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Erdarbeiten fördern Überreste von Bienenbüttels altem Friedhof zu Tage

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Von: Lars Lohmann

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St. Michaelis in Bienenbüttel
Rund um die Michaeliskirche lag früher der Friedhof in Bienenbüttel. © Beye, Florian

Im Umfeld der St.-Michaelis-Kirche in Bienenbüttel sind Bauarbeiter beim Graben auf menschliche Knochen gestoßen. Das ist nicht so außergewöhnlich, wie man zunächst denkt.

Bienenbüttel – Aufregung herrscht vor einigen Wochen bei Bauarbeitern in Bienenbüttel. Beim Graben im Umfeld der St.-Michaelis-Kirche sind die Bauarbeiter auf menschliche Knochen gestoßen. Die Polizei wird gerufen, doch schnell ist klar, dass die Überreste schon mehrere Hundert Jahre alt sind.

„Rund um die Kirche lag früher, wie bei anderen Kirchen auch der Friedhof“, erklärt Pastor Tobias Heyden den Knochenfund auf AZ-Anfrage. Das erkenne man auch daran, dass die Kirche höher liege als die Umgebung. Der Fund an sich sei eher selten, aber nichts Außergewöhnliches. „Sobald man rund um die Kirche eineinhalb bis zwei Meter tief gräbt, kann es vorkommen, dass Knochenreste gefunden werden“, sagt Heyden. Letztmalig seien bei den Bauarbeiten am Kirchenkreisel vor acht Jahren menschliche Überreste gefunden worden.

„Es kommt manchmal vor, dass einzelne Knochen gefunden werden. Wir beerdigen die Überreste dann in einem würdigen Rahmen“, erklärt Heyden. Der Pastor spricht einen Segen und die die Fragmente werden auf dem kirchlichen Friedhof in einem dafür vorgesehenen Bereich bestattet.

Meldungen über Knochenfunde sind laut Kai Richter, Sprecher der Polizeiinspektion Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen, keine Seltenheit. „Ungefähr alle 14 Tage wird ein Knochenfund gemeldet“, sagt er. Wenn es eine Meldung gebe, schauen sich die Beamten die Umstände am Fundort und auch die Knochen genau an. „Ist es überhaupt ein menschlicher Knochen? Gibt es sichtbare Verletzungen? Hat sich mal ein Friedhof am Fundort befunden? Das sind Fragen, die erst mal geklärt werden“, sagt Richter.

Falls dann, wie im Fall Bienenbüttel schnell klar ist, dass es sich um alte vereinzelte Knochen aus einem früheren Grab handelt, gibt die Polizei die Überreste frei. Wenn aber noch Fragen offen sind, finden weitere Untersuchungen statt.

„Das müssen wir immer je nach Lage beurteilen. Wir schauen uns die Umstände immer genau an“, sagt Richter. So wird bei weitergehenden Untersuchungen zum Beispiel versucht, noch DNA für einen Gen-Test zu finden. Außerdem ist auch eine Gesichtsrekonstruktion bei Funden von Schädelknochen möglich. Die DNA-Ergebnisse werden grundsätzlich mit Vermisstenfällen abgeglichen.

Gelegentlich wird laut Richter auch die C-14-Methode genutzt, weil sich das Alter der Knochen nicht anders bestimmen lässt. So erfahre man, ob die Knochen erst 40 oder 60 Jahre oder doch schon 250 Jahre alt sind.

Knochenfunde gab es auch bereits an Richters Arbeitsstelle. Bei Arbeiten an der Kanalisation sind Überreste gefunden worden. Der Grund: Das Gebäude der Polizeiinspektion in Lüneburg steht auf einem ehemaligen Friedhof.

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