitrug. Abt Ulrich von Bervelde hatte nach den Informationen von Wilma Laudan bereits seinen ständigen Wohnsitz in dem Sommerhaus. 1350 ließ er dort eine Kapelle errichten. Der hierfür eingesetzte Priester musste auch für das Seelenheil seines Vorgesetzten beten.

Wie wohl sich die Geistlichen in Grünhagen fühlten und dass sie auf dem Land auf eine standesgemäße Unterbringung nicht verzichten mochten, schildert die Chronistin: „Abt Eberhard ließ von 1578 bis 1580 das Abteihaus in ein schlossähnliches Gebäude umwandeln.“ Dieser Landsitz war nach dem Dreißigjährigen Krieg ziemlich heruntergekommen. Im 18. Jahrhundert existierte nur noch eine Ruine. Der Altar aus der Kapelle wurde an die Kirche in Neetze verkauft, die Glocke hängt heute im Bienenbütteler Kirchturm. Doch der Grundriss und eine Zeichnung von 1785, die Wilma Laudan im Niedersächsischen Hauptstaatsarchiv entdeckte, belegen, dass die Gottesmänner an nichts gespart hatten.

Es war ein repräsentatives Herrenhaus mit vier runden Ecktürmchen. Umgeben war die Anlage von einem Wassergraben. Brücken führten zunächst in das Torgebäude mit Ställen. Eine weitere Brücke führte auf den Schlosshof. Es könnte der Forellenbach zwischen ihrem Forsthaus und dem Gasthaus gewesen sein, vermutet die Chronistin. „Die Flucht zwischen beiden Gebäuden stimmt genau überein.“

Von Gerhard Sternitzke

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