Lüneburger Grünen-Abgeordnete fordern Überflugverbot für das Zwischenlager im Nachbarlandkreis

Gorleben wird nicht evakuiert

Die Bundesregierung hält besondere Evakuierungspläne für das Zwischenlager Gorleben nicht für erforderlich. Foto: dpa
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Die Bundesregierung hält besondere Evakuierungspläne für das Zwischenlager Gorleben nicht für erforderlich.
  • Gerhard Sternitzke
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stk Lüneburg/Gorleben. Schrecksekunden im März: Weil es 22 Sekunden lang keinen Funkkontakt zu einem Flugzeug gibt, das in Richtung London unterwegs ist, steigen Abfangjäger der Luftwaffe auf. Fünf Atomkraftwerke in Norddeutschland werden teilweise evakuiert.

Wenn erneut ein solcher Renegade-Voralarm gegeben wird, weil sich möglicherweise ein gekidnapptes Großflugzeug nähert, werden in Gorleben keine besonderen Vorkehrungen getroffen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage der Lüneburger Bundestagsabgeordneten der Grünen Julia Verlinden hervor.

Im Renegade-Rahmenplan für Terrorangriffe mit Großflugzeugen sind demnach nur Atomkraftwerke erfasst. Die Begründung der Bundesregierung, warum Zwischenlager mit hochradioaktivem Atommüll wie in Gorleben nicht in die Gefährdungsliste aufgenommen werden, klingt für die Grünen-Politikerin absurd: „Die Zwischenlager“, heißt es in der Antwort, „sind meistens mit Personal besetzt, das von einer Teilräumung nicht betroffen wäre und weisen einen hohen Schutzgrad für das Szenario „Flugzeugabsturz“ auf.“

Damit gibt sich die atompolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion nicht zufrieden. Die Aussagen der Bundesregierung verstärkten den Eindruck, dass der übereilte Übergang der Zwischenlager von der Gesellschaft für Nuklearsicherheit (GNS) auf die staatliche Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) zum August möglicherweise etwas mit sehr kostspieligen Nachrüstungsmaßnahmen zu tun haben könnte. Julia Verlinden unterstützt deshalb die Forderung des Kreistags in Lüchow-Dannenberg und von Minister Wenzel nach einem Überflugverbot für Gorleben. „Zumindest bis der bauliche Katastrophenschutz für das Castor-Lager sicher gewährleistet wird“, so Julia Verlinden.

Die Fragen nach temporären Maßnahmen bis zur Umsetzung der Nachrüstungsmaßnahmen seien unbeantwortet geblieben. Laut Bundesregierung unterliegen sie der Geheimhaltung, „um ihre Wirksamkeit nicht zu gefährden“. Offen bleibe zudem die Frage, warum die Antrags-Unterlagen für die Baumaßnahmen noch nicht vollständig seien. Für den Bau einer Schutzmauer am Zwischenlager müsse daher noch einmal mit zwei bis drei Jahren gerechnet werden.

Von den 85 577 Flugbewegungen auf den zivilen Luftstraßen über Gorleben in den letzten drei Jahren fallen laut Julia Verlinden immerhin 11 833 Flüge in die schwerste Kategorie mit einem Flugzeuggewicht von 136 bis 442 Tonnen.

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