Rund 50 Steddorfer beteiligen sich an Dorfabend und äußern Anregungen, Sorgen und Kritik

Gegenwind und Ideen für neues Baugebiet

+
Auf diesem Acker zwischen Steddorf und Neu Steddorf sollen – gegenüber des bislang letzten Baugebiets Wellbruch II – weitere Baugrundstücke entstehen.

Steddorf. „Ich finde es kritisch, in Steddorf überhaupt ein neues Baugebiet zu präsentieren“, äußert Karl-Heinz Braunholz, in Steddorf wohnendes Mitglied des Bienenbütteler Gemeinderates, am Dienstag im Steddorfer Dorfgemeinschaftshaus seinen Unmut.

Die Verwaltung sammelt an diesem Abend Ideen und Anregungen für ein mögliches neues Baugebiet – gegenüber von Wellbruch II. Laut Bürgermeister Merlin Franke könnten dort bis zu 60 Grundstücke angeboten werden.

„Alt Steddorf hat 27 Häuser, das ist dörflich“, sagt Braunholz. Mit Wellbruch II sind 38 neue Häuser hinzugekommen. „Während die ursprünglich für 2017 geplante Dorferneuerung in Steddorf noch nicht umgesetzt ist, kriegen wir ein weiteres Baugebiet als Geschenk obendrauf, ganz toll“, sagt der Steddorfer mit sarkastischem Unterton.

Die Dorferneuerung sei verschoben worden, weil man für eine ohnehin geplante Maßnahme in Grünhagen kurzfristig zusätzliche 150.000 Euro im Rahmen der Dorferneuerung erhalten konnte, erklärt Franke: „Und du hast alle Beschlüsse auch mitgetragen.“

Braunholz bleibt an diesem Abend nicht der Einzige, der Kritik an dem geplanten Baugebiet äußert. Begeistert sind wohl die wenigsten der rund 50 Steddorfer im Dorfgemeinschaftshaus. Wie soll Steddorf mit dem großen neuen Baugebiet seinen dörflichen Charakter behalten? Wie sieht es mit Pflanzstreifen aus? Wird es wieder Stadtvillen geben? Wo soll das Rückhaltebecken für Regenwasser entstehen? Ist ein Spielplatz vorgesehen? Nur Einfamilien- oder auch Mehrfamilienhäuser? Wie soll das durch weitere Anwohner steigende Verkehrsaufkommen gesteuert werden, sodass niemand darunter leidet?

Genaue Antworten kann Merlin Franke nicht geben, da die Planungen noch nicht richtig begonnen haben. Nur so viel: Man wolle Grundstücke ab einer Größe von 1000 Quadratmetern anbieten. Das ganze Gebiet solle so grün wie möglich werden, um den dörflichen Charakter zu erhalten. Wenn es nach ihm gehe, würden nur Einfamilienhäuser gebaut, sagt Franke. Zudem könne er sich gut einen 10 Meter breiten Pflanzstreifen um das Baugebiet vorstellen. Entschieden ist aber noch nichts. Auf Nachfrage erläutert Franke, dass die Gemeinde die Fläche noch nicht gekauft habe.

Ob in den zukünftigen Kaufverträgen festgeschrieben werden könne, dass sich die Käufer mit landwirtschaftlichen Betrieben in der Nachbarschaft abfinden müssen, will Tanja Braunholz wissen. Sie wäre – sofern das Baugebiet in der jetzt geplanten Form entsteht – direkte Nachbarin und hält auf ihrem Hof drei Pferde. „Da entsteht Mist, und gerade im Sommer staubt es auch mal. Ich habe Angst, dass da Beschwerden kommen“, erklärt sie ihr Anliegen. Die Möglichkeit, einen solchen Absatz zu formulieren, gebe es durchaus, sagt Franke, der zudem klarstellt: „Jedem, der hierher ziehen will, muss bewusst sein, dass es eine ländliche Region ist.“

Der Bürgermeister erklärt zudem, warum Wachstum überhaupt wichtig ist. Der Gemeinde sei es ohne Wachstum nicht möglich, die vorhandene Infrastruktur zu halten. „Das ist doch Schwarzmalerei“, entgegnet der Steddorfer Peter Meier, der zudem eine grundsätzliche Frage stellt: „Würde es nicht Sinn machen, sich erst um das Parkplatzproblem im Kernort zu kümmern, bevor Bienenbüttel weiter wächst?“

Von Florian Beye

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare