Mittelalter in Bienenbüttel: Handwerker präsentieren Gewerke / Darsteller übernachten in Zelten

Eine kleine Welt ohne Strom

Im Mittelalter sorgte der Barbier für die Rasur. Das zeigte der „Historical Barber“ Ulrich Junga. Der Vorsitzende der Wirtschafts- und Tourismus Gemeinschaft, Peter Dittrich, war davon begeistert. Fotos: Kiriczi

Bienenbüttel. Ein Leben ohne elektrischen Strom ist kaum noch vorstellbar. Wie war das im Mittelalter? Wie lebten da die Menschen? Das Rad der Zeit wurde in Bienenbüttel am Wochenende für drei Tage um Jahrhunderte zurückgedreht.

Die Wirtschafts- und Tourismus-Gemeinschaft Bienenbüttel lud zum mittelalterlichen Markt ein.

Bogenschießen in der Königlichen Bogenbahn: Nele (6) aus Munster war mit Erfolg dabei.

„Wir freuen uns, dass wir mit über 50 Ständen das mittelalterliche Leben vorstellen können“, sagte der Vorsitzende Peter Dittrich. Das mittelalterliche Leben pulsierte auf den Ilmenauwiesen. „Die Menschen, die aus Polen, Tschechien und aus ganz Deutschland zu uns gekommen sind, lieben die Art zu leben“, freut sich Dittrich, „die Darsteller streifen die moderne Zeit ab und versetzen uns in die Zeit von 1200 bis 1600.“

Dabei wurde aber auch deutlich: So gut war die gute alte Zeit nun doch nicht. Sie war beschwerlich. „Seid mir willkommen, ihr Neuzeitgäste“ und „seid gegrüßt“ waren die freundlichen Zurufe an die Besucher.

Alles war zeitgetreu – von der Kleidung über die Unterkünfte bis hin zur Verpflegung. Das einzige Zugeständnis an die Neuzeit war die Installation von Kühlanlagen, weil der Gesetzgeber das für die köstlichen Speisen und Getränke – Zuckerwasser gelb/weiß (normale Brause), Quellwasser (Selters) oder Moorwasser (Cola) – fordert. Serviert wurden die Getränke natürlich in Tongefäßen. Und die Währung waren Taler, ein Taler gleich einem Euro.

Glasperlen nach Wikingerart präsentierte Gunar Herzberg Clara und Tim aus Medingen.

Die Besucher konnten einem Schuhmacher zusehen, der aus Büffelleder Gürtel fertigte, dabei sein, wie Schmuck aus Bernstein oder Metall und Wikinger-Glasperlen hergestellt wurden. Das Seilerhandwerk wurde ebenso vorgestellt wie das Schleifen von Steinen und Werkzeug. Felle und Gewandungen verschiedener Epochen und Tongefäße wurden feilgeboten. Unüberhörbar ein Trommler, der durch die Reihen der Zelte zog und kundtat, dass die Märchenerzählerin die Kinder erwartete. „Komm setz dich, und höre die Geschichten“, forderte Marie, die erzählende Müllerin, ihre jungen Zuhörer auf. Die ausgebildete Erzählerin sprach frei und ging auf die Zwischenrufe der Kinder ein.

Dann tönte es von der Bühne, dass Frank, der zweitbeste Gaukler der Erdenscheibe, in Aktion trat. Mit seinem magischen Kompass zeigte er immer die richtige Richtung an, sein Spiel mit dem Diabolo war atemberaubend. Die Musikgruppen Schattenweber und Rebule begeisterten mit Erzählliedern und musizierten teils auf historischen Instrumenten.

Bei einem Barbier ließ man sich mit dem Messer rasieren. Das ist ja wirklich erstaunlich, wie glatt die Haut sich anfühlt, staunte der Vorsitzende Dittrich nach einer Rasur.

Zwischen den ‚Neuzeitlichen’ wandelten die ,Mittelalterlichen’. Übernachtet wurde nicht in Hotels. In den Zelten wurde das Nachtlager aufgeschlagen, zwischen Fellen und Decken. „Einen solchen mittelalterlichen Markt werden wir wieder veranstalten“, zog Dittrich Bilanz.

Von Gudrun Kiriczi

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