Industriedenkmal soll saniert und umgebaut werden

Ohne die Salzsau wäre Lüneburg nicht Lüneburg: Frischekur für Salzmuseum

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Salzsieder Mimke Koch zeigt regelmäßig in der Siedehütte, wie aus Sole Salz gewonnen wurde. Das Deutsche Salzmuseum in Lüneburg zog im vorigen Jahr 55 000 Besucher an.

Lüneburg. Es ist heiß in der Siedehütte. Mimke Koch, in einen weißen Kapuzenkittel gekleidet, zieht das kristallisierte Salz mit einem Holzschieber in der dampfenden Pfanne zusammen, so wie es die Lüneburger Salzsieder schon im Mittelalter und in der frühen Neuzeit getan haben.

Besucher erleben im Deutschen Salzmuseum anschaulich, wie das weiße Gold gewonnen wurde, das Lüneburg reich machte. Doch die Einrichtung in der ehemaligen Saline ist in die Jahre gekommen. Voraussichtlich ab 2019 soll das Museum, das im vorigen Jahr 55 000 Besucher anzog, mit einem Aufwand von drei Millionen Euro saniert und bis 2021 auf den aktuellen Stand gebracht werden. Noch laufen die Planungen.

Museumsleiterin Hilke Lamschus, hier an einem riesigen Salzblock, will die Ausstellung umgestalten.

„Die letzte Auffrischung hatten wir im Jahr 2000“, sagt Museumsleiterin Hilke Lamschus. „Die Ausstellung muss überarbeitet werden. Die Leute haben andere Erwartungen an die mediale Vermittlung.“ Wandtafeln würden von Kindern nicht mehr gelesen. Und Bildschirmstationen werden heute per Touchscreen gesteuert. Bleiben wird wohl die halbe Ente. Sie zeigt: Ohne Streusalz landen Autofahrer am Baum. Ideen hat die 62-Jährige genug. „Vorausgesetzt, das Geld ist da.“ Erneuert werden müssen auch salzzerfressene Mauern, Elektrik und die Toiletten. „Das ist der Schick der Achtziger“, räumt die Museumschefin ein. Zudem sollen die kompletten 1800 Quadratmeter Ausstellungsfläche barrierefrei werden.

Dass ein Industriedenkmal Saline einmal zum Besuchermagneten würde, war nicht selbstverständlich, als der Betrieb 1980 mangels Rentabilität schloss. Die riesigen Siedewannen, von denen sechs erhalten sind, schluckten beim Erhitzen der Sole Unmengen teuren Heizöls. Einige Bürger, darunter Hilke Lamschus und ihr Mann Christian, setzten sich gegen Widerstände dafür ein, die Anlage zu erhalten.

Die Lüneburger Saline wurde 1980 mangels Rentabilität geschlossen. In dem Industriedenkmal erfahren Besucher alles übers Salz.

1989 wurde das Museum eröffnet. Es ging auch in der Vermittlung neue Wege. Dafür gab es 1991 den Museumspreis des Europarats. Bis heute steht das selber Machen für die 20 Museumsleute im Mittelpunkt. Generationen von Kindern haben aus der Sole weißes Salz gekocht. Was Mimke Koch dagegen beim Schausieden produziert, bessert als „Hansesalz“ in kleinen Säckchen die Kasse des Salzmuseums auf. Ein beliebtes Souvenir, das auch für die Küche taugt. „Das ist ein besonders sauberes Salz“, betont Hilke Lamschus. „Und es wird gern in der Kaviarproduktion eingesetzt, weil es ein sehr weiches Salz ist.“ Ganz originalgetreu sind die Vorführungen nicht. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit waren die Siedepfannen aus Blei. „Nach vier Wochen Sieden fehlten zwei Kilo“, weiß die Museumsleiterin zu berichten. In den besten Zeiten wurden in Lüneburg jedes Jahr 25 000 Tonnen Salz hergestellt.

Ohne die Salzsau wäre Lüneburg ein Dorf. Ein Jäger, berichtet die Sage, habe das Tier verfolgt, weil es weiße Pfoten hatte. Es führte ihn zu der Stelle, wo die am Salzstock gelöste Sole an die Erdoberfläche trat. „An der Sage ist ein Kern Wahrheit“, ist Hilke Lamschus überzeugt. „Pflanzenfressende Tiere haben die meisten Salzquellen entdeckt.“ Möglicherweise wird die Salzsau mit den weißen Haxen die Besucher zukünftig in einer Rotunde empfangen.

Wie die Sole im Stollen geschöpft wurde, ist einer der Hingucker im Museum. Der originale Brunnen im Brunnenhaus ist eingestürzt. Das Salzmuseum bezieht seine Sole über eine Leitung aus dem Brunnen der Salztherme Lüneburg (Salü).

Das Problem der Museumsmacherin: Sie ist nicht allein in dem Industriedenkmal – der Rest des Gebäudekomplexes ist von einem Supermarkt belegt. „Jeder Quadratmeter ist knapp“, bedauert Hilke Lamschus. Zudem steht die Anlage unter Denkmalschutz, was die Gestaltungsmöglichkeiten für die Ausstellung weiter einengt. Die Verwaltung zieht deshalb zum Jahresende in den Eselsstall. Dafür wird sie das Museum der 50er-Jahre einlagern müssen. Dabei verzeichnet die 2007 eröffnete Schau, die ursprünglich in Uelzen beheimatet war, im vorigen Jahr 23 000 Besucher.

Den bislang bescheidenen Museumsshop des Salzmuseums will Hilke Lamschus dennoch deutlich vergrößern: „Jeder nimmt irgendwas mit. Das bringt Geld in die Kasse.“

• Informationen im Internet: www.salzmuseum.de

Von Gerhard Sternitzke

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