Landgasthof Stössel in Bohndorf hat sich von der typischen Dorfkneipe zum touristischen Anziehungspunkt gewandelt

Familienbetrieb seit 121 Jahren

Bohndorf. „Früher war das hier alles noch ganz anders, aber ich freue mich über die Weiterentwicklung unserer ehemaligen Dorfkneipe“, schwelgt Liselotte Täger in Erinnerungen.

Mittlerweile betreibt ihre Tochter Andrea Hermann den Landgasthof Stössel in Bohndorf bei Altenmedingen zusammen mit ihrem Mann Hans-Heinrich seit 1997 in dritter Generation.

Behagliche Atmosphäre: Der alte Kamin des Landgasthofes.

Angefangen hat alles 1890, als Heinrich Dreyer die Konzession für einen Ausschank erwarb und mit Ehefrau Marie das Gasthaus Dreyer gründete. Dessen Nichte, Elise Stössel, kam als Zwölfjährige nach Bohndorf – die Brüder waren im Ersten Weltkrieg gefallen – und übernahm das Gasthaus zusammen mit ihrem Mann Heinrich. Seit dieser Zeit trägt es den Namen „Stössel“. „Damals war das noch eine reine Dorfkneipe, 1931 kam dann noch die Poststelle dazu“ erklärt Andrea Hermann, „die „Haupteinnahmequelle war seinerzeit aber die Landwirtschaft mit umfangreicher Viehzucht und Ackerland“. Heinrich Stössel hatte damals sogar noch Land dazugekauft und den Grundbesitz auf 40 Hektar erweitert, die Kneipe lief eigentlich nur so nebenbei.

Als Liselotte und Arthur Täger den Landgasthof 1965 übernahmen, stellte sich bald die Frage, mit der Landwirtschaft weiterzumachen oder sich ganz auf den gastronomischen Betrieb zu konzentrieren. Die Entscheidung fiel zugunsten der Gastronomie: Das Haus wurde zu einem Landgasthof mit 30 Betten ausgebaut, weitere An- und Umbauten folgten.

1989 wurde die Küche komplett neu gebaut, 1993 entstanden Cafe und Wintergarten. Eine Entwicklung, die Andrea und Hans-Heinrich Hermann, die den Betrieb 1997 übernahmen, konsequent weiterbetreiben. Heute gibt es nicht nur einen großen Heidegarten mit Sonnenterrasse, sondern auch eine Saunalandschaft mit Hallenschwimmbad und sogar einen eigenen Tennisplatz.

Was aber ist aus der eigentlichen Dorfkneipe geworden, wie steht es um die typischen Kneipenbesucher des Dorfes? „Vereinzelt kommen schon noch Gäste aus dem Dorf auf ein Bier“, berichtet Hans-Heinrich Hermann. „Wir haben ja täglich geöffnet, die meisten Einheimischen kommen unter der Woche, der typische Frühschoppen am Sonntag ist out.“

„Überhaupt geht alles zurück, der Grund ist die Jugend, die einfach andere Interessen entwickelt“, so Hermann. Trafen sich früher bis zu 20 Jungbauern zum dienstäglichen Stammtisch, sind es heute noch fünf, bestenfalls zehn. Ähnlich verhält es sich mit dem Sparclub. „Der besteht heute noch aus knapp 20 Mitgliedern, die kommen nur schnell zum Sparen und sind sofort wieder verschwunden“, bedauert er. „Früher waren das bis zu 90 Personen, da kam es manchmal auch zu spontanen Unternehmungen.“ Dass fast die komplette Skatrunde verstorben ist und die Nachwuchsspieler ausbleiben, klingt nahezu sarkastisch, passt aber bestens in dieses Bild.

Der Landgasthof Stössel hat sich, begünstigt durch die günstige Lage zwischen Lüneburg und Bad Bevensen ganz auf den Tourismus konzentriert. Wenn man aber am behaglichen Kamin in der Gaststube sitzt, kommt es zurück, das Feeling der alten Dorfkneipe.

Von Oliver Huchthausen

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