Teil 13: An der Ebstorfer Straße in Bienenbüttel steht zwischen der Bahntrasse und der B 4 ein Wohnhaus mit viel Geschichte

Wo einst ein Landarzt und ein Töpfermeister lebten

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Im linken Gebäudeteil hatte Anfang des 20. Jahrhunderts ein Landarzt seine Praxis, im rechten ein Töpfermeister seine Werkstatt. Die Aufnahme entstand um 1912. 

In loser Folge druckt die AZ alte Fotos aus Bienenbüttel. Fotograf Ulrich Niehoff hat den Postkartenmotiven aus seiner Sammlung aktuelle Fotos gegenübergestellt, die den Wandel des Ortsbilds zeigen.

Heute, in Folge 13 der Serie: eine ehemalige Landarztpraxis an der Ebstorfer Straße.

Heute wohnen in dem Wohnhaus an der Ebstorfer Straße in Bienenbüttel mehrere Parteien.

eye Bienenbüttel. Optisch hat sich das fotografierte Haus, das zwischen der Bahntrasse und der B 4 an der Ebstorfer Straße in Bienenbüttel steht, nur unwesentlich verändert. Zwei Fenster im Obergeschoss fehlen heute im Vergleich zu der Aufnahme, die um 1912 entstand. Zudem ist nur ein Edelstahlschornstein statt zuvor zwei gemauerten Exemplaren vorhanden. Heute ist das Gebäude ein Wohnhaus mit mehreren Parteien.

Der Bienenbütteler Kaufmann Heinrich Germeck (1850 – 1915) errichtete das Haus irgendwann zwischen 1890 und 1900. Dort war zunächst eine Landarztpraxis mit Arztwohnung eingerichtet worden, berichtet Wolfgang Koschel vom Arbeitskreis Geschichte. Damit habe man eine ärztliche Versorgung vor Ort sicherstellen wollen, um auch die langen Wege zu Ärzten nach Bevensen oder Lüneburg zu sparen.

Seinen eigenen Wohn- und Geschäftssitz hatte Germeck etwa 150 Meter entfernt von dem beschriebenen Gebäude. Er handelte mit Kolonialwaren, Haushaltsgegenständen und mit Produkten der Landwirtschaft. Zudem war er „öffentlich angestellter beeidigter Versteigerer“, wie das linke Schild am Haus zeigt.

Germeck war in zahlreichen Vorständen örtlicher Vereine tätig und Gründungsmitglied der 1898 in Bienenbüttel gegründeten Spar- und Darlehenskasse. Von seinem Onkel, dem Malermeister Hermann Schulz, erfuhr Wolfgang Koschel eine Anekdote über Heinrich Germeck: Im Anschluss an eine Vereinssitzung gab es noch ein „geistiges“ Getränk, was dazu führte, dass Germeck einnickte. Die übrigen Tischgenossen nutzten die Gelegenheit, um ihm eine Hälfte seines stattlichen Schnurrbarts abzuschneiden, bevor sie ihn „leicht verändert“ nach Hause schickten.

Das zweite Hausschild trägt die Aufschrift „Rudolf Grote, Herd- und Ofensetzer“. Vermutlich um 1900 zog der in Lüneburg geborene Töpfermeister Rudolf Grote in den aufstrebenden Ort Bienenbüttel. An der Ebstorfer Straße hatte er seine Wohnung und seine Werkstatt gemietet. Später zog er in eine zentralere Ortslage um. Dort hatte Grote seine Töpferwerkstatt bis zur Geschäftsaufgabe aus Altersgründen. Nach dem Einmarsch der Engländer am 18. April 1945 wurde der bisherige Bürgermeister abgesetzt und interniert und Rudolf Grote, da politisch unbelastetes SPD-Mitglied, als Bürgermeister eingesetzt. Unterlagen darüber, wie lange er das Amt innehatte, gibt es nicht. Er verstarb 1956.

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