50 Jahre Freikörperkultur in der Nähe von Rieste

Sport- und Naturfreunde Lüneburger Heide: Eine Oase der Freiheit

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Das Gelände des Vereins Sport- und Naturfreunde Lüneburger Heide liegt mitten im Wald im Riester Moor. Nacktsein ist dort vollkommen normal, „aber kein Muss“, erklärt der zweite Vorsitzende Guido Janouschek.

Rieste. Als „eine Oase, in der man sich ausleben kann“, beschreibt Josefa Janouschek das Gelände des Vereins Sport- und Naturfreunde Lüneburger Heide.

Das idyllische Stück Land liegt – versteckt in einem Wald – etwa 500 Meter abseits der Straße zwischen Steddorf und Rieste. Und es ist ein offizielles FKK-Gelände. Ein Ort also, wo die Freikörperkultur ausgelebt werden darf. Nacktsein ist dort vollkommen normal. „Aber kein Muss, niemand wird gezwungen, jeder ist hier frei“, betont Guido Janouschek. Er ist der zweite Vorsitzende des Vereins und ebenso wie seine Ehefrau seit 1973 Mitglied.

„Wir waren damals gar keine FKK-Freunde“, erinnert sich Josefa Janouschek. Mit den zwei gemeinsamen Kindern lebte das Ehepaar damals in einem Reihenhaus in Winsen. „Wir wollten einfach mal raus“, sagt die 71-Jährige. Von Freunden erfuhren sie von dem schönen Gelände im Riester Moor. Zunächst ganz vorsichtig, vielleicht sogar etwas skeptisch seien sie das erste Mal als Gast auf das Gelände gefahren, fügt Guido Janouschek hinzu.

Heute haben die beiden eine eigene Hütte auf dem Gelände und sind an vielen Wochenenden dort. „Es ist einfach schön, hier nackt herumlaufen zu können“, sagt der 75-Jährige, „ein ganz neues Lebensgefühl.“ Zu dieser Jahreszeit sind allerdings auch im Riester Moor keine nackten Menschen zu sehen, „außer in der Sauna“, sagt Josefa Janouschek. Die Sauna ist jedes Wochenende geöffnet. Auch einen großen Teich, einen Spielplatz, ein Sanitärhaus mit Toiletten und Duschen sowie ein großes Gemeinschaftshaus hat der Verein zu bieten.

Was es allerdings nicht gibt, ist Strom. „Aber wirklich fehlen tut der auch nicht“, betonen die Eheleute. Viele der nur noch 50 Vereinsmitglieder – es waren mehr rund 260 – haben Solarzellen auf den Dächern ihrer Hütten und Wohnwagen. Jedes Jahr kommen auch viele Gäste, die meisten aus den Niederlanden. „Die Holländer sind unkomplizierter und fühlen sich hier einfach wohl“, meint Guido Janouschek. Aber auch Deutsche kommen zu Besuch. „Ein Motorradfahrer kommt regelmäßig vorbei, legt sich ein paar Stunden nackt an den Teich und fährt dann wieder“, erzählt Josefa Janouschek. Zudem seien viele Kinder und Enkelkinder der Mitglieder gern zu Gast im Riester Moor.

Bekannt sind die Sport- und Naturfreunde Lüneburger Heide nicht nur wegen der gelebten Freikörperkultur, sondern auch wegen des Boule-Teams. „Wir spielen viele Turniere, unter anderem in Osnabrück und auch eigene“, berichtet Guido Janouschek.

Der Verein besteht seit 50 Jahren, hat aber – wie viele andere auch – mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen. „Jeder ist bei uns herzlich willkommen“, sagen die Janouscheks, „egal ob nackt oder nicht.“

Von Florian Beye

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