Gemeinderat Bienenbüttel will Schulbezirksantrag verhindern / Stellungnahme formuliert

Protestschreiben aus dem Norden

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Demonstrativ unterschrieben die Gemeinderäte (hier Alfred Meyer) die Stellungnahme.

Bienenbüttel/Landkreis. Einmütig, einig, gut gelaunt – so präsentierte sich der Bienenbütteler Gemeinderat am vergangenen Donnerstagabend. Hauptpunkt: Neufassung der Schulbezirke im Landkreis. Haltung des Rates: dagegen, und das mit Verve und Ausrufezeichen.

Die Zustimmung zu einer die Bezirksneufassung ablehnenden Stellungnahme erwartete jeder im Saal, nachdem alle Fraktionen und die Verwaltung in den vergangenen Tagen demonstrativ den Schulterschluss geübt hatten. Demonstrativ für Bürger und Medien unterschrieben dann auch alle Räte das Protest-Papier.

Die Kritik an der im Kreistag von der CDU/FDP/RRP-Gruppe beantragten Neufassung der Schulbezirke hängt sich daran auf, dass durch sie die Bienenbütteler ihre Kinder nicht mehr ohne Ausnahmeregelungen in Lüneburg auf eine weiterführende Schule schicken könnten. Bienenbüttel würde in den Schulbezirk des Lessing-Gymnasiums fallen, dessen Bezirk bisher nur in die Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf reicht. Wer sein Kind nicht auf die KGS in der Kurstadt schicken will, sondern ein Gymnasium bevorzugt, müsste also Uelzen wählen – statt wahlweise Lüneburg.

Die Argumentenliste des Bienenbütteler Rates ist lang: Bienenbüttel hat kein eigenes weiterführendes Schulangebot, und damit auch keine vom Schulträger finanzierte Halle; Bienenbüttel würde nur eingeschränkt weiterwachsen, weil Familien aus dem nördlichen Nachbarkreis ihre Kinder weiter im Norden einschulen lassen wollen; durch weniger Einwohnerzuwachs könne es weniger Kaufkraft und weniger Steueraufkommen geben; der Schulweg nach Uelzen ist länger als der nach Lüneburg; Geschwisterkinder würden unter Umständen getrennt.

In dem Schreiben findet sich aber auch der Vorschlag, dass das Lessing-Gymnasium verstärkt in der Grundschule Bienenbüttel beworben werden würde. Zur Erinnerung: Im Sommer hatte der CDU-Kreistagsabgeordnete Karsten Jäkel, der die Schulbezirksneusatzung im Kreistag vertritt, kritisiert, dass das LeG durch seinen kleinen Schulbezirk im Norden schlecht beworben werde und zu Infoveranstaltungen gar nicht eingeladen werde.

Nach dem formellen Unterschreiben der Stellungnahme gab Udo Hinrichs, gleichzeitig Mitglied des Bienenbütteler Gemeinderates und der CDU/FDP/RRP-Gruppe im Kreistag noch einen für Bienenbüttel hoffnungsvollen Zwischenstand aus der Kreispolitik ab: „Die Front fängt an zu bröckeln“, sagte er über die Stimmungslage der Gruppenmitglieder im Kreistag.

Stimmt das? Claus-Dieter Reese, Vorsitzender der Gruppe, die die Neusatzung gefordert hatte, will sich auf mehrmaliges Nachfragen der AZ nicht festlegen: „Wir werden den Punkt erneut zur Abstimmung stellen“, kommentiert er, weiter will er nichts sagen. Eine Spitze nach Bienenbüttel gibt er zurück: „Wir hatten den Antrag bei uns in der Fraktion besprochen, er ist im Schulausschuss bestätigt worden“, sagt er. „Den Bienenbütteler Kreisräten ist vermutlich durchgegangen, was das für Bienenbüttel bedeutet.“ Für die Position Bienenbüttels habe er Verständnis, sagte Reese. Bereits in dieser Woche hatte schon Rainer Fabel – ebenfalls Mitglied in der Gruppe, die die Schulbezirke gefordert hatte – einen Antrag auf die Auflösung aller Bezirke für weiterführende Schulen gestellt. Reese dazu: „In der Gruppe arbeiten wir zusammen. In einzelnen Themen kann ich aber niemanden knebeln“

Von Kai Hasse

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