Für viele hart – für andere weniger

Erfahrungen in der Corona-Krise: Bienenbütteler Gewerbetreibende berichten

„Wir waren total froh, dann wieder öffnen zu können“, sagt Loni Franke. Sie ist Inhaberin der Markthalle und des Einzelhandels Landfein in Bienenbüttel.
+
„Wir waren total froh, dann wieder öffnen zu können“, sagt Loni Franke. Sie ist Inhaberin der Markthalle und des Einzelhandels Landfein in Bienenbüttel.

Bienenbüttel – Die Corona-Pandemie hat Auswirkungen auf diverse Bereiche des Lebens. Auch die Gewerbetreibenden in der Gemeinde Bienenbüttel hatten mit der Krise zu kämpfen – die einen mehr, die anderen weniger.

Fadime Osmani, Loni Franke, Oliver Homann-Stahl, Hendrik Kathmann und Aline Salinski haben alle etwas gemeinsam: Sie haben ein Gewerbe in Bienenbüttel angemeldet.

Exemplarisch hat die AZ mit ihnen darüber gesprochen, wie sie durch die Corona-Krise kommen und wie schwierig die Zeit für sie war und ist. Dabei haben sie ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht.

Fadime Osmani

„Ich gönne mir sonst nur zwei Wochen Urlaub jährlich“, erzählt Fadime Osmani, Inhaberin eines Kosmetik- und Wellnessstudios. Wegen der Corona-Pandemie konnte sie in diesem Jahr sechs Wochen zu Hause bleiben. Entspannend war das aber wohl nicht, denn die Sorge war präsent: Was kommt noch? Wann hört es auf? Wie geht es weiter? Osmani beantragte Unterstützung vom Staat. Das Geld floss in Miete und andere laufende Kosten. Ihre Angestellte hat Osmani aufgrund der Krise entlassen müssen.

Hat sich während der corona-bedingten Schließung ihres Kosmetik- und Wellnessstudios fortgebildet und dadurch auch neue Kunden gewonnen: Fadime Osmani.

Als sie ihren Salon nach sechs Wochen wieder öffnen konnte, durfte sie zunächst nur medizinische Fußpflege anbieten. „Die Kunden brauchten dafür sogar ein ärztliches Attest“, erzählt Osmani. Die Hygienemaßnahmen umzusetzen, war für sie kein Problem, da sie seit Jahren mit Mundschutz und Handschuhen arbeitet.

24 Nageldesign-Kunden sind abgesprungen, berichtet Fadime Osmani: „Da habe ich schon Angst bekommen.“ Anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, machte sie eine Fortbildung im Bereich Wimpernverlängerung, um ein weiteres Standbein zu haben. Diese werde ebenso wie Fußpflege aktuell stärker nachgefragt. „Ich denke mir jetzt: Ich muss arbeiten, arbeiten, arbeiten und Geld scheffeln“, sagt Osmani. Denn: „Was machen wir, wenn der Staat uns dann nicht helfen kann.“ Gefreut hat sie sich darüber, dass viele Kunden durch den Kauf von Gutscheinen ihre Solidarität zeigten.

Loni Franke

Schon eine Woche vor dem Lockdown seien die Umsätze stark zurückgegangen, berichtet Loni Franke, Inhaberin der Markthalle und des neuen Geschäfts Landfein. „Da war große Unsicherheit zu spüren.“ Der Lockdown sei zwar „blöd“ gewesen, habe aber zumindest für eine klare Situation gesorgt. Kein Ostergeschäft, keine Modenschau – stattdessen Büro streichen, Markthalle streichen und Lager aufräumen. „Wir waren total froh, dann wieder öffnen zu können“, sagt Franke.

Auch das neue Geschäft Landfein, für das „eine nette Eröffnung“ geplant war, öffnete – aber eher im Stillen. Die dortigen Hauswirtschafts- und Gartenartikel seien sehr gut angenommen worden, berichtet Loni Franke. „Da hatten wir ja gar nicht mit gerechnet, die Produkte waren schon im Januar da, als an Corona noch nicht zu denken war.“

Gerade in der Markthalle sei die Situation sehr hart gewesen. Schon jetzt muss die Mode für das Frühjahr 2021 eingekauft werden, erklärt die Inhaberin. Aber: „Du weißt nicht, wo die Reise hingeht.“ Geht man auf Nummer sicher und bestellt weniger, nehme man sich selbst die Chance auf hohe Umsätze. Im anderen Fall laufe man Gefahr, auf den Produkten sitzen zu bleiben. Positiv sei dagegen, dass das Kundengeschäft nach der Krise nun wieder stärker anlaufe, sagt Franke: „Die Leute wollen raus, wollen einkaufen und etwas erleben.“

Oliver Homann-Stahl

Oliver Homann-Stahl, Kanuverleiher und WTG-Vorsitzender: Der Tourismus könnte zum Boomerang werden.

Etwas erleben können die Menschen auch auf der Ilmenau. Denn Kanutouren sind seit einigen Wochen wieder erlaubt, nachdem sie im Zuge der Verordnungen zur Eindämmung der Pandemie zwischenzeitlich untersagt worden waren. „Mittlerweile bewegen wir uns an den Wochenenden fast wieder auf Vorjahresniveau“, erzählt Oliver Homann-Stahl, Inhaber von Kanu aktiv und zudem Vorsitzender der Wirtschafts- und Tourismusgemeinschaft Bienenbüttel. In den vergangenen Wochen hat er eine steigende Zahl von Touristen in der Gemeinde wahrgenommen. Seine Vermutung: „Der Tourismus hängt zurzeit auch von den Corona-Fallzahlen ab.“

Er selbst hat mit dem Kanuverleih deutlich später wieder angefangen, als andere Verleiher. „Wir wollten zunächst die Situation an den Anlegern beobachten“, schildert er seine Beweggründe. Zudem seien die Verordnungen bezüglich der Personenzahl nicht immer ganz klar gewesen, weil es Unterschiede zwischen Sportgruppen und anderen Zusammenkünften gab. „Ab wann ist es Sport? Schon bei der Einweisung oder erst im Boot?“, erklärt der WTG-Vorsitzende seine Gedanken.

Eine seiner größten Sorgen aktuell ist es, dass der Tourismus zum Boomerang werden könnte. Er erläutert: „Bienenbüttel hat aktuell keine akuten Fälle, aber es sind viele Nicht-Bienenbütteler hier unterwegs, viele Menschen aus verschiedenen Regionen zusammen.“ Auch deshalb hat die WTG kürzlich eine Plakataktion gestartet. Man wollte den Menschen dafür danken, dass sie Solidarität gezeigt und sich an die Vorgaben gehalten haben. Gleichzeitig war es als Appell gedacht, jetzt nicht nachzulassen.

Aline Salinski

Babypartys kann Aline Salinski (rechts) wegen der Corona-Pandemie weiterhin nicht anbieten.

Erst Ende Februar stellte die AZ Aline Salinski und ihre Geschäftsidee vor: ein nachhaltiger Babyparty-Service. Wenig später schon lagen die Veranstaltungen wegen Corona auf Eis. Und das tun sie auch jetzt größtenteils noch: „Ich möchte die Leute auch nicht dazu animieren, sich zu treffen“, betont Salinski. Man wisse einfach nicht, welche Auswirkungen das Virus auf schwangere Frauen und das Ungeborene hat. Im Zuge der Krise hat sie versucht, Online-Babypartys anzubieten – über Skype oder Ähnliches. Mit mäßigem Erfolg.

Sie wolle weiter an Babypartys festhalten. „Das ist aber eher ein Hobby und nicht der Job, mit dem ich mein Geld verdiene“, sagt Aline Salinski, die in Kürze bei einem Versicherungsbüro anfangen wird. Deshalb sind ihre größten Sorgen aktuell nicht solche, die sie als Gewerbetreibende hat, sondern als Angestellte und zweifache Mutter: „Wie lange machen das die Arbeitgeber mit, wenn die Kinder bei jedem kleinsten Schnupfen nach Hause geschickt werden?“

Hendrik Kathmann

Relativ unproblematisch stellt sich die Zeit der Corona-Pandemie für Hendrik Kathmann und seine Mitarbeiter der H. Kathmann Haustechnik GmbH dar. „Wir konnten ohne große Einschränkungen weiterarbeiten“, erzählt der Installateur- und Heizungsbauermeister. Um möglichen Infektionsketten unter den Mitarbeitern vorzubeugen, wurden feste Zweier-Teams eingeteilt. Die einzelnen Duos starteten morgens zeitversetzt, sodass sie sich untereinander nur selten sahen.

Über eine durchweg gute Auftragslage auch während der Corona-Krise freut sich Hendrik Kathmann, Geschäftsführer der H. Kathmann Haustechnik GmbH.

„Wenn wir bei Kunden ankamen, haben wir direkt gefragt, ob wir Masken tragen müssen“, berichtet Kathmann. Die wenigsten hätten darauf bestanden. Zumal die meiste Arbeit im Keller oder Heizungsraum stattfindet. Einen Auftragsrückgang habe es nicht gegeben, lediglich einige ältere Kunden verschoben mal eine Wartung. „Andere haben dafür Sachen vorgezogen, die vielleicht erst für das nächste Jahr geplant waren“, erzählt der Geschäftsführer. Er habe auch mit anderen Handwerkern gesprochen, bei denen sich die Lage ähnlich darstellte. VON FLORIAN BEYE

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare