Der „lange Marsch“ der Kurden

Freiheit für PKK-Gründer: Jugendbewegung demonstriert in Bienenbüttel und Bevensen

Unter dem Motto „Für die Freiheit – Zusammen erheben “ demonstrierten gestern in Bienenbüttel und Bad Bevensen Kurden aus dem ganzen Bundesgebiet. Mit dem „Langen Marsch“ möchte die kurdische Jugendbewegung auf die Unterdrückung ihres Volkes aufmerksam machen.
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Unter dem Motto „Für die Freiheit – Zusammen erheben “ demonstrierten gestern in Bienenbüttel und Bad Bevensen Kurden aus dem ganzen Bundesgebiet. Mit dem „Langen Marsch“ möchte die kurdische Jugendbewegung auf die Unterdrückung ihres Volkes aufmerksam machen.

Bienenbüttel/Bad Bevensen – Ein ungewohnter Anblick bot sich gestern Morgen Pendlern und Reisenden am Bahnhof in Bad Bevensen: Die Bereitschaftspolizei hat rund um den Eingang Aufstellung genommen. Zahlreiche Reisende schieben ihren Koffer durch Gruppen der Einsatzkräfte.

Pendler mit Kaffeebechern sind verwundert und fragen, ob etwas Schlimmes vorgefallen sei. In der Straße „Am Bahnhof“ stehen Busse und Fahrzeuge der Polizei dicht an dicht.

Seit Sonnabend ist ein Demonstrationszug der kurdischen Jugendbewegung in Deutschland durch Niedersachsen unterwegs. Der traditionelle „Lange Marsch“ (kurdisch: Mesa Dirêj) steht in diesem Jahr unter dem Motto „Für die Freiheit Abdullah Öcalans – Zusammen erheben” und führt von Hannover nach Hamburg. Am gestrigen Dienstag waren Bienenbüttel und Bad Bevensen Stationen im Landkreis Uelzen.

Die Protestierenden möchten mit dem Marsch auf die Situation der kurdischen Minderheit in der Türkei aufmerksam machen. Zudem fordern sie die Freilassung des Gründers der PKK (Arbeiterpartei Kurdistans), Abdulla Öcalan, der vor 21 Jahren in die Türkei verschleppt wurde und seitdem auf der Gefängnisinsel Imrali im Marmarameer in Isolation gefangen gehalten wird. Laut kurdischer Gemeinde in Deutschland beträgt die Zahl der Kurden in Deutschland rund eine Million.

Mit einer Stunde Verspätung kommen rund 100 Demonstranten in der Kurstadt an. Vor dem Bahnhof sammeln sie sich. Sie schwenken Fahnen der „Autonomen Region Kurdistans“, einer Tricolore in Rot, Weiß und Grün. Die Fahne der PKK ist in Deutschland seit 1993 verboten und ist nicht zu sehen. Kurdische Musik schallt über die Straßen. Die kurdische Jugend singt und tanzt, alles unter den wachsamen Augen der Beamten.

Der Demonstrationszug setzt sich langsam Richtung Medingen in Bewegung. Es ist noch ein langer Weg, den die Demonstranten zurücklegen müssen. Über Bruchtorf und Wichmannsburg geht es nach Bienenbüttel, anschließend weiter nach Lüneburg. „Deutsche Waffen, deutsches Geld, für den Krieg in aller Welt“, ist eine der Parolen, die gerufen wird. Damit wollen sie darauf aufmerksam machen, dass Waffen, die Deutschland an die Türkei liefert, zur Unterdrückung der Kurden eingesetzt würden.

„Wir kritisieren, dass Europa die Türkei militärisch unterstützt und an der Unterdrückung des kurdischen Volkes verdient“, so eine Teilnehmerin. In einer Ansprache während des Marsches erklären die jungen Kurden, worum es ihnen geht. „Die anderen Staaten interessieren sich gar nicht für eine Lösung der kurdischen Frage, weil die wirtschaftlichen Verbindungen zur Türkei wichtiger sind als das kurdische Volk.“ Der Gründer der PKK, Öcalan, habe eine Perspektive für einen Frieden im Nahen Osten entwickelt. Dazu habe er Lösungen in Bezug auf die kurdische Frage aufgezeigt, was ihn immer noch zu einem Vorbild für die kurdische Jugend mache. Bis zum frühen Nachmittag verlieft der Protestmarsch ohne Vorkommnisse, so Polizeisprecherein Antje Freudenberg. Am heutigen Mittwoch wird der Demonstrationszug in Lüneburg starten, dann geht es nach Winsen/Luhe. VON NICOLE LÜTKE

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