120 Schüler treffen beim Karate-Camp in Bienenbüttel die Trainer-Gilde

Auf friedvollem Weg

Volle Konzentration bei den erfahrenen Karateka in der Ilmenauhalle. Das ständige Wiederholen der Übungen macht die japanische Kampfkunst so anspruchsvoll. Fotos: Holzgreve
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Volle Konzentration bei den erfahrenen Karateka in der Ilmenauhalle. Das ständige Wiederholen der Übungen macht die japanische Kampfkunst so anspruchsvoll.

Bienenbüttel. Es ist ein Treffen der gehobenen Gesellschaft, die sich schon mal gegenseitig auf die Matte legt.

Die zehn Trainer haben bisweilen sogar den hohen 8. Dan, rufen japanische Kommandos oder unterweisen Träger des schwarzen Gürtels in Sprung-, Tritt- und Handtechniken, das einem vor einer unangenehmen Begegnung Angst und Bange wird.

Ein großes Kapitel Karate dominierte am Wochenende die Ilmenauhalle beim 29. Sommercamp des TSV Bienenbüttel mit Unterstützung des Osaka-Teams des VfL Lüneburg. Und was für den Zuschauer nur eine Sportart in weißer Bekleidung ist, die olympisch wird, ist für die Karateka ein Lebensentwurf.

TSV-Karatetrainer Christoph Meinert, Träger des 5. Dan, mit den Schülern Max (links) und Fiete.

Denn nach zehn, zwölf Jahren erst kann ein Karateka den schwarzen Gürtel erwerben, dann heißt es zwei Jahre weiter trainieren für den 2. Dan, mindestens drei weitere Jahre für den 3., vier für den Vierten und fünf weitere für den 5. Dan. Der Cheftrainer des TSV, Christoph Meinert, hat seine Prüfung zum 5. Dan am Wochenende abgelegt. Seit 25 Jahren folgt er der japanischen Kampfkunst mit chinesischen Wurzeln. Meinert, 48, ist langjähriger Schüler bei Heinrich Reimer (71) aus Lüneburg, der den 8. Dan besitzt. Ein Leben für Karate? „Ja, das kann man sagen“, sagt Reimer, „Karate ist für mich eine Lebenseinstellung.“

Die 13 Jahre alte Malena und ihr Vater Olaf Scheele sind mittlerweile ein eingespieltes Team.

Das ständige Wiederholen der Übungen macht Karate so anspruchsvoll. „Von 1000 Anfängern schafft nur einer den schwarzen Gürtel“, weiß Frank Carmichael, Trainer beim VfL Lüneburg. „Es ist der Wunsch nach Perfektion“, sagt Carmichael, der den Karateka antreibt, außerdem spiele das Mystische und Exotische des Sports eine Rolle. „Es ist eine Sportart, die man von sechs bis 80 betreiben kann.“ Und Trainer, die sonst ihr eigenes Süppchen kochten, seien beim etablierten Sommercamp in Bienenbüttel „plötzlich wieder Indianer“.

130 Gäste kamen diesmal nach Bienenbüttel, Zeltlager und Grillabend inklusive. Und die Bienenbütteler Abteilung im TSV hatte es mit Cheftrainer Meinert ja nicht weit. Olaf und Malena Scheele lassen sich mit zwei Dutzend weiteren Karateka noch in Selbstverteidigung unterweisen.

Bereits seit 2012 sind die 13-Jährige und ihr Vater dabei. Wozu Karate? „Weil man es für die Schule braucht“, sagt Malena Scheele. Ein Satz, den ihr Vater so nicht stehen lassen will, aber beeindruckt vom Unterricht in der Halle feststellt, „dass man sich ohne Brutalität mit ganz einfachen Bewegungen wehren kann“.

„Viele denken ja, wir hauen die ganze Zeit Bretter durch“, sagt Christoph Meinert, dabei folgten sie in Bienenbüttel dem Wado-Ryu-Stil. Das heißt übersetzt: der friedvolle Weg.

Von Christian Holzgreve

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