Politik will nachjustieren: Ausschuss empfiehlt, Wassertemperatur wieder auf 23 Grad zu erhöhen

Freibad-Pleite in Bienenbüttel

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Sprung ins kühle Nass: Nicht nur erfrischend, sondern schlicht zu kalt war vielen Badegästen das Wasser im Bienenbütteler Waldbad. Um Kosten zu sparen hatte der Rat zur Saison 2012 entschieden, die Wassertemperatur von 23 Grad auf 21 Grad abzusenken. Das könnte nun wieder rückgängig gemacht werden.

Bienenbüttel. Ernüchterung in Bienenbüttel: Die Besucherzahlen im Waldbad sind in der Saison 2012 um rund 23 Prozent zurückgegangen.

44236 Schwimmer vergnügten sich diesen Sommer im Bad – 2011 waren es noch 57502 – und bereits im vergangenen Jahr beklagte die Gemeinde bereits Besucherrückgänge. Grund für die schlechten Zahlen des Sommers sind die „dreifachen negativen Änderungen“, wie die Verwaltung als Diskussionsvorlage für den vergangenen Bau- und Planungsausschuss zusammenfasste. Die Politik hatte die Eintrittspreise um rund 20 Prozent erhöht, die Wassertemperatur von 23 Grad auf 21 Grad abgesenkt und die Badsaison verkürzt. Für weiteren Frust bei den Badegästen sorgte sorgte der Zeitpunkt der Reformen: Unmittelbar vor Beginn des Dauerkartenvorverkaufs wurden die Änderungen beschlossen (die AZ berichtete).

Nach den Negativ-Erfahrungen der abgelaufenen Saison heißt es nun Nachjustieren. Einig waren sich die Mitglieder des Bauausschusses darüber, dass die Wassertemperatur 2013 wieder auf 23 Grad erhöht werden muss. „Kinder konnten teilweise nur zehn Minuten im Wasser bleiben, weil sie dann dermaßen zu frieren anfingen“, kommentierte ein Schwimmer in der Einwohnerfragestunde die Zitterpartien des vergangenen Sommers. Heinrich Scholing (Grüne) pflichtete bei: „Wir haben das schlecht gemacht. Wir haben schlecht kommuniziert und die Entscheidungen über den Zaun gebrochen.“

Weiterhin empfiehlt der Fachausschuss, die Saison künftig am Freitag, der am nächsten zum 15. Mai liegt, zu eröffnen. Das Ende der Badezeit ist für den ersten Sonntag im September vorgesehen. Für Tageskartenkäufer wird ein Abendtarif ab 18.30 Uhr eingeführt, für diese Badezeit müsste der Badegast einen Euro weniger als für die normale Tageskarte zahlen. Zudem erhoffen sich die Politiker Einsparungen bei den Energiekosten, wenn Hinweisschilder angebracht werden, dass die Duschen mit dem gleichen Bedienknopf, mit dem sie angeschaltet werden, auch gestoppt werden können. Die Empfehlungen des Bauausschusses müssen noch vom Verwaltungsausschuss oder dem Rat bestätigt werden, bevor sie umgesetzt werden können. Für eine Änderung der Wassertemperaturen und der Öffnungszeiten reicht die Zustimmung des Verwaltungsausschusses.

Hinsichtlich der täglichen Badöffnungszeiten wollen die Bienenbütteler derzeit nicht den Rotstift ansetzen. „Ich bin froh, dass bei uns noch nicht die Diskussion um die Frühschwimmer entbrannt ist, wie in Bevensen-Ebstorf“, sagte Arnold Witthöft. Das Waldbad hatte im Sommer dienstags bis sonnabend von 6.30 bis 20 Uhr sowie sonn- und feiertags von 7.30 bis 20 Uhr geöffnet – und das soll vorerst auch so bleiben. In Bevensen-Ebstorf wird derzeit diskutiert, das Ebstorfer Waldemar und das Bad Bevenser Rosenbad wochentags erst von 10 Uhr an zu öffnen (die AZ berichtete). Das Waldbad Bienenbüttel schreibt seit Jahren rote Zahlen – durchschnittlich 100 000 Euro muss die Gemeinde jede Saison zuschießen. In der Badesaison 2012 wurden rund 14 000 Euro an Gaskosten eingespart – die Hälfte davon resultiert laut Verwaltung aus der verkürzten Saison, die andere Hälfte aus der gesenkten Wassertemperatur. Bei den Stromkosten wurden etwa 4000 Euro eingespart. Um künftig die Wassertemperatur wie empfohlen auf 23 Grad stabil zu halten, ohne den Haushalt zu stark zu belasten, regte Holger Janßen (KA) an, verstärkt über die Nutzung alternativer Energien nachzudenken.

2011 zählte das Waldbad 73 642 Gäste. 2010 waren es aufgrund des schlechten Wetters 49 000.

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