Kläranlage Hohenbostel soll für 3,9 Millionen Euro modernisiert werden / Ziel: Stabile Gebühren

Eine Sache der Effizienz

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Bisher werden die Belebungsbecken über sogenannte Belüftungsmotoren mit Sauerstoff versorgt. Die geplanten neuen Becken sollen mit Druckluft arbeiten. 

Hohenbostel. Unterhosen, Gebisse und Mohrrüben. All diese Dinge wurden bereits im Rechen der Hohenbosteler Kläranlage herausgefischt. Der Rechen ist Teil der mechanischen Reinigung und soll ebenso saniert werden wie der Großteil der 1982 in Betrieb gegangenen Anlage.

Die maschinelle Entwässerung des Klärschlamms verbraucht viel Energie und soll durch Klärschlammvererdung ersetzt werden.

Über einen Zeitraum von vier Jahren soll die Kläranlage jetzt für insgesamt rund 3,9 Millionen Euro saniert werden. Darin enthalten ist eine Förderung in Höhe von einer Million Euro. Die Ziele: Die Anlage soll energieeffizienter werden und die Klärschlammentsorgung soll für die Zukunft auf sichere Beine gestellt werden. Dazu soll eine Klärschlammvererdungsanlage gebaut werden.

Merlin Franke

„Die Energetik wird verbessert. Wir werden mit den Umbauten rund 60 Prozent Energie einsparen können“, erklärt Bienenbüttels Bürgermeister Merlin Franke. Mit der Investition ins Klärwerk könnten die Abwassergebühren langfristig stabil gehalten werden.

Im Sandfang, unmittelbar vor den Klärungsbecken, setzt sich grober Schmutz ab.

Ein großer Energiefresser sind zurzeit laut einem Klärwerksmitarbeiter die Belüftungsmotoren in den zwei jeweils 1050 Kubikmeter fassenden Belebungsbecken. Sie funktionieren wie Schiffsschrauben und sorgen für die nötige Sauerstoffzufuhr im Becken. „Das entspricht nicht mehr dem Stand der Technik“, so der Klärwärter. In Zukunft soll die Sauerstoffzufuhr durch Druckluft geschehen. Das Ganze könne man sich dann wie einen überdimensionierten Whirlpool vorstellen.

Dort, wo zurzeit noch die beiden Belebungsbecken auf dem Gelände liegen, soll laut Franke künftig die Klärschlammvererdungsanlage gebaut werden. Die neuen Belebungsbecken werden in unmittelbarer Nachbarschaft auf dem Areal gebaut.

Energie soll auch durch die Umstellung auf Klärschlammvererdung eingespart werden, da die bisherige maschinelle Entwässerung des Schlamms wegfällt und das Wasser auf natürlichem Weg verdunstet. Ein weiterer Vorteil: „Anstatt zwei- bis dreimal im Jahr wird die Erde erst nach zwölf bis 15 Jahren herausgeholt“, sagt Franke. Weitere Vorteile seien, dass Hohenbostel weniger durch Verkehr belastet und die Umwelt geschont werde.

Um die Zufuhr mit Abwässern in Zukunft besser regeln zu können, soll zudem ein Misch- und Ausgleichsbecken gebaut werden. Bisher gebe es keine Möglichkeiten, den Abwasserzulauf zu steuern, da die Abwässer ohne Zwischenstopp in die Anlage kommen, erklärt der Klärwärter. „Ich merke schon, wenn bei einem Fußballspiel Halbzeit ist oder abends die Leute zu Hause sind.“ Mit den Misch- und Ausgleichsbecken könne man kontinuierlich auf gleichem Niveau arbeiten und so den Energieverbrauch deutlich verringern, weil keine Spitzen abgefangen werden müssten.

Von Lars Lohmann

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