Lünerecycling darf vorerst keinen Kompost mehr abgeben / Weitere Bauern betroffen

Müll auf dem Acker: Gewerbeaufsichtsamt reagiert

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So sehen die Siebrückstände aus, die von der Firma Lünerecycling weiterverarbeitet werden. Der Abfallwirtschaftsbetrieb des Kreises Uelzen hat seine Lieferungen jetzt gestoppt.

Steddorf/Lüneburg. Der Skandal um mit Müll verunreinigten Kompost in Steddorf weitet sich aus. Das Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg teilt mit, dass weitere Ackerflächen im Landkreis Lüneburg betroffen sind. Die Ursache ist dagegen weiter ungeklärt.

Der Steddorfer Landwirt hatte 700 Kubikmeter Kompost von der Firma Lünerecycling bezogen, die Ausschuss aus Kompostierungsanlagen verwertet. Nach den Lieferscheinen hat er den organischen Dünger am 3., 6. und 7. Februar abgeholt. Ob seine Berufskollegen ihr Material auch von dem Unternehmen im Embsener Gewerbegebiet bezogen haben, ist noch nicht geklärt.

Für den zertifizierten Entsorgungsbetrieb hat der Vorfall ernste Folgen, wie die stellvertretende Leiterin des Gewerbeaufsichtsamts Christina von Mirbach mitteilt: „Bis zur Aufklärung der Ursache für die erheblichen Verunreinigungen beziehungsweise der Freigabe durch das Gewerbeaufsichtsamt verlässt kein Kompost das Betriebsgelände.“ Der dort bereits lagernde Kompost soll durch ein Labor untersucht werden. Außerdem wird die Firma eine Liste mit allen Kunden zur Verfügung stellen, die sie bislang mit Kompost beliefert hat.

Auch der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Uelzen hat Konsequenzen gezogen. Laut Gewerbeaufsichtsamt hat er bis zur Aufklärung alle Lieferungen an Lünerecycling gestoppt. Bislang wird das Material, das beim Sieben des Komposts in Borg übrig bleibt, in Embsen ein weiteres Mal mit einer speziellen Anlage gesiebt. Für die Abnahme des Materials zahlen die angeschlossenen Landkreise laut Geschäftsführer Heiko Neben.

Das Unternehmen ist bemüht, bei der Aufklärung zu helfen. Laut Christina von Mirbach ergab ein Besuch von Mitarbeitern des Gewerbeaufsichtsamts keine offensichtlichen Unregelmäßigkeiten auf dem Betriebsgelände.

Inzwischen hat ein Labor auch eine sogenannte Rückstellprobe des Komposts vom 20. Januar analysiert. „Die laborseitig durchgeführte Analyse der Rückstellprobe des Komposts hat ergeben, dass keine Fremdbestandteile festgestellt werden konnten“, berichtet Christina von Mirbach. „Die übrigen Werte der hier maßgeblichen Bioabfallverordnung werden sicher eingehalten.“

Fremdstoffe, so die Behördenleiterin, entstehen, weil Bürger falsche Abfälle in die Biotonne werfen. Einen gewissen Anteil an Glas, Metall und Kunststoff toleriert der Gesetzgeber auch.

Nach Bioabfallverordnung dürfen in einer Tonne trockenem Kompost bis zu fünf Kilogramm Fremdmaterial enthalten sein. Bei 50 Prozent Wassergehalt beträgt der Toleranzwert sogar 2,5 Kilo.

Von Gerhard Sternitzke

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