Den Flug nach Spanien gespart

Mehr Kraniche überwintern in Deutschland, einige Brutpaare auch im Kreis Uelzen

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Kraniche haben ihre Brutreviere in der Regel in Feuchtgebieten – wie diese Kranichfamilie bei Molbath nahe Suhlendorf. Weil sich die Witterung verändert, bleiben viele der Vögel auch im Winter in ihren Brutrevieren, anstatt gen Süden zu fliegen.

Bienenbüttel/Landkreis. Der Ruf der Kraniche ist unverkennbar. Dort, wo sie sich niedergelassen haben, sind trompetenartige Laute aus Wäldern und Feuchtgebieten zu hören. Wer derzeit zum Beispiel durch das Vierenbachtal bei Bienenbüttel geht, der kann den Kranichen auch jetzt – in den Wintermonaten – lauschen. Und das, obwohl sie eigentlich Zugvögel sind.

Waldemar Golnik

Bereits seit einigen Jahren könne man beobachten, dass viele Kraniche auch in den Wintermonaten in ihren hiesigen Brutrevieren verweilen, anstatt in südliche Gefilde zu wandern, berichtet Waldemar Golnik vom Naturschutzbund (Nabu) Uelzen. Der Grund dafür liegt in der Veränderung des Klimas: „Wir Menschen merken ja selbst, dass wir hier kaum noch richtige Winter haben. Das kriegen die Vögel natürlich auch mit.“ Sechs Kranich-Brutpaare in der Gegend rund um Bienenbüttel seien ihm bekannt, berichtet Golnik. Insgesamt hätten 130 Kranichpaare ihr Brutrevier im Uelzener Kreisgebiet, Tendenz steigend. Zahlen darüber, wie viele davon tatsächlich auch in der Region überwintern, gibt es nicht. Diese seien schwierig zu ermitteln. Denn: „Nur ein gewisser Teil bleibt hier, viele Kraniche fliegen noch immer gen Süden“, sagt Waldemar Golnik.

Früher habe das Zugverhalten der Kraniche im Herbst wie folgt ausgesehen, erklärt Golnik: Viele Tausend Kraniche ziehen aus Skandinavien Richtung Süden. In Deutschland – unter anderem im Diepholzer Moor und bei Berlin – finden sie sich mit anderen Kranichen an Sammelstellen zusammen. Dort verbringen sie eine gewisse Zeit, bis sie dann Richtung Spanien oder Frankreich fliegen.

Auch heute fliegen noch viele Kraniche zu den Sammelstellen, sagt der Nabu-Mann. Der Unterschied zum Verhalten vor drei, vier Jahren: „Wir beobachten schon ab Dezember, dass einzelne Brutreviere wieder besetzt sind.“ Zum Beispiel im Bereich seines Wohnortes Almstorf habe er schon wieder das dortige Brutpaar gesehen, erzählt Golnik: „Die waren sonst im Winter eigentlich nie da.“

Dass immer mehr Kraniche sich den Flug nach Frankreich oder Spanien sparen, liegt – wie bereits erwähnt – am veränderten Klima. Als die Winter in Norddeutschland noch eisig und schneereich waren, hatten die Kraniche, wie auch andere Vogelarten, Probleme, unter der dicken Schneedecke genügend Nahrung zu finden, erläutert Waldemar Golnik: „Aber wann haben wir hier schon noch richtig Winter und Schnee?“ Kälte an sich störe die Kraniche nicht, und Nahrung lasse sich ohne Schnee und Eis problemlos finden. Für die Kraniche gebe es somit keinen Grund mehr, den weiten Flug in südliche Gefilde auf sich zu nehmen. Ein Trend, der laut Golnik, auch für Störche gilt.

Von Florian Beye

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