Forum zur Digitalisierung beim Arbeitgeberverband in Lüneburg

Der Faktor Mensch bleibt

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Michael Zibrowius (Dritter von links) und Jürgen Rösing (Vierter von links) referierten auf Einladung des Arbeitgeberverbandes in Lüneburg zum Thema Digitalisierung in der Wirtschaft.

red Lüneburg. Die fortschreitende Digitalisierung der Arbeitswelt beobachten viele Menschen mit Argwohn. „Sie haben Angst um ihren Arbeitsplatz, sehen die Digitalisierung als Jobkiller“, weiß Michael Zibrowius vom Institut der Deutschen Wirtschaft in Köln.

Doch er hält diese Sorge für unbegründet: „Qualifizierte Mitarbeiter werden auch in der Zukunft gesucht“, sagte Zibrowius jüngst auf der Veranstaltung „Wirtschaft 4. 0 braucht Bildung 4. 0 – Lernen und Arbeiten in einer digitalen Welt“.

Der Arbeitgeberverband Lüneburg Nordostniedersachsen hatte dazu in den Kunstsaal Lüneburg eingeladen, mehr als 150 Zuhörer waren der Einladung gefolgt. Wer sich nicht weiterbilde, werde es künftig auf dem Arbeitsmarkt noch schwerer haben, erklärte Zibrowius, der seine These mit Zahlen belegte: Laut aktuellen Studien sind bis zu 25 Prozent der Arbeitsplätze in Deutschland potenziell durch Roboter und Software ersetzbar.

Als Beispiel nannte der Experte den Beruf des Einzelhandelskaufmanns, dessen Arbeitsalltag im Wesentlichen aus 14 verschiedenen Tätigkeiten bestehe. „Elf davon könnten heute schon potenziell durch digitale Lösungen ersetzt werden.“ Doch die Hauptaufgaben, nämlich das Präsentieren und Verkaufen der Ware, gehören nicht dazu. Der Faktor Mensch bleibe also im Mittelpunkt, erklärt Zibrowius. Aber: „Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.“

Ähnlich bewertete auch der zweite Referent des Tages, Jürgen Rösing vom Arconic-Konzern aus Hildesheim, die Situation: „Arbeit 4.0 bedeutet weniger Monotonie für die Mitarbeiter in der Fertigung, weil die Systeme immer komplexer werden.“ Die Digitalisierung werde die Betriebe substanziell verändern, die Beschäftigten massiv fordern, aber auch unterstützen, blickt Rösing voraus.

In den anschließenden Foren ging es um diverse Fragestellungen, unter anderem um die Digitalisierung in der Bildung. „Die Digitalisierung ist nicht nur eine Frage der Hard- und Software, sondern muss in der Lehreraus- und -fortbildung stattfinden“, forderte Renate Peters, Bildungsexpertin des Arbeitgeberverbandes.

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