Wachstum nur mit neuen Häusern

Gemeinde Bienenbüttel stellt Konzept zur Siedlungsentwicklung vor

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In der Gemeinde Bienenbüttel ist rege Bautätigkeit erforderlich, damit die Einwohnerzahl bis 2030 spürbar steigt. Hier das geplante Baugebiet „Kuhlfeld“ in Steddorf, im Hintergrund das Baugebiet „Wellbruch II“.

Bienenbüttel – Wie viele neue Wohneinheiten müssen pro Jahr in der Gemeinde Bienenbüttel geschaffen werden, um die Einwohnerzahl bis 2030 konstant zu halten oder zu erhöhen?

Welche Auswirkungen hätten Neubauten auf Kinderbetreuung, Schülerzahlen, Kaufkraft, hausärztliche Versorgung und Verkehrsaufkommen? Über diese und viele weitere Fragen gibt das aktuelle Siedlungsentwicklungskonzept Auskunft, das die Gemeinde in Auftrag gegeben hat.

Dr. Jens-Martin Gutsche, Stadtentwicklungs-Experte

Im Bau- und Umweltausschusses stellte Dr. Jens-Martin Gutsche vom Hamburger Stadtentwicklungsbüro Gertz Gutsche Rümenapp das Konzept jetzt vor. Sein Fazit: Die aktuelle Zahl von rund 6750 Einwohnern in der Gemeinde lässt sich bis 2030 nur konstant halten, wenn im Ortsteil Bienenbüttel jährlich mindestens zehn zusätzliche Wohneinheiten – also Häuser oder Wohnungen – geschaffen werden. In Hohenbostel, Steddorf und Wichmannsburg müssten es insgesamt mindestens fünf weitere Wohneinheiten pro Jahr sein, in den übrigen Ortsteilen mindestens sieben.

Bei umfangreicherer Bautätigkeit könnte die Einwohnerzahl sogar erhöht werden, prognostizierte Gutsche. Würden 45 zusätzliche Wohneinheiten pro Jahr geschaffen – darunter 40 Prozent in Mehrfamilienhäusern –, würde die Einwohnerzahl Bienenbüttels bis zum Jahr 2030 auf geschätzte 7270 Personen steigen. Bei jährlich 70 neuen Wohneinheiten wären es laut Gutsche 7830 Einwohner. Und bei der aus seiner Sicht maximal möglichen Zahl von 120 weiteren Wohneinheiten pro Jahr könnte Bienenbüttel bis 2030 sogar mit 8930 Bürgern rechnen.

In diesem Zusammenhang gab Gutsche auch eine Schätzung der Netto-Zuzugsquote für Bienenbüttel ab. „Pro 100 Bewohner in einem Neubau werden 80 zusätzliche Einwohner angenommen“, sagte er. Darunter seien 72 Neubürger und acht Bienenbütteler, die wegen eines realisierten Neubaus nicht aus der Gemeinde abwandern würden.

Das würde sich auch auf die Schülerzahlen auswirken, erklärte Gutsche. Würden 120 zusätzliche Wohneinheiten pro Jahr geschaffen, könnte die Grundschule Bienenbüttel aufgrund steigender Geburtenzahlen in einigen Jahren vierzügig werden.

Auch der Einzelhandel in Bienenbüttel würde von einem Bevölkerungszuwachs profitieren, meinte Gutsche. Jeder zusätzliche Einwohner in der Gemeinde bedeute einen Zuwachs von rund 1992 Euro Kaufkraft für den lokalen Einzelhandel – wobei es aber jährliche Verluste aufgrund des zunehmenden Online-Einkaufs geben werde.

Der Ausschuss verfolgte die Präsentation des Entwicklungskonzepts mit großem Interesse. „Es war eine gute Entscheidung, diese Untersuchung in Auftrag zu geben. Sie dient als weitere Diskussionsgrundlage“, sagte Ausschussvorsitzender Holger Janßen (KA). Reinhard Schelle-Grote (Grüne) wies darauf hin, dass an der Lindenstraße und im Bereich Alte Vogtei in den kommenden Jahren Neubauprojekte mit insgesamt mehr als 70 Wohneinheiten geplant seien.

Am Montag, 25. November, wird das Entwicklungskonzept während eines öffentlichen Bürger-Informationsabends noch einmal ausführlich vorgestellt. Beginn ist um 19 Uhr im Mühlenbachzentrum im Rathaus.

VON BERND SCHOSSADOWSKI

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