Bienenbütteler Holzhandlung ersteigert Kiefernstämme, die dem Sturm von 1972 zum Opfer fielen

Das Geheimnis des Wasserholzes

+
Harald Frenz hebt das erste Brett von einem Kiefernstamm ab. Die Bienenbütteler Holzhandlung hat jetzt über 40 Jahre altes „Wasserholz“ ersteigert. In einem Teich ist es konserviert worden.

Bienenbüttel. Die Sägespäne sind überall. Harald Frenz dreht an einem Stellrad. „Jede Umdrehung ist ein Millimeter“, sagt der 59-jährige Bienenbütteler. Dann drückt er einen Knopf – Räder und Riemen des jahrzehntealten Sägegatters beginnen zu rattern.

Das Sägeblatt frisst sich durch das Holz. Die Kiefer stammt aus dem Uelzener Stadtwald. Aus einer anderen Zeit stammen die 13 Stämme, die Ehefrau Gaby Frenz jetzt bei der Nadelholz-Auktion der Landesforsten in Oerrel ersteigert hat. Sie fielen dem großen Sturm 1972 zum Opfer. Seitdem lagerten sie über 40 Jahre in einem Teich im Landkreis Celle.

Damals fielen in Niedersachsen auf einen Schlag 16 Millionen Festmeter Holz an, die Preise brachen ein. Waldbesitzer Michael von Harling aus Eversen versenkte die Kiefernstämme deshalb in einem Teich – und wartete ab. 44 Jahre später holte sein Nachfolger Maximilian von Harling die 13 Stämme heraus.

Die 44 Jahre alten „Wasserholz“-Stämme. 

Ein bisschen hat Gaby Frenz die Katze im Sack gekauft. Erfahrungen mit „Wasserholz“ hat die Bienenbüttelerin noch nicht. „Was das Besondere daran ist, kann man erst sagen, wenn wir das Holz aufgeschnitten haben. Aber wir hoffen natürlich, dass wir es in die Kategorie Wertholz eingliedern können“, sagt sie. Zunächst werden die Stämme ein bis anderthalb Jahre in der Halle getrocknet, dann werden möglicherweise Bretter und Leisten für Tischler daraus geschnitten.

Laut Forstbetriebsgemeinschaft Celle liegen bereits positive Erfahrungen mit dem ungewöhnlich hellen „Wasserholz“ vor. Durch die Lagerung unter Luftabschluss kamen weder Schädlinge noch Pilze an das Holz. „Dieses Holz trocknet sehr viel schneller als frisch gefälltes Holz, und es entstehen weniger Risse“, informiert die Forstbetriebsgemeinschaft. „Außerdem muss es nicht chemisch behandelt werden, da sämtliche schmackhafte Stoffe für Schädlinge bereits ausgewaschen sind.“

Insgesamt wurden in Oerrel und im südniedersächsischen Münden 2500 Kubikmeter wertvolles Nadelholz angeboten. Die Kiefern, Douglasien, Lärchen und Fichten, insgesamt 1370 Stämme, werden zu edlen Furnieren, Fensterrahmen oder Holzfußböden verarbeitet. Der Gesamterlös betrug 430 000 Euro. Eine Lärche aus dem Forstamt Neuhaus brachte allein 2700 Euro.

Von Gerhard Sternitzke

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare