Auf Erkundungs- und Entdeckungstour im über 40 Meter hohen Kirchturm in Bienenbüttel

Das Geheimnis der fünf Glocken von St. Michaelis

+
Angelika Naumow vor dem Uhrwerk, das zwei Mal die Woche per Handkurbel aufgezogen werden muss.

mki Bienenbüttel. Sie ist ein Schmuckstück im Herzen der Gemeinde, von innen wie von außen: Die 1837 errichtete und seitdem mehrfach renovierte und sanierte St. Michaelis-Kirche in Bienenbüttel.

Am Sonntagmorgen bot sich den Besuchern des Taufgottesdienstes die seltene Gelegenheit, auch einmal den in seiner heutigen Form erst 1907 entstandenen und 2003 nochmals überarbeiteten Backsteinturm zu erklimmen. 

Kirchenvorstandsmitglied Marianne Brunhöber bei den Nistkästen für Turmfalke und Schleiereule.

Im wahrsten Sinne des Wortes: Rund 36 Höhenmeter und 102 hölzerne Stufen sind durch das enge und verwinkelte alte Gebälk zu überwinden, um in die oberste „Etage“ des Turmes zu gelangen, der nicht nur eine fantastische Aussicht über den Ort, sondern inzwischen mit kleinen, an den Fenstern angebrachten Nistkästen auch eine Heimat für Turmfalken und Schleiereulen bietet. Das freut nicht nur den Naturschutzbund Deutschland (NABU) und den „Beratungsausschuss für das deutsche Glockenwesen“, die kürzlich gemeinsam die Gemeinde für ihr „tierisches“ Engagement auszeichneten: „Vorher haben die Tauben hier gebrütet und sich so weit ausgebreitet, dass wir schließlich den Kammerjäger holen mussten“, weiß Küsterin Heiderose Rensmeyer.

Küsterin, das ist ein wahrer Knochenjob: Sie muss neben ihren vielfältigen Aufgaben bei der Gottesdienst- und Veranstaltungsvorbereitung nicht nur zwei Mal in der Woche die vier Uhrwerke einzeln per Handkurbel aufziehen und stellen, sondern zur Weihnachtszeit hoch auf dem Dachstuhl des Kirchenschiffs mittels einer Drahtseilwinde auch den Adventskranz in die Höhe hieven. „Heute sind hier ja glücklicherweise Bretter verlegt, aber früher musste ich noch von Balken zu Balken springen“, berichtet Küsterin Heiderose Rensmeyer.

Auch das Geläut im Kirchturm zog viele Blicke auf sich. Die älteste Glocke wurde 1524 gegossen.

Apropos Glocken: Während Besucher etwa auf halber Höhe des Kirchturms die „Lutherglocke“ aus dem Jahr 1933 und die am 1. Advent 1957 eingeweihte, stählerne „Freudenglocke“ bestaunen, rätseln sie gemeinsam über das kleine, reichlich mit Patina behaftete Klangwerk daneben. Ist das wirklich die bereits 1524 von Cord von der Heyde aus Lüneburg gegossene, aus der um 1700 abgebrochenen Grünhagener Kapelle stammende und 1702 in Bienenbüttel eingesetzte Bronzeglocke? Aber was ist dann mit dem zwar deutlich hör-, aber aus allen Blickwinkeln unsichtbaren und nirgendwo schriftlich erwähnten Geläut im obersten Teil des Turms?

Erst eine AZ-Anfrage bei Pastor Jürgen Bade, der die Führung aus familiären Gründen nicht selbst übernehmen konnte, bringt endgültig Aufschluss: „Die kleine Glocke in stammt tatsächlich aus Grünhagen, und die beiden obersten sind einfache Eisenglocken, die an die Uhr angekoppelt sind und zur vollen und jede Viertelstunde läuten.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare