Erste Darsteller bauen ihre Zelte in den Bienenbütteler Ilmenauwiesen auf

Einladung ins Mittelalter

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Wikinger Philipp Marquardt hat in den Ilmenauwiesen sein zweitstöckiges Zelt aufgebaut: „Ich lebe in einer Zeit, die längst vergangen ist“, steht daran zu lesen.

Bienenbüttel. Aufbruchsstimmung in den Ilmenauwiesen: Der Duft von Heu liegt in der Luft. Hammerschläge sind zu hören. Die ersten Zelte werden aufgebaut. Schwert, Axt und Schild liegen davor. Morgen, Freitagabend um 18 Uhr beginnt der Bienenbütteler Mittelaltermarkt.

Die ersten von rund 100 Darstellern sind gestern schon angereist.

Bunte Felle hängen am Quartier von Philipp Marquardt. Der 28-jährige Wikinger aus Handeloh im Landkreis Harburg hat ein eigenes Stecksystem für sein zweistöckiges Zelt entwickelt – so gibt es über dem Wohnbereich einen eigenen Schlafraum.

„Ich lebe in einer Zeit, die längst vergangen ist“, hat der junge Mann mit langem Kinnbart und dem Haarbüschel am Schädel in keltischen Runen in die Bohlen geritzt – eine Art Lebensmotto. Das Mittelalter ist nicht nur für ihn Gegenentwurf zum hektischen Alltag: „Das ist für mich Urlaub. Ich kann sein, wie ich will“, sagt Philipp Marquardt. „Ich muss niemandem etwas beweisen. Hier ist Spaß und Entspannung.“

So sieht das auch Veranstalter Detlef Krohn: „Wir haben den Zuspruch, weil wir nicht kommerziell sind, sondern wir gehen auf Spiel und Spaß. Das ist wie Familie“, sagt der Marktvogt, der mit seiner Frau Sylvia selbst regelmäßig auf Mittelaltermärkten ist. Dort lernen sie immer neue Mittelalter-Fans kennen, und so wächst die Zahl der Teilnehmer von Jahr zu Jahr.

Bis Sonntag können die Besucher in den Ilmenauwiesen Mittelalter schnuppern. Sie erleben mit, wie die Ritter von der Gruppe Hartigo ihren Streit mit Schwertern ausfechten, wie Schmiede glühendes Eisen bearbeiten. Sie lauschen den Klängen mittelalterlicher Musikanten, werden von den Gauklern Robert Blake und Immernochfrank unterhalten. Sie können sich die Zukunft vorhersagen lassen und gegen einen Humpen Bier den Turm besteigen, den Wikinger Philipp gerade errichtet. Und nach alledem nehmen Mutige im Waschzuber ein Bad. Erstmals wird beim Mittelaltermarkt in Bienenbüttel auch ein Bogenschießwettbewerb veranstaltet.

„Vom Mittelalter kann man das alte Handwerk lernen, das Einfache“, sagt Marktvogt Krohn, der sommers wie winters an seiner Filzmütze zu erkennen ist. Das Handy ist für ein Wochenende unwichtig. „Wir wollen uns unterhalten und nicht whatsappen“, ergänzt seine Frau Sylvia.

Wenn der letzte Besucher das Lager in den Ilmenauwiesen verlassen hat, dann gehen die vielen Feuer noch lange nicht aus. „Wenn der Markt zu Ende ist, geht der Markt für uns erst los“, erzählt Marktvogt Krohn. Dann sitzen die Darsteller bei Met und Kirschbier beisammen. Es ist wohl auch die Gemeinschaft in lauen Sommernächten, die die Magie des Mittelalters ausmacht.

• Der Mittelaltermarkt ist am Freitag, 21. Juli, in der Zeit von 18 bis 22 Uhr geöffnet (Eintritt frei). Am Sonnabend, 22. Juli, geht es von 12 bis 24 Uhr weiter, und am Sonntag, 23. Juli, ist der Mittelaltermarkt von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

Von Gerhard Sternitzke

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