„Gesundheitsschutz hat Priorität“

Bienenbüttel: Warum ein Kanuverleiher trotz Erlaubnis aktuell keine Touren anbietet

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Seine Boote bleiben vorerst auf dem Anhänger: Der Bienenbütteler Kanuverleiher Oliver Homann-Stahl bietet wegen der Corona-Krise aktuell keine Kanutouren an, obwohl es offiziell gestattet wäre.

Bienenbüttel – Vereinzelt waren am vergangenen Wochenende die ersten Kanufahrer der Saison auf der Ilmenau zu beobachten.

Einige von ihnen waren direkt am Kanuanleger an der Ilmenaubrücke an der Niendorfer Straße in Bienenbüttel eingestiegen – und hatten dabei das rot-weiße Flatterband sowie ein von der Gemeinde aufgestelltes Schild missachtet: Denn der Kanuanleger war zu diesem Zeitpunkt wegen der Corona-Krise und der damit einhergehenden Kontaktsperre offiziell gesperrt.

Landkreis: Kanutouren sind gestattet

Auf eine Anfrage der AZ, ob Kanutouren im Kreisgebiet aktuell erlaubt sind, antwortet Martin Theine, der Sprecher des Landkreises Uelzen: Kanutouren gelten laut der durch das Niedersächsische Sozialministerium erlassenen derzeitig gültigen „Verordnung über die Beschränkung sozialer Kontakte zur Eindämmung der Corona-Pandemie“ als sportliche Betätigung und sind damit zulässig. Fast zeitlich mit der Antwort des Landkreises erreicht die AZ am Mittwoch auch eine Mail von Bienenbüttels Bürgermeister Dr. Merlin Franke: „Nach Rücksprache mit dem LK öffnen wir heute alle Kanuanleger. Die geltende Kontaktsperre gilt natürlich weiter.“

Für Oliver Homann-Stahl, Vorsitzender der Wirtschafts- und Tourismusgemeinschaft Bienenbüttel und Inhaber des Kanuverleihs „Kanu aktiv“, ändert diese Erlaubnis jedoch erst einmal nichts. Er und sein Team werden zunächst keine Boote verleihen, sondern „erst beobachten, wie sich die Situation entwickelt“. Dieser Entscheidung liegen mehrere Punkte zugrunde, wie Homann-Stahl erklärt.

Zum einen gibt jetzt im April zum Saisonbeginn noch keine enorme Flut an Anfragen. Zum anderen sind aber auch die Auflagen, die im Zuge der Kontaktsperre auch auf die Verleiher zukommen, aus seiner Sicht nicht so einfach umsetzbar: „Klar kann ich für meine Kunden eine gewisse Taktung vorgeben und dafür sorgen, dass in Abständen gestartet wird“, sagt Homann-Stahl. Doch sobald auch Kunden eines anderen Verleihers dazukommen, könne eben nicht mehr sichergestellt werden, dass die Gruppen nicht gemeinsam starten oder sich an einem der beiden Kanu-Rastplätze auf dem Weg nach Lüneburg treffen.

Schutz der Gesundheit hat Priorität

Hinzu kämen Passkontrollen, um sicherzustellen, dass die Kunden aus einem Haushalt kommen und dementsprechend zusammenfahren dürfen, sowie der zwei Meter Sicherheitsabstand. „Diese Auflagen sind mit dem Kundenservice, wie ich ihn mir vorstelle, nicht vereinbar“, betont Oliver Homann-Stahl, der seinen Kunden eben auch dabei hilft, die Boote ins Wasser zu lassen.

Bevor er sich selbst, seine Frau, seine Mitarbeiter oder seine Kunden gesundheitlicher Gefahr aussetze, verzichte er auf die Aufträge im April, erklärt der Steddorfer: „Der Gesundheitsschutz hat Priorität. Da rechne ich mit den Euros nicht dagegen.“ Ab Mai – wenn die Kanusaison so richtig losgeht – müsse man die Situation gegebenenfalls neu bewerten.

VON FLORIAN BEYE

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