Vertrag für den Luftsportverein Lüneburg läuft 2020 aus / Umzug nach Barnsen keine Alternative

Flieger kämpfen um ihren Flugplatz

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Segelflugzeuge auf dem Lüneburger Flugplatz. Der Luftsportverein mit seinen 120 Mitgliedern kämpft um sein Überleben, denn der Pachtvertrag läuft in zwei Jahren aus. „Der Verein ist 70 Jahre alt. Der ist tot, wenn er keinen Flugplatz hat“, sagt Vorsitzender Richard Meier. 

Lüneburg. Es hat etwas von Abenteuer, wenn der Propeller zu rotieren beginnt. Die Maschine rumpelt los, beschleunigt, und dann kommt der Moment, in dem die Räder den Kontakt zum Boden verlieren.

Die ersten Meter in der Luft sind noch ein wenig ruppig, bis sich das wohlige Gefühl einstellt zu schweben. Wie lange die Mitglieder des Luftsportvereins Lüneburg ihrer Leidenschaft noch nachgehen können, steht in den Sternen, denn der Pachtvertrag mit der Stadt läuft in zwei Jahren aus. Die Stadtverwaltung hat andere Pläne für das 20 Hektar große Gelände an der Ostumgehung. Im Gespräch ist eine Ausweitung des Industriegebiets Hafen.

Richard Meier

„Wir wollen eine Verlängerung des Pachtvertrags. Wir brauchen Planungssicherheit“, sagt Richard Meier, Vorsitzender des Luftsportvereins Lüneburg. „Der Verein ist 70 Jahre alt. Der ist tot, wenn er keinen Flugplatz hat“, mahnt der 65-Jährige, der regelmäßig mit einem Ultraleichtflieger in die Luft geht. „Wir werden in diesem Jahr einen Antrag auf Verlängerung stellen.“

Es dürfte kein leichter Gang sein. „Nach dem Ratsbeschluss vom 1. Oktober 2014 wird der Pachtvertrag mit dem Luftsportverein zum 31. Oktober 2020 auslaufen“, teilt Stadtsprecherin Ann-Cathrin Behnck auf AZ-Nachfrage mit. „Um die Übergabe der Fläche zu regeln und noch weitere offene Fragen zu klären, wird die Verwaltung 2019 mit dem Luftsportverein Gespräche einleiten.“ Über die zukünftige Nutzung werde im Bauausschuss gesprochen.

Nicht jeder ist von Meiers Hobby begeistert. 2009 formierte sich die Bürgerinitiative Lüneburg gegen Fluglärm. Sie machte auch Sicherheitsbedenken geltend und verwies auf Flugzeugabstürze 100 Meter von der Rudolf-Steiner-Schule (2002) und wenige Meter von der Ostumgehung (2009). Meier sieht keine besondere Gefahrenlage. Und er glaubt auch nicht, dass viele Bürger die Flieger ablehnen.

Der Pachtvertrag für die Luftsportler war jedenfalls im Stadtrat umstritten. Im Ergebnis gab es 2014 eine befristete Verlängerung. Außerdem zahlt der Verein seitdem 15.000 Euro Pacht pro Jahr. Im Moment betreibt Meier die Anlage auf Abruf. Die Gebäude müssten dennoch unterhalten, die Anlage gepflegt werden, betont der Vorsitzende. Vor zwei Jahren investierte der Verein sogar in eine neue Kunststoffmatten-Startbahn. Zuvor mussten die Flieger in der feuchten Jahreszeit am Boden bleiben.

Auf die Stadt ist Meier derzeit nicht gut zu sprechen. Der Flugsportverein, das sei ehrenamtliche, gemeinnützige Arbeit. 18 junge Leute befänden sich derzeit in der Segelflugausbildung. Und der Wirtschaft schade eine Schließung des Flugplatzes auch. So verzeichnet der Verein rund 500 Starts von Geschäftsleuten pro Jahr. „Letzte Woche hat die Stadt gerade die Anfrage einer Airbus-Tochter für eine Hubschrauber-Reparaturwerft abgelehnt“, berichtet Meier. „Da sollten Arbeitsplätze geschaffen werden.“

„Kampflos machen wir das nicht mit“, sagt er kämpferisch. Was ihm Mut macht, ist die Tatsache, dass die Stadt in gewisser Weise Fakten geschaffen hat. Als Naturschutz-Ausgleichsmaßnahme sei Anfang des Jahres eine Sandfläche für die Haubenlerche geschaffen worden. Auch andere Rote-Liste-Arten hätten sich angesiedelt. Ein Umzug auf den Flugplatz Barnsen kommt aus Meiers Sicht jedenfalls nicht in Frage. „Wir gehen nicht nach Uelzen. Der eine oder andere wird da landen können – aber nicht ein ganzer Verein mit 120 Mitgliedern.“

Von Gerhard Sternitzke

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