Konzert mit Michaelis Brass: 250 Grundschüler in Bienenbüttel spielen auf selbst gebauten Hörnern

Eine kleine Gartenschlauch-Musik

„Jeder von euch ist heute Abend ein Konzertspieler. Dazu gehört jede Menge Disziplin“, erklärt Andreas Vesper, Leiter von Michaelis Brass, bei der Generalprobe zum Schulkonzert. Er hofft, Nachwuchs für den Posaunenchor zu finden. Foto: Sternitzke
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„Jeder von euch ist heute Abend ein Konzertspieler. Dazu gehört jede Menge Disziplin“, erklärt Andreas Vesper, Leiter von Michaelis Brass, bei der Generalprobe zum Schulkonzert. Er hofft, Nachwuchs für den Posaunenchor zu finden.

Bienenbüttel. Eine ungewöhnliche Prozession schlängelt sich Freitagmittag von der Bienenbütteler Schule zur St.-Michaelis-Kirche. 250 Kinder tragen knallgelbe, aufgewickelte Gartenschläuche bei sich. Laute wie aus einer Hupe hallen durchs Dorf.

Es ist die Generalprobe für das gemeinsame Schulkonzert mit dem Posaunenchor Michaelis Brass am Abend und zugleich Abschluss eines spannenden Schulprojekts mit selbst gebauten Instrumenten.

„Jeder von euch ist heute Abend ein Konzertspieler. Dazu gehört jede Menge Disziplin“, erklärt Andreas Vesper, Leiter von Michaelis Brass, der das Projekt organisiert hat. Mit einer Engelsgeduld bringt er die Kinder zur Ruhe, die einen Heidenspaß daran haben, mit den Selbstbau-Hörnern jede Menge Lärm zu machen.

„Ein, zwei, drei“, gibt Vesper, mitstampfend, das Signal für den Einsatz. Ein ohrenbetäubender Lärm bricht los, begleitet von einem Klingeln in den Ohren. „Das war wirklich sehr gut“, lobt der Musikpädagoge, der an den Musikschulen in Uelzen und Lüneburg tätig ist. Mal blasen die Schüler laut und leise, dann wieder hohe und tiefe Töne. „Aufhören, aufhören!“, verschafft sich Vesper Gehör. Die Kinder lernen: Wenn der Dirigent die Arme hebt und mit den Händen rudert, ist Schluss.

Nun wird es kompliziert für die Erst- bis Viertklässler. Der Klang wandert durch den Kirchenraum, eine Klangwolke. „Das war super. Großartig!“, lobt Vesper die Kinder. Die im Unterricht gebauten Instrumente, bestehend aus dem aufgerollten Schlauchstück, einem Mundstück und einem Küchentrichter, dürfen die Kinder mit nach Hause nehmen. Und auf dem Programmzettel empfiehlt Vesper ihnen ein Formular für den nächsten Informationsabend von Michaelis Brass.

Das Projekt in der Grundschule, das Vesper mit seinen Töchtern Swantje und Finja anbietet – die eine ist Musikerin bei den Bamberger Symphonikern, die andere Musiklehrerin –, soll das Interesse der Schüler am Musizieren und an Blasinstrumenten wecken. Es dient der Nachwuchsgewinnung für Michaelis Brass. Denn die Zahl der jungen Musiker ist von einmal 30, aus denen erste und zweite Preisträger bis zum Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ hervorgingen, inzwischen auf zehn geschrumpft. „Viele stehen vor dem Abitur. Dann sind sie auch weg“, weiß Vesper.

Das Projekt würde der Musikpädagoge auch an anderen Grundschulen anbieten. „Es spielen zu wenige Kinder ein Instrument“, sagt Vesper. „Es gehört einfach zum Leben dazu.“

Von Gerhard Sternitzke

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