Fischzuchtanstalt Bienenbüttel wurde 1883 gegründet

Wo Geigen-Willi spielte und Forellen tanzten

Frischer Fisch aus der Heide: Die Fischzucht-Anstalt Bienenbüttel im Ortsteil Grünhagen lieferte frischen Fisch und Besatzfische, die zur Zucht verwendet wurden. Von der Bahnstation Bienenbüttel aus wurden sie ausgeliefert.
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Frischer Fisch aus der Heide: Die Fischzucht-Anstalt Bienenbüttel lieferte frischen Fisch und Besatzfische, die zur Zucht verwendet wurden. Von der Bahnstation Bienenbüttel aus wurden sie ausgeliefert.

Bienenbüttel – Heidschnucken, Schafe, Rinder oder Pferde: Die Lüneburger Heide ist Heimat vieler verschiedener Tierarten, die seit Jahrhunderten in dieser einmaligen Kulturlandschaft leben. Aber Forellen und Karpfen?.

Die Bienenbütteler verdanken dem aus Eitzen kommenden Forellenbach – der bei Grünhagen in die Ilmenau fließt – sowie letzterem Fluss, dass sich an ihrem Ort eine namhafte Fischzuchtanstalt ansiedelte, die heute kaum mehr bekannt ist.

„Nicht gefütterte Bachforellen aus Naturbächen“

Durch die Einweihung der Bahnstation 1847 entwickelte sich der Ort zwischen Hamburg und Hannover zu einem Verkehrsknotenpunkt. Dazu trug auch die Verladeeinrichtung für landwirtschaftliche Produkte bei.

Die günstige Verkehrsanbindung sowie die sauberen Heideflüsse haben dazu beigetragen, dass östlich der Bahnstrecke bei Grünhagen die „Fischzuchtanstalt Bienenbüttel“ entstand. Die Anstalt war „Eigenthum der Landw.Kammer Hannover“, wie ein Briefbogen aus dem Jahr 1901 belegt. Aus diesem geht weiterhin hervor, dass die Fischzuchtanstalt die „Aelteste Salmonidenbrut-Anstalt in der Provinz Hannover“ war und 1883 gegründet wurde. „Spezialität: Nicht gefütterte Bachforellen aus Naturbächen.“

Zucht- und Speisefisch aus Bienenbüttel

„Die Fischzuchtanstalt Bienenbüttel wurde als Pachtung angeboten“, erzählt Wolfang Koschel vom Arbeitskreis Geschichte. Pächter war Karl Brinkmann, über den keine Aufzeichnungen mehr vorhanden sind.

„Die Teichanlage diente der Aufzucht von Forellen, die damals als sogenannte Besatzfische gehandelt wurden“, berichtet Koschel. Aber auch Karpfen, Schleien, Saiblinge und Bach- und Regenbogenforellen wurden verkauft. Besatzfische werden in der Weiterzucht verwendet. Aber auch Frischfisch ging von Grünhagen aus in die Welt. „Die Fische wurden lebend transportiert. Anschließend wurden sie in Teichen und Flüssen ausgesetzt oder in der Küche schmackhaft zubereitet.“

Gaststätte eröffnet nach dem Krieg

Die großzügige Anlage, von der noch heute zwei Teiche zeugen, wurde nach dem Ersten Weltkrieg 1918 in Privateigentum überführt. Das Teichgelände selbst wurde durch Wirtschafts- und Wohngebäude ergänzt. Hinzu kam ein Unterstand, der für das Zerlegen und die Verarbeitung des frischen Fisches genutzt wurde. „Im Keller gab es fest gemauerte Bassins für die Fische“, berichtet Koschel.

In früheren Zeiten gab es auf dem Gelände mehrere kleine Aufzuchtbecken, die mittlerweile trockengefallen sind. Drei große Teiche wurden komplett bewirtschaftet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Wohn- und Wirtschaftsgebäude getrennt. Die Teichanlagen wurden wieder hergerichtet und bewirtschaftet. Der neue Eigentümer war Willi Draak. Heute sind die Teiche im Besitz des Lüneburger Angelsportvereins.

Aus den Gebäuden entwickelte sich ein Fremdenverkehrsbetrieb, „ein sehr gutes Haus“, wie sich Wolfgang Koschel erinnert. Die Familie Wellmann-Fres führte den Betrieb, der bis Anfang der 80er Jahre viele Stammgäste bewirtete. „Im Eingangsbereich stand ein Klavier, zu dem noch ein Geiger kam. Am Wochenende war das Tanzvergnügen sehr gut besucht.“ Am Klavier saß Heinz Neumann und Willi Seidel, ein Friseurmeister, spielte Geige. Er hatte den Spitznamen „Geigen-Willi“.

Sogar Hermann Löns schwärmt vom Fisch

Heute befinden sich die zwei bestehenden Teiche in einem Naturschutzgebiet – für die Menschen vor dem Ersten Weltkrieg spielten solche Gedanken noch keine Rolle. So steht in einem Bericht aus dieser Zeit geschrieben, wie stolz man sei: „Fischreiher, Fischadler und Eisvögel“ gefangen zu haben.

Die Fischzucht Grünhagen fand sogar Eingang in die Literatur: Der Heidedichter Hermann Löns nimmt in seiner Erzählung „Dahinten in der Heide“ von 1919 im Kapitel „Die Heidelerche“ bezug auf die Fischzucht. So heißt es anlässlich eines Festmahles: „Magst du denn keine Forellen? Es sind die Heidjerinnen aus Bienenbüttel.“ VON NICOLE LÜTKE

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Update/Korrektur: Die Fischzuchtanstalt Bienenbüttel befand sich nicht in Grünhagen, sondern lag direkt an der Bahnlinie in Bienenbüttel, am Krummbach.

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